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Interview

Schweinfurts Überflieger: »Meine Karriere ist eine Achterbahnfahrt«

Sommerneuzugang Jason Prodanović ist Schweinfurts Top-Scorer in der Regionalliga Bayern

von Boris Manz · 24.09.2026, 19:05 Uhr · 0 Leser
Rekordsaison schon im September: Noch nie traf Jason Prodanović so oft im Herrenbereich wie in dieser Saison.
Rekordsaison schon im September: Noch nie traf Jason Prodanović so oft im Herrenbereich wie in dieser Saison. – Foto: Grober, 1. FC Schweinfurt 1905

U-Nationalspieler Serbiens, NLZ bei Borussia Dortmund und Duisburg, jetzt Schweinfurter Top-Scorer: Jason Prodanović stand bereits früh vor dem Sprung zu den Profis, doch nach Corona fand der damals frisch 19-Jährige nur in der Oberliga einen Verein.

Im Anschluss begann für den Schienenspieler eine Reise durch Fußball-Deutschland: Der 1. FC Schweinfurt 05 ist seine fünfte Station in sechs Jahren – und bei den Schnüdeln zündet er nun den Turbo. Beim Pokalkrimi gegen Buchbach traf er bereits zum fünften Mal. Über den Traum vom Profi-Fußball, den Start in Schweinfurt und warum ein Karriereplan im Fußball nur kurzfristig Sinn ergibt, hat Prodanović mit FuPa gesprochen.

Acht Scorer in den ersten zwölf Pflichtspielen. Dein bester Saisonstart im Herrenbereich?

Individuell ist das natürlich ein herausragender Start. So viele Torbeteiligungen hatte ich noch nie. Das ist eine Bestätigung für die harte Arbeit, die ich reinstecke, aber in erster Linie zählt der Erfolg als Mannschaft.

In der Regionalliga gab es zuletzt vier Pleiten in Serie. Im Pokal habt ihr euch bei Buchbach revanchiert. Kann das jetzt ein Brustlöser sein?

Absolut. Das war ein harter Fight. Wir sind überragend gestartet, waren sehr bissig und haben alles auf dem Platz gelassen. Aber: Jeder, der schon mal in Buchbach gespielt hat, weiß wie schwer es dort ist. Sie sind nicht durch Glück Tabellenführer. Das 3:3 kurz vor Schluss war dann schon ein Paukenschlag.

Hast du deshalb den anderen beim Elfmeterschießen den Vortritt überlassen?

Ich war nicht so überzeugt und einige Jungs sind sehr sichere Schützen. Das haben sie auch im Training bewiesen. Im Nachhinein hat es ja gepasst!

Das 1:0 hast du selbst gemacht: Dein fünftes Tor. So viele hast du noch nie in einer Saison im Herrenbereich geschossen.

Die Zahlen sind eine Bestätigung meiner Leistung und der Lohn für den Aufwand, den ich betreibe. Aber es geht im Fußball extrem schnell. Ich kann mich nicht darauf ausruhen, sondern muss mich jede Woche neu beweisen.

Laut dem neuen FuPa-MVP-Wert bist du aktuell der wertvollste Spieler der Schnüdel. Gibt's von dir dafür ein Schulterzucken oder ein Lächeln?

Mein Berater hat mich darauf hingewiesen, da habe ich mich natürlich sehr gefreut. Jede Statistik, die für mich spricht, nehme ich dankend an.

Ausnahmsweise mal lauter als Mike Dellinger: Jason Prodanović beim Torjubel gegen 1860 München.
Ausnahmsweise mal lauter als Mike Dellinger: Jason Prodanović beim Torjubel gegen 1860 München. – Foto: Grober 1. FC Schweinfurt 05

Beim 1. FC Schweinfurt 05 lief es nach gutem Start in der Regionalliga zuletzt holprig. Was waren aus deiner Sicht die Gründe für diese Durststrecke?

Das lag in erster Linie an uns als Mannschaft. Wir haben eine richtig gute Truppe, aber nach dem starken Start waren wir zu fahrlässig. Unser Trainerteam hat uns auch nochmal wachgerüttelt: Kein Gegner ist ein Selbstläufer und ich glaube, gegen uns wirft jede Mannschaft noch ein paar Extra-Prozente hinein. In der Liga haben wir aber auch gegen Buchbach schon eine Reaktion gezeigt.

In Schweinfurt sind nicht nur zahlreiche neue Spieler, sondern mit Jan Gernlein auch ein neuer Trainer am Werk.

