
Pirmasens/Worms. Die Duelle der Südwest-Rivalen VfR Wormatia Worms und FK Pirmasens versprechen in dieser Saison offenkundig Spektakel. Nach dem dramatischen Pokalspiel, in dem sich die Pfälzer mit einem Lastminute-Tor erst in die Verlängerung retteten und dann in einem verrückten Elfmeterschießen (wir berichteten) 9:8 siegten, hatte auch das Nachholspiel der beiden Oberligisten am Mittwochabend viel zu bieten. Drei Platzverweise, ein Trainer, der auf die Tribüne musste, wieder ein Lastminute-Treffer – und eine Punkteteilung (2:2, 2:1).
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„Verdientermaßen”, nannte Wormatia-Trainer Anouar Ddaou den Punktgewinn am Tag danach und lobte