Fynn Lakenmacher schießt den Ball im Spiel gegen den FSV Zwickau.
Fynn Lakenmacher schießt den Ball im Spiel gegen den FSV Zwickau. – Foto: Imago/kolbert-press/Ulrich Gamel

Sechzigs Fynn Lakenmacher: Vom Provinz-Kimmich zum Haaland-Double

Mit sieben Saisontoren bester Löwen-Stürmer

Seit einem guten halben Jahr ist Fynn Lakenmacher beim TSV 1860. Nach einem kurzen Hoch und einer herbstlichen Krise scheint der Stürmer in München angekommen.

Samstagnachmittag, etwa 15.20 Uhr. Mit viel Applaus und honorierenden Pfiffen begleitete das Publikum im Grünwalder Stadion einen gewissen Fynn Lakenmacher vom Platz, nachdem der zum 3:1-Sieg seiner Löwen gegen den FSV Zwickau einen Treffer und eine Vorlage beigetragen hatte. Der Löwen-Stürmer hatte mit seiner Leistung maßgeblich zur Beendigung der Münchner Winter-Krise beigetragen und spätestens jetzt unter Beweis gestellt: Er ist endgültig angekommen beim TSV 1860.

Der Druck bei Sechzig ist größer als in Havelse

Im Mai 2022 gab der Klub den Wechsel des 22-Jährigen vom TSV Havelse bekannt, seit Juni gehört Lakenmacher zur Mannschaft von Trainer Michael Köllner. Und Lakenmacher wusste vorerst auch zu überzeugen. Sechs Treffer in den ersten neun Spielen standen für sich, der Ausfall von Marcel Bär schien fast schon vergessen. Doch wie den Rest der Mannschaft erwischte dann auch Lakenmacher die Herbstdepression, zehn Pflichtspiele lang blieb er ohne eigenen Treffer, wurde kritisiert. Keine einfache Situation für den jungen Mann, der kurz zuvor den ersten Schritt aus dem wohlbehüteten Umfeld in die große Fußball-Welt nach München gegangen war. Der mediale Druck bei Sechzig sei „schon groß“, sagt Lakenmacher. „Das kriegst du mit, auch wenn du versuchst, es auszublenden. Da muss man schon eiskalt sein.“ Lakenmacher bekam Hilfe von der Familie. „Ich habe generell enge Bezugspersonen in der Familie“, sagt er. „Wenn ich etwas habe, weiß ich, wo ich mich melden kann.“

Dass es nun wieder läuft, ist auch ein Ergebnis Lakenmachers eigener mentaler Stärke, wie sein Jugendtrainer Tom Kissner versichert. Der ehemalige Landesauswahl-Trainer betreute ihn ab der Saison 2011/12 in der D-Jugend beim Niedersächsischen Fußballverband. „Fynn hat schon damals nie aufgegeben“, erinnert sich Kissner im tz-Gespräch. „Er war ein Spätstarter. Fynn war immer einer der Kleinsten, musste kämpfen. Aber wir Trainer wussten, dass er sich noch entwickeln würde. Sein Papa (Ex-Handball-Nationalspieler Sven, d. Red.) hatte ja Gardemaß.

Kimmich-Vergleich? „Stimmt schon...“

Dass der Junior trotz bescheidener Größe den Sprung in die Akademie von Hannover 96 schaffte, lag auch daran, dass er damals auf der Sechs spielte. „Nach hinten sehr engagiert, gleichzeitig fußballerisch unglaublich gut. Hatte ein gutes Auge, viel Spielverständnis und auch schon den Tor-Riecher. Ein Typ wie heute Joshua Kimmich“, so Kissner. Ein Vergleich, den Lakenmacher unterschreiben würde. „Natürlich nicht von der Qualität“, sagt er schmunzelnd. „Aber stimmt schon. So ändern sich die Zeiten…“ Nun, auf der Neun, geht Lakenmacher längst als Erling-Haaland-Double durch. „Der ist eine richtige Kante geworden“, staunt sein Ex-Coach.

Hinrunden-Entdeckung: Fynn Lakenmacher löste Marcel Bär als Torjäger ab – sieben Treffer durfte er bejubeln.
Hinrunden-Entdeckung: Fynn Lakenmacher löste Marcel Bär als Torjäger ab – sieben Treffer durfte er bejubeln. – Foto: Ulrich Wagner

Mit Havelse stieg die Kante Lakenmacher 2021 in die 3. Liga auf, machte dort mit Toren auf sich aufmerksam und landete so im vergangenen Jahr bei Sechzig. Doch der Kontakt in den Norden reißt nicht ab, der „Familienmensch“ Lakenmacher fährt in der Freizeit regelmäßig zu den Liebsten. Und es gibt ja auch Auswärtsfahrten nach Niedersachsen. So zum Beispiel die Partie in Oldenburg (05. Februar), die sich auch Kissner anschauen will. „Habe ich mir schon im Kalender vermerkt“, sagt er voller Vorfreude auf ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Schützling. In Oldenburg sollen weitere Lakenmacher-Treffer folgen, damit im Sommer das große Ziel vom Aufstieg in die 2. Bundesliga erreicht wird. „Die hatte Fynn mindestens im Visier“, sagt Kissner. „Sein Traum war die Bundesliga.“ Ob das immer noch so ist? „Das auf jeden Fall. Am besten mit Sechzig.“

Aufrufe: 025.1.2023, 16:48 Uhr
Jacob AlschnerAutor