
Spieler und Teammanager Nabiel Nasser zieht im FuPa-Teamcheck eine differenzierte Bilanz der Hinrunde des SV Victoria Seelow. Viele Pokalfights, ein starker Start, aber auch Müdigkeit, Verletzungen und verpasste Chancen prägen den Weg durch die Landesliga Süd.
Zufriedenheit mit Einschränkungen
Nabiel Nasser bewertet die erste Saisonhälfte insgesamt positiv. „Ich finde wir haben die Hinrunde ganz gut gespielt und auch zurecht die Anzahl der Punkte geholt.“ Die starke Pokalphase habe das Team zusätzlich beflügelt: „Ich glaube, die vielen Fights im Pokal haben uns auch nochmal extra gepusht.“ Gleichzeitig benennt er die Kehrseite: „Dadurch hatten wir auch mit Verletzungen zu kämpfen und waren dann am Ende der Hinrunde vielleicht etwas müde.“
Punkte im Soll, Potenzial vorhanden
Die aktuelle Tabellenposition entspricht für Nasser der Realität. „Ich denke, wir liegen anhand der Ergebnisse und der Punkte voll im Soll.“ Dennoch sieht er Entwicklungsmöglichkeiten: „Das Potenzial für mehr ist aber auf jeden Fall vorhanden.“
Flow, Euphorie und Kabinenklima
Als entscheidende Faktoren für die starke Hinrunde nennt der Teammanager den Saisonbeginn. „Ich denke, wir sind mit einem guten Flow gestartet.“ Die Pokalerfolge hätten eine besondere Dynamik entfacht: „Die Euphorie der Pokalsiege hat uns mitgerissen.“ Hinzu kommt der mannschaftliche Zusammenhalt: „Die Mannschaft funktioniert auch in der Kabine gut.“
Wichtige Spiele und ehrliche Selbstkritik
Besondere Bedeutung misst Nasser dem Auftakt bei. „Gleich das erste Spiel gegen Eisenhüttenstadt war für mich von Wichtigkeit, das zu gewinnen, um gut in die Saison zu starten.“ Er hebt hervor, dass Seelow diszipliniert auftreten kann: „Wir können diszipliniert spielen, wie man im Pokalwettbewerb gesehen hat.“ Diese Qualität sei jedoch noch nicht konstant genug.
Siege gegen Guben und Hohenleipisch führt er auf Disziplin zurück, gleichzeitig räumt er ein: „Wir haben aber auch zurecht Punkte gegen Krieschow und Wacker Cottbus-Ströbitz liegen gelassen.“ Eine Standortbestimmung sieht er im Nachholspiel: „Ob wir wirklich richtig stabil und reif auf dem Platz sind, werden wir mit dem ersten Nachholspiel gegen Luckenwalde sehen.“ Sein Fazit bleibt offen: „Aber es gibt immer Luft nach oben.“
Baustelle Chancenverwertung und Kommunikation
Trotz der starken Ausgangslage benennt Nasser klare Schwächen. „Ein großer Ansatzpunkt ist unsere Chancenverwertung.“ Die Mentalität vor dem Tor sei nicht ausreichend: „Wir sind einfach noch nicht geil genug, vorn einfach die Tore zu schießen.“ Stattdessen habe er häufig den Eindruck gehabt: „Jeder denkt, irgendeiner wird das Ding schon reinhauen.“
Das habe Folgen für die Defensive: „Um die Abwehr weiterhin im Spiel zu entlasten, hätten wir einfach nur den Deckel drauf machen müssen.“ Auch andere Mannschaftsteile bleiben nicht verschont: „Aber auch im Zentrum und in der Abwehr hat mir vieles nicht gefallen.“ Sein Appell: „Da müssen wir alle noch viel an uns selbst und an der Kommunikation arbeiten.“
Früher Trainingsstart mit Nebenwirkungen
Seelow begann ungewöhnlich früh mit der Vorbereitung. „Ich glaube wir waren einer der ersten, die mit der Vorbereitung am 5. Januar begonnen haben.“ Ziel war es, die Fitness zu konservieren: „Um die Fitness aus der Hinrunde über die Weihnachtsfeiertage nicht extrem zu verlieren, haben wir extra früher begonnen.“ Der Nachteil: „Leider die Trainingsbeteiligung, da viele zu unterschiedlichen Zeiten noch im Winterurlaub sind.“
Testspiele zwischen Absagen und Planung
Die Vorbereitung verlief bislang nicht reibungslos. „Wir mussten anhand der vielen fehlenden Spieler die Testspiele gegen MKS Debno und Eberswalde absagen.“ Später kam das Wetter hinzu: „Da mussten wir wetterbedingt das Spiel gegen Petershagen/Eggersdorf absagen.“ Nasser beschreibt die Bedingungen drastisch: „Der Kunstrasen ist wie eine einzige Schlittschuhbahn.“
Geplante Partien sind dennoch vorhanden: „Falls das Wetter es zulässt, spielen wir gegen Ilanka Rzepin am Samstag, 7.2., um 12 Uhr zu Hause.“ Zudem sind Spiele am 11.2. gegen den 1. FC Frankfurt um 19 Uhr und am 13.2. gegen Angermünde um 19.30 Uhr vorgesehen.
Fitness als Basis, Kaltschnäuzigkeit als Problem
Inhaltlich liegt der Fokus klar auf der körperlichen Verfassung. „Wir haben viel in unserem Schnelligkeitsausdauer-Bereich getan, um unsere Fitness auszubauen.“ Der Zusammenhang sei eindeutig: „Denn wenn der Körper fit ist, ist man auch im Kopf fit.“ Gleichzeitig benennt Nasser Grenzen des Trainings: „Jedoch fehlt es uns meist an Kaltschnäuzigkeit und Kommunikation und das lässt sich schwer trainieren.“
Bewegungen im Kader und knappe Breite
Zur Winterpause gab es Veränderungen. „Verlassen hat uns im Winter unser Spielgestalter Piotr Rymar aus privaten Gründen, Willy Biering zur 2. Mannschaft und Patryk Kryjak nach Markendorf.“ Ersatz wurde verpflichtet: „Jedoch konnten wir uns mit Ridvan Alkis aus Markendorf einen neuen Spielgestalter gewinnen.“
Weitere Impulse kommen intern: „Aber auch Scott Will kehrt nach langer Verletzung zurück und Lars Wiedenhöft ist bei uns ins Training eingestiegen.“ Nasser bleibt realistisch: „Uns fehlt es ein bisschen an der Kaderbreite, daher können wir nur hoffen, dass alle verletzungsfrei bleiben.“
Zielsetzung zwischen Anspruch und Nachhaltigkeit
Nach dem zweiten Platz der Vorsaison ist der Anspruch klar, aber nicht kurzfristig definiert. „Da wir in der vergangenen Saison Zweiter geworden sind, kann man nur versuchen sich zu verbessern.“ Dennoch setzt Nasser andere Prioritäten: „Mein Fokus weiterhin der nachhaltige Aufbau des Kaders.“
Sein langfristiger Ansatz: „Um über Jahre hinweg eine gute bis sehr gute Leistung bringen zu können, bedarf es Spieler, die zum Verein stehen und über Jahre hinweg als Mannschaft funktionieren.“ Abschließend hält er fest: „Daher liegt mein Fokus auf die Entwicklung und wir nehmen alles mit, was kommt.“
Tabellenlage der Landesliga Süd
Der SV Victoria Seelow belegt nach 13 Spielen mit 11 Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage sowie einem Torverhältnis von 39:12 den dritten Tabellenplatz der Landesliga Süd und gehört weiterhin zur Spitzengruppe.