– Foto: Thies Meyer

"Können es verstehen"

KREIS ALSFELD: +++ Stimmen zur Spielpause +++

Wie ist die Stimmung bei den Vereinen nach dem Verkünden der Saisonunterbrechung? Wir haben uns bei einigen Alsfelder Vereinen bzw. Vertretern der Alsfelder Ligen umgehört:

Bernd Kirchhof (Spielausschutzvorsitzender SG Altenburg/Eudorf/Schwabenrod): „Wir hätten gerne noch weitergespielt, aber aufgrund der Lage geht das einfach nicht. Wir haben auch viele Jungs, die schon zuvor vom Arbeitgeber gesagt bekommen haben: Lasst das erstmal mit dem Fußballspielen. Daher wäre es auch von den Leuten her kaum noch weitergegangen. Da ist immer so ein ‚Rattenschwanz‘ hinten dran. Das ist das Problem bei der ganzen Geschichte. Es ist nun nicht anders machbar, aber bei uns ist das ja auch immer noch Freizeitsport – gerade auch deshalb sollte man in einer solchen Situation auf das Fußballspielen verzichten.“

Thomas Brunet (Trainer Spvgg. Leusel): „Die Stimmung ist nun etwas gedrückt, die Entscheidung war aber vorherzusehen. Durch die politische Situation und die Berichterstattung hatte das eigentlich schon jeder befürchtet. Die Entscheidung ist jetzt so zu akzeptieren und da müssen wir eben das Beste draus machen. Nur weiß nun keiner, wie genau es weiter geht – ich bin neugierig.Daher hoffen wir, wenn die eine oder andere Woche rum ist, dass wir durch den Verband eine Richtung vorgegeben bekommen. Es ist schade, der Sport ist ein wichtiger Teil des Lebens. Jeder hat sein Hobby und in unserem Fall ist das eben der Fußball. Das ist schon eine Umstellung. Aber bei uns ist natürlich auch nur die Freizeit betroffen, nicht die Existenz. Man muss das alles schon abwägen.“

Patrick Fröhlich (Abteilungsleiter SV Bobenhausen): „Es ist furchtbar ärgerlich. Vorgestern hatten wir das letzte Training. Wir haben 41 Trainingseinheiten, sechs Freundschaftsspiele und acht Punktspiele gehabt – und jetzt ist alles für die Katz, die ganze Vorbereitung. Klar, man kann es aus gesundheitlichen Gründen verstehen, aber es ist ärgerlich. Auch, weil wir gerade unseren Lauf hatten. Wir freuen uns nicht darüber – aber wir können es verstehen.“

Ralf Schmidt (Teammanagement SV Hattendorf): „Ich hätte mir gewünscht, dass die Vorrunde hätte durchgespielt werden können, aber man musste ja damit rechnen, dass die Saison nicht problemlos durchlaufen würde. Wir hätten das Spiel am Wochenende schon noch absolviert, aber es überrascht mich nicht, dass die Entscheidung jetzt so ausgefallen ist. Ich glaube zwar nach wie vor, dass die Gefahr, sich auf dem Feld anzustecken eher gering ist, die Zahlen sind insgesamt aber jetzt doch sehr, sehr hoch, sodass der Abbruch auf jeden Fall zu rechtfertigen ist!“

Dominik Laudon (Spielausschutzvorsitzender FSG Kirtorf):„Ich denke, dass das im Endeffekt ein logischer Schritt gewesen ist. Wenn man die ganzen Maßnahmen sieht, die die Bundes- und Landesregierungen getroffen haben, kann man keinem Menschen ernsthaft verkaufen, dass man noch vor Zuschauern Fußball spielt. Daher war es auch richtig, dass man es schon diese Woche ausgesetzt hat. Schwierig ist es für die Vereine und Spieler, weil schon ein paar Einnahmen wegbrechen und die Spieler haben dieses Auf und Ab, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht. Aber dennoch sind die Vereine in der Pflicht, ihren Teil dazu beizutragen, dass wir dieses Virus im Zaum halten können.“

Benjamin Seim (Trainer TV/VfR Groß-Felda): „Die Stimmung ist gedrückt, man steckt viel Energie und Zeit in den Fußball rein. Am Ende kann man es natürlich verstehen, es gibt Wichtigeres als Fußball. Es ist ja nicht nur der Fußball, sondern auch das Drumherum. Es hängt auch der unklare Ausblick dran, wie es jetzt weitergeht. Das sind Faktoren, die rühren an einem. Diese Ungewissheit ist aber kein fußballspezifisches Problem. Es ist schade.“

Udo Kreisel (Sportlicher Leiter SG Rüddingshausen/Londorf): „Wir hatten gehofft, dass nur der November betroffen sein wird, nun ist es auch der Dezember. Wir wären auch bereit gewesen, ohne Zuschauer zu spielen. Ich sehe nämlich schon die Gefahr, dass der eine oder andere Spieler irgendwann mal kein Interesse mehr hat. Natürlich steht die Gesundheit im Vordergrund. Die Spieler können das verstehen, dass der Fußball nicht die Nummer eins ist. Es ist auch für die Verantwortlichen in der Politik oder im Verband keine einfache Situation. Die Abwägung zwischen den einzelnen Interessen, der Gesundheit und zum Beispiel dem Fußball, ist nicht einfach.“

Benjamin Lock (Trainer SG Reiskirchen/Bersrod/Saasen): „Rational betrachtet ist das eine vernünftige Entscheidung. Menschenansammlungen sollte man tunlichst vermeiden. Wenn das in der Wirtschaft konsequent durchgesetzt wird, dann muss das auch den Sport treffen. Wir hatten mit der Entscheidung sogar schon vorab gerechnet, von daher kam es auch nicht überraschend. Aufgrund der Lage der Pandemie begrüßen wir das auch, denn die Gesundheit steht vor dem Fußball. So toll die Hinrunde auch für uns gelaufen ist, aber die Gesundheit unserer Spieler geht einfach vor.“ (chn/mcs)

Aufrufe: 031.10.2020, 09:30 Uhr
Oberhessische ZeitungAutor

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