
Vor allem der SV Budberg hatte darauf gehofft, dass der VfB Bottrop in seinem letzten Heimspiel der Saison noch einmal alle Kräfte mobilisieren würde. Die Budberger waren selbst im Jahnstadion vor Ort, mussten ihre Hoffnungen auf einen Ausrutscher des Konkurrenten aber schnell begraben. Bereits nach einer Viertelstunde deutete alles auf einen klaren Ausgang hin, zur Pause war die Partie längst entschieden. Der VfB hatte zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Gegentreffer kassiert und erlebte eine regelrechte Demontage.
Dabei musste der Aufstiegsfavorit sein Offensivpotenzial nicht einmal in voller Breite zur Schau stellen. Viele Treffer entstanden nach Bottroper Einladungen: ein leichtfertig hergeschenkter Strafstoß, ein einfacher langer Ball oder fehlender Zugriff im eigenen Strafraum. Selbst SVS-Trainer Sven Schützek zeigte sich überrascht, wie leicht es seiner Mannschaft gemacht wurde: "Wir sind hier voll im Fokus hingefahren und haben gesagt, wir müssen gucken, ob wir vielleicht ein, zwei Chancen bekommen. Aber dass heute Weihnachten ist, nehmen wir natürlich auch gerne an.“

Trotz der klaren Führung forderte der Trainer bis zum Schluss höchste Konzentration. Selbst beim Stand von 5:0 trieb er seine Mannschaft noch lautstark an. Hintergrund war die Sorge, dass ein möglicher Anschlusstreffer die Partie noch einmal verändern könnte. Immerhin hatte Bottrop in Halbzeit eins auch die Chance zum Ehrentreffer durch Raphael Steinmetz, der per Strafstoß allerdings an Keeper Gian-Luca Reck scheiterte. "Was passiert denn, wenn der Elfer reingeht? Dann kriegst du vielleicht den zweiten und dann geht der Freischwimmer los. Deswegen habe ich gesagt: 'Jungs, auch beim 5:0 müssen wir kompakt bleiben.'“
Im weiteren Verlauf geriet der Sieg der Gäste nie mehr in Gefahr. Scherpenberg nahm nach dem Seitenwechsel deutlich Tempo heraus und beließ es bei insgesamt sieben Treffern. Angesichts einer Vorstellung, die phasenweise haarsträubend wirkte, hätte man nach Spielende durchaus scharfe Kritik erwarten können. Bottrops Trainer Marco Hoffmann zeigte jedoch vor allem Verständnis für seine Spieler. Bekanntlich wird ein Großteil des Kaders den Verein im Sommer verlassen, lediglich vier oder fünf Akteure sollen bleiben.
"Der Mensch ist ein bisschen so“, sagte Hoffmann. "Vielleicht denkt man unterbewusst daran, dass in vier Wochen die Vorbereitung beim neuen Verein beginnt und man sich nicht verletzen möchte." Aktiv habe das aber keiner seiner Spieler gemacht, ist sich der Trainer sicher.
Entsprechend vermied Hoffmann Vorwürfe und nahm auch sich selbst nicht aus der Verantwortung. "Es ist nicht schön, aber wir alle, auch vom Staff, haben schon ein bisschen mit der Saison abgeschlossen“, räumte er ein. Dass eine derart deutliche Niederlage Spuren hinterlassen kann, ist ihm bewusst: "Am Ende des Tages steht ein 0:7. Und das steht, bis man die Fußballschuhe an den Nagel hängt. Bis ich als Trainer sage, dass ich aufhöre, kann man das finden. Und das ist halt schade.“

Wie die Pleite in dieser Deutlichkeit zustande kam, konnte sich Hoffmann dennoch nur schwer erklären. Vor allem in der ersten halben Stunde wirkte der VfB hoffnungslos unterlegen.
"Da sehen wir aus wie eine Mannschaft, die in der Vorbereitung gegen einen Oberligisten testet und selber Kreisliga A, B, C oder X spielt“, sagte Hoffmann mit Blick auf die Gegentore. "Die ersten Tore nehme ich tatsächlich persönlich als Trainer. Das hat nichts mit Taktik zu tun. Da geht es darum, wie ich Zweikämpfe führe und wie ich mich bei langen Bällen verhalte.“
Immerhin gelang es dem VfB nach dem 0:6 zur Pause, die zweite Hälfte deutlich ausgeglichener zu gestalten. Hoffmann verzichtete zuvor auch auf eine lautstarke Halbzeitansprache. "Heute war mir wichtig, dass wir es vernünftig über die Runden kriegen.“
Während Bottrop die Saison nun austrudeln lässt, richtet sich der Blick in Scherpenberg bereits auf das große Finale im Aufstiegskampf. "Wer hat nach sechs Spieltagen gedacht, dass wir ein Endspiel haben?“, fragte Schützek. Vermutlich auch nicht der VfB Bottrop, der damals noch sechs Punkte vor den Scherpenbergern lag. Inzwischen haben sich die Rollen komplett gedreht.