Julian Bauer (am Ball) zieht als Spielertrainer die Fäden im Mittelfeld der SG 2000 Eschelbach.
Julian Bauer (am Ball) zieht als Spielertrainer die Fäden im Mittelfeld der SG 2000 Eschelbach. – Foto: Siegfried Lörz

Der heimliche Tabellenführer

Kreisklasse A Sinsheim +++ Die SG 2000 Eschelbach wurde während ihrer Höchstform ausgebremst

Julian Bauer lässt seine Spieler aktuell in Ruhe. "Ich habe den Jungs keine Aufgaben über die Pause gegeben in Form von Laufplänen oder ähnlichem", sagt der Trainer der SG 2000 Eschelbach, vielmehr setzt er auf die Eigenmotivation seiner Schützlinge, "wer etwas machen möchte, der hält sich schon selbst fit."

Der 26-jährige Lehramtsstudent versucht mit der gegenwärtigen Situation so gelassen wie möglich umzugehen, wenngleich das aufgrund der großen Ungewissheit alles andere als einfach ist. Den Entscheidungsfindern beim Badischen Fußballverband spricht er in diesen schwierigen Zeiten größten Respekt aus: "Ich bin froh, dass jetzt Entscheidungen getroffen werden und bin kein Freund davon, diese ständig in Frage zu stellen."

Außergewöhnliche Zeiten erfordern schließlich außergewöhnliche Maßnahmen. Dementsprechend flexibel muss die Planung der Wintervorbereitung gehandhabt werden. Bauer spielt diese Woche die Optionen durch, die einen etwaigen Trainingsstart, Mitte Januar, Anfang Februar oder Mitte Februar beinhalten. Einzig mit der Aussage des Verbands, dass nach dem Wiedereinstieg in den Trainingsbetrieb zwei Wochen später die Runde fortgeführt werden kann, ist Bauer nicht einverstanden. "Das halte ich für nicht sinnvoll, sondern würde mindestens vier Wochen veranschlagen, um die Mannschaft auf den Wettbewerb vorzubereiten."

Wie schwer der Wiedereinstieg nach einer längeren Pause ist, hat der Spielertrainer im Sommer am eigenen Leib erfahren müssen. "Gerade in den ersten beiden Trainingswochen ist es auffällig gewesen, wie schwer es uns gefallen ist, das richtige Timing in den Zweikämpfen zu finden", erläutert er und führt aus, dass ein zu früher Einstieg in den Punktspielbetrieb das Verletzungsrisiko unnötig erhöhen würde. "Und das ist bei uns in der Kreisklasse A noch einmal eine völlig andere Geschichte als in der Landes- oder Verbandsliga, wo ich als Trainer regelmäßige Läufe einfordern kann", gibt Bauer einen weiteren Aspekt bezüglich der Vorbereitungsphase auf den Wettkampf zu bedenken.

Wenn die Kugel in absehbarer Zeit wieder rollen sollte, hofft der Coach darauf, dass seine Schützlinge möglichst schnell und unkompliziert ihre Form aus der Zeit vor der Unterbrechung wiederfinden. Die SG 2000 belegt zwar "nur" den vierten Platz, hat aber unter Bezugnahme der Quotienten-Regelung den besten Wert aller 16 A-Ligisten. Grund dafür sind die erst sechs ausgetragenen Partien, von denen die Eschelbacher bis auf das 1:1 gegen den SV Daisbach, alle gewinnen konnten. 16 von 18 möglichen Punkten sind das Ergebnis davon.

"Im Vergleich zur letzten Runde agieren wir reifer auf dem Platz", hat Bauer eine positive Entwicklung seiner Spieler wahrgenommen und bedauert gleichzeitig den Umstand, dass dieser starken Form vorerst der Riegel vorgeschoben wurde. "Klar, die Unterbrechung ist vollkommen gerechtfertigt und darüber gibt es keine Diskussion, nur leider hätten wir den Schwung gerne weiter genutzt, zumal einige spannende Partien auf uns gewartet hätten." Von Anfang November bis zur geplanten Winterpause hätte die SG 2000 gegen alle Kontrahenten von Rang eins bis sieben gespielt.

Es ist bekanntlich anders gekommen, Stand jetzt müsste Eschelbach noch 24 Begegnungen absolvieren, um den kompletten Spielplan durchzubekommen. "Um das zu schaffen brauchen wir zuerst mehr Zeit, im Amateurbereich zahlreiche englische Wochen einzubauen, halten wir für nicht möglich", sagt Bauer, "wenn man dagegen die Spielanzahl verringern möchte, wäre ein Playoff-Modell die richtige Wahl."

Der im Sommer 2019 vom Bruchsaler Kreisligisten VfR Kronau gekommene Bauer fühlt sich in Eschelbach schon längst sehr wohl. "Auch wenn wir von den anderthalb Jahren seither wegen Corona eigentlich nur eines gemeinsam hatten", schmunzelt der Mittelfeldmann. In der laufenden Runde hat er pro 100 Minuten Einsatzzeit einen Scorerpunkt gesammelt (zwei Tore, drei Vorlagen) und sein Team damit auch auf dem Feld sehr gut unterstützt. In Eschelbach hat niemand etwas dagegen, wenn es im neuen Jahr genauso erfolgreich weitergehen sollte.

Aufrufe: 010.12.2020, 11:30 Uhr
red.Autor

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