"Sind sehr froh, den Spielern dieses Angebot wieder machen zu können"

Dimi Hamalidis und die Jugendmannschften der SG Bettringen sind seit dem 10. März wieder im Training, die Reaktionen der Spielerinnen und Spieler und auch deren Eltern zeigen ihm, wie wichtig das war. Im Interview gibt er Einblicke in diesen kleinen Lichtblick in Zeiten des Lockdowns, das durch die neuesten Zahlen im Ostalbkreis nun schon wieder etwas getrübt wurde.

Dimi Hamalidis ist bei der SG Bettringen zusammen mit Simon Kreilinger und Robin Wiedmann für den Jugendfußball zuständig und war froh, als es nach der zweiten längeren Fußballpause innerhalb der letzten zwölf Monate vor ein paar Tagen endlich wieder auf den Platz gehen durfte. Doch wie kann unter diesen Umständen überhaupt trainiert werden? Im Interview spricht er über glückliche Kinder und Eltern, Zukunftssorgen um den Nachwuchs und die Situation bei der SG.

Hallo Dimi, wie waren die Reaktionen der Jugendlichen, als sie nach dieser langen Pause endlich wieder auf den Platz konnten?

Dimi Hamalidis: Die Jungen und Mädchen – und auch deren Eltern – haben sich natürlich sehr gefreut, wieder am Ball sein zu dürfen. Entsprechend groß war der Andrang und entsprechend gut besucht waren die Auftakttermine in den verschiedenen Altersklassen.

Haben sich die Spieler denn in Zwischenzeit irgendwie anderweitig sportlich betätigt?

Das ist sehr vom Alter abhängig. Die jüngstenbeziehungsweise kleinsten unter den Kickern hat es am stärksten getroffen. Hier ist die Auswahl an sportlicher Betätigung ohne den Verein als Anlaufpunkt sicher am geringsten gewesen. Während unsere älteren Jugendspieler in Absprache mit den Trainern zumindest individuelle Lauf- und Fitnesseinheiten machen konnten und die mittleren Altersklassen über Videokonferenzen, mit Übungsvorschlägen des DFB oder von größeren Vereinen aus der Region, wie zum Beispiel dem VfB Stuttgart oder dem 1. FC Heidenheim versorgt waren oder via Facebook an Challenges und Workouts teilnehmen konnten, kamen diese Maßnahmen für die Bambini und F-Junioren teils noch zu früh.

Wie ist denn die Jugendabteilung bei euch aufgestellt?

Wir stellen je eine A-, B- und C-Jugend in der Bezirksstaffel. Das macht uns in Anbetracht der hohen Zahl an Spielgemeinschaften um uns herum natürlich auch ein wenig stolz. Die A-Junioren waren bei Beginn des Lockdowns Tabellenführer. In der C-Jugend stellen wir aufgrund der großen Anzahl an Spielern noch eine zweite Mannschaft in der Qualistaffel. Bei den D- und E-Junioren nehmen ebenfalls je zwei Teams am Ligaspielbetrieb teil. Im Bereich Kinderfußball gehen wir mit der F-Jugend und den Bambini bei Spieltagen auch regelmäßig mit je drei Mannschaften an den Start.

Wie lange seid ihr jetzt schon wieder auf dem Platz und in welchen Altersklassen?

Nachdem zum 8. März die aktuellsten Lockerungen in Kraft getreten sind, konnten unsere Mannschaften am 10. März wieder mit dem Training beginnen. Die Jugendleitung hatte in Absprache mit den Trainern den Restart für alle Altersklassen mit ein Mal Training pro Woche beschlossen und wollte ab der kommenden Woche die Zahl der Einheiten erhöhen. Leider war es für die A- und B-Jugend nach der ersten Woche allerdings schon wieder vorbei. Aufgrund des gestiegenen Inzidenzwerts im Ostalbkreis wurde diesen Teams die Trainingsmöglichkeit schon am 15. März wieder entzogen. Nun hoffen wir darauf, dass zumindest die 100er-Marke nicht auch noch erreicht wird, da dies auch für alle anderen Jugenden ebenfalls das Aus bedeuten würde.

Wie sieht das Training unter den momentanen Bedingungen aus?

Wir orientieren uns an den Ratschlägen und Leitfäden des Verbandes, wie sie auch beim Info-Abend kommuniziert wurden:

Auf Trainingsformen mit dauerhaft engem Kontakt wird verzichtet. Glücklicherweise ist aber an Pass- und Spielformen dieses Mal sehr viel gestattet und man merkt den Spielern deutlich an, dass sie ganz einfach Lust aufs Kicken haben. Ausgiebige Wettkampfformen in Kleingruppen oder aufs große Feld im 11-gegen-11 sind daher aktuell oberste Priorität bei den meisten Mannschaften. Überall achten wir darauf, dass die Spieler*Innen so oft es geht einen Ball am Fuß (oder bei den kleinsten auch mal in der Hand) haben. Das soll helfen, das Gefühl für den Sport schnell wieder in Erinnerung zu rufen.

Wie sehen die besonderen Regelungen für den Trainingsbetrieb konkret aus? Worauf müsst ihr vor, während und nach dem Training achten?