Dem ganzen Staff muss man Respekt zollen und Jan macht einen super Job: Er nimmt uns in Schutz, aber erklärt auch, was sich verbessern muss. Es ist verdammt schwer, nach so einem Umbruch so schnell eine Einheit zu formen. Das macht das ganze Team wirklich gut. Gerade da bei uns sehr erfahrene auf junge Spieler treffen.

Im letzten Regionalliga-Spiel war euer Durchschnittsalter unter 23. Du zählst mit 25 jetzt schon fast zu den Erfahrenen. Siehst du dich als Führungsspieler?

Ich bin keiner, der auf dem Platz dauerhaft laut ist, aber wir haben dafür die richtigen Typen: Kevin Fery, Mike Dellinger, Pietro Besso oder Kevin Frisorger – und trotz seiner Verletzung geht auch Kristian Böhnlein voran. Er ist bei fast jedem Spiel dabei und gibt uns sehr guten Input. Vor unseren Führungsspielern muss ich den Hut ziehen. Ich versuche eher durch Leistung und Einstellung voranzugehen und sehe mich als Verbindungsspieler: Zu mir kommen junge Spieler, wenn sie etwas sagen oder fragen wollen.

Tore? Egal von wo: Prodanović spielt in Schweinfurt als Außenverteidiger, auf der Schiene oder auf Außen.
Tore? Egal von wo: Prodanović spielt in Schweinfurt als Außenverteidiger, auf der Schiene oder auf Außen. – Foto: Grober, 1. FC Schweinfurt 1905

Wie gefällt dir die Regionalliga Bayern generell nach deiner Rückkehr?

Sehr gut! Durch Traditionsvereine wie 1860 oder uns als Absteiger ist die Liga nochmal attraktiver geworden. Die U23-Teams tragen zum starken Niveau bei. Es ist eine tolle Bühne, um sich Woche für Woche zu zeigen.

Die Bühne hat auch dein ehemaliger Trainer, Tobias Strobl, genutzt. Verfolgst du die Wege deiner Weggefährten noch?

Schon sehr! Ich schaue nicht jedes Spiel, aber es interessiert mich. Die Highlights von Wolfsburg schaue ich mir zum Beispiel regelmäßig an und ab und zu sogar Tobis Pressekonferenzen. Es freut mich einfach extrem für ihn. Überraschen tut mich sein Aufstieg aber nicht: Ein Jahr mit ihm hat gereicht, um zu sehen, welch riesiges Potenzial er als Trainer mitbringt.

Du hast selbst schon einige Stationen im Herrenbereich hinter dir: Uerdingen, Kiel, Augsburg, Aalen, jetzt Schweinfurt. Was entgegnest du Leuten, die dich als „Wandervogel“ bezeichnen?

Ich tue einfach alles dafür, um sportlich voranzukommen. Wenn das bedeutet, öfter mal umzuziehen, nehme ich das gerne in Kauf. Ich hätte aber kein Problem damit, langfristig in einem Verein zu spielen.

Der Traum vom Profifußball lebt also mit 25 weiter?

Absolut. Ich will so weit wie möglich kommen. Ich arbeite extrem viel – auch privat abseits des Platzes. Wenn ich den Hunger behalte und mich weiterentwickele, bin ich felsenfest überzeugt, dass ich das schaffen werde.

Fühlt sich beim 1. FC Schweinfurt 05 aktuell pudelwohl: Jason Prodanović mit Philipp Hack.
Fühlt sich beim 1. FC Schweinfurt 05 aktuell pudelwohl: Jason Prodanović mit Philipp Hack. – Foto: Grober, 1. FC Schweinfurt 05

Wo siehst du dich in ein paar Jahren? Hast du einen festen Karriereplan?

In Schweinfurt haben sie mich sehr gut aufgenommen und ich fühle mich sehr wohl. Wenn alles passt, hätte ich auch nichts dagegen zu bleiben. Früher hatte ich mal einen Plan, aber der Fußball und meine Karriere sind eine Achterbahnfahrt, da bringt Vorausplanen wenig. Mein Berater hat mir geraten, von Woche zu Woche zu denken – das tut mir extrem gut. Deshalb konzentriere ich mich voll auf das Hier und Jetzt in Schweinfurt.

Zum Abschluss: Was ist dein Ziel für die restliche Saison mit den Schnüdeln?

Mein Ziel ist es, immer so gut wie möglich abzuschneiden: Zuerst möchte ich zurück auf einen einstelligen Tabellenplatz. Aber egal ob als Tabellenführer, als Fünfter oder als Neunter: Mir geht es darum, dass wir alles reinhauen und in jedem Training hart arbeiten. Wenn wir wirklich alles geben, was wir haben, bin ich zufrieden.