Auch für den FC Kaltenbrunn (helles Trikot, hier gegen Edelsfeld) wird das abgebrochene Spiel – in dem er in Kemnath nach 84 Minuten eigentlich mit 3:2 geführt hatte – mit 0:2 als verloren gewertet.
Auch für den FC Kaltenbrunn (helles Trikot, hier gegen Edelsfeld) wird das abgebrochene Spiel – in dem er in Kemnath nach 84 Minuten eigentlich mit 3:2 geführt hatte – mit 0:2 als verloren gewertet. – Foto: Dagmar Nachtigall

Seltenheit: Sportgericht sieht nach Spielabbruch zwei Schuldige

Das Kreissportgericht Amberg/Weiden wertet das abgebrochene Spiel Kemnath gegen Kaltenbrunn für beide Mannschaften mit 0:2 als verloren

Am 18. September hatte ein Spielabbruch in der Begegnung der Kreisklasse West zwischen dem SVSW Kemnath und dem FC Kaltenbrunn für mächtig Gesprächsstoff gesorgt. Es folgte eine relativ lange Zeit von über zwei Monaten für die Aufklärung der Geschehnisse durch das Sportgericht des Fußballkreises Amberg/Weiden. Nach Auswertung von Stellungnahmen der Vereine und des Unparteiischen sowie von vorliegenden Videobildern wurde nun ein Urteil gefällt, das sicher nicht häufig ausgesprochen wird: Beiden Mannschaften wird die Schuld für die vorzeitige Beendigung des Punktspiels zugewiesen.

Blicken wir zurück: Im Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten auf dem Sportgelände des SVSW Kemnath am 9. Spieltag hatte der Gast aus Kaltenbrunn mit 3:2 in Front gelegen, als sich der eingesetzte Schiedsrichter in der 84. Minute entschied, dem davor sich entwickelnden „Treiben“ ein Ende zu setzen. Ein im Internet auftauchendes Video gab nun der Aufklärung die wohl entscheidende Hilfestellung, zeigt es doch deutlich die Geschehnisse auf dem Spielfeld: Ein verletzt auf dem Spielfeld liegender Gästekeeper, eine folgende Rudelbildung und ein auf den Platz laufender Zuschauer, der mit einem Regenschirm „bewaffnet“ war.

Die zunächst aufkommende Frage, ob aufgrund der Vorfälle ein Spielabbruch rechtmäßig gewesen wäre, beantwortete Sportgerichtsvorsitzender Stefan Weinberger mit einem klaren Ja. Kniffliger gestaltete sich dagegen die Beweisaufnahme, in deren Verlauf kein eindeutig Alleinschuldiger ermittelt werden konnte. Das Ganze hätte sich hochgeschaukelt; so hätten beide Teams die Verantwortung dafür, dass das Match abgebrochen werden musste, so Weinberger. Dementsprechend fiel dann auch das Urteil aus: Das Spiel wird für beide Vereine mit 0:2 als verloren gewertet, zudem bekamen beide Seiten eine Geldstrafe in Höhe von 200 Euro aufgebrummt. Die gleiche Summe müssen auch zwei ermittelte „Haupttäter“ zahlen, jeweils unter Vereinshaftung des SVSW Kemnath und des FC Kaltenbrunn.

Das in der Bewertung eines Spielabbruchs doch selten gefällte Urteil hat auf Seiten der beiden Betroffenen, denen die Entscheidung des Sportgerichts mittlerweile zugestellt wurde, doch für Verwunderung gesorgt. Von einer Neuansetzung ist man eigentlich beim FC Kaltenbrunn ausgegangen, wie Fußballabteilungsleiter Markus Tafelmeyer berichtet. Ob man nun die Möglichkeit eines Einspruchs wahrnimmt, darüber würde man sich noch im Kreise der Verantwortlichen des FC beraten.

Entschlossener ist man da auf Kemnather Seite, denn die Schwarz-Weißen werden auf jeden Fall Einspruch einlegen und wären schon dabei, ihre Stellungnahme hierzu auszuarbeiten, wie „Fußballboss“ Stefan Gassler mitteilt. Denn auf Kemnather Seite hätte man von Anfang an eine andere Bewertung der Geschehnisse vom 18. September gehabt, so Gassler weiter. Dann liegt es in der Verantwortung des Bezirkssportgerichts der Oberpfalz, die Beweisaufnahme erneut aufzunehmen, denn das ist der Adressat der Einsprüche.

Aufrufe: 024.11.2022, 12:00 Uhr
Werner SchaupertAutor