Hier halten wir uns an die Vorgaben der Coronaverordnung und an unser bereits im ersten Lockdown angewandtes Hygienekonzept:

Die Spieler*Innen kommen bereits umgezogen aufs Trainingsgelände, wo wir einzelne Ablageplätze für die Sporttaschen rund um die Spielfelder mit ausreichendem Abstand markiert haben. Allen Spielern steht vor und nach dem Training Händedesinfektionsmittel zur Verfügung. Die Umkleidekabinen bleiben geschlossen. Grüppchenbildung soll vermieden werden. Auf dem Platz werden alle unnötigen Wartezeiten umgangen. Der Trainingsbetrieb selbst läuft aber weitestgehend ‚normal‘ ab. Nach dem Training achten wir wieder darauf, dass die Spieler*Innen zügig auseinander gehen und keine längeren Gespräche in der Gruppe mehr geführt werden. Bälle und Geräte werden desinfiziert und für die nächsten Einheiten aufgeräumt.

Erste Schritte zurück auf dem Platz und das Trainerteam der C-Junioren

Wie wichtig ist denn der Restart im Jugendfußball ganz allgemein?

Sportvereine sind ein wichtiger Anlaufpunkt für Spieler*Innen und auch Eltern und der Fußball steht in vielen Orten hierbei besonders im Vordergrund. Der Restart ist im Hinblick auf soziale Kontakte, aber vor allem auch im Hinblick auf die Bewegung und den Spaß der Spieler sehr wichtig. Die vielen Monate im Lockdown sind sicher alles andere als gesundheitsfördernd gewesen und nicht jeder hat währenddessen die Motivation oder die Möglichkeiten gefunden, sich abseits vom Fußball sportlich zu betätigen.

Daher sind wir sehr froh, den Spielern dieses Angebot nun wieder machen zu können. Gleichzeitig sind wir uns natürlich auch darüber im Klaren, dass andere Bereiche, hauptsächlich die Schule, eine höhere Priorität haben und vermeiden mit der Einhaltung der erforderlichen Sorgfalt beim Training jedes Risiko, für einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen mitverantwortlich zu sein.

Abteilungsleiter Heiko Krieger mit den aktuellen Hygieneregeln

Erwartest du nachhaltige Auswirkungen der Pandemie, speziell der vielen trainings- und spielfreien Zeit auf den Jugendfußball in Deutschland?

Absolut. Vielen Spielern geht mindestens ein Jahr, übergreifend teils zwei Saisons an Spielpraxis und möglichen Lernerfahrungen verloren. Gerade im sogenannten goldenen Lernalter zwischen 11 und 13 Jahren wird sich das negativ auf die Entwicklung auswirken. Das sind so viele Einheiten und Wettkämpfe, die sich auch nach Ende der Pandemie nicht einfach aufholen lassen werden.

Und auch bei den jüngsten Spielern sieht es ähnlich aus. Ein eventuell um anderthalb Jahre verspäteter Einstieg in den Fußball beziehungsweise in den Sport allgemein lässt sich nicht so einfach ausgleichen. Das dürfte selbst bei den großen und bekannten Vereinen in Deutschland ein Problem werden. Im Breitensport mit ehrenamtlichen Verantwortlichen wird es dann umso schwerer.

Ist das bei euch bei der SG Bettringen schon in irgendeiner Form spürbar?

Bisher glücklicherweise noch nicht so stark. Allerdings bereiten wir uns aktuell bereits auf die neue Saison vor und bemerken bei der Kaderplanung zum Teil noch Unsicherheiten. Wir gehen schon ein wenig davon aus, dass die lange Pause für den ein oder anderen Spieler dazu führt, dass Fußball hinter andere Freizeitbeschäftigungen wie Radfahren, Laufen, Wandern im positiven Sinn, aber auch Zocken, Computer oder gar kein Sport mehr im negativen zurückfällt.

Es wird spannend, das Endergebnis zu sehen beziehungsweise zu sehen, was überwiegen wird: Die Lust auf Fußball und dass man ihn vermisst hat. Oder eben mögliche Alternativen dazu, die man vielleicht in der Pandemie unter speziellen Bedingungen überhaupt erst entdeckt hat. Unsere Trainer tun natürlich ihr bestmögliches, um so viele Spieler am Ball zu halten, wie es nur möglich ist.

Dimi Hamalidis (vorne rechts) und die Abteilungs- und Jugendleitung der SG zusammen mit Selim Yücel (vorne links im Bild), der bei der Wahl zum Amateurtor des Jahres den 2. Platz holte

Was wünschst du dir für die nächsten Wochen und Monate?

Da auf jedes positive Zeichen aktuell ein größerer Rückschritt zu folgen scheint, sind wir bereits mit sehr wenig zufrieden. Es bleibt zu hoffen, dass der Frühling mit besserem Wetter und steigenden Test- und Impfkapazitäten dazu führt, dass wir noch viele Trainingseinheiten anbieten können und auch ein Start in die neue Saison realistisch geplant werden kann.

Kurzfristig hoffen wir darauf, dass die Zahlen im Ostalbkreis unter der Grenze für die Notbremse bleiben. Für Spieler und auch Verantwortliche wäre ein ständiger Wechsel aus Zwangspause und neuem Restart eine hohe Belastung und würde die Freude ungemein trüben.

Das hoffen wir vermutlich alle. Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute!

365 Aufrufe21.3.2021, 11:44 Uhr
Michael FeindertAutor

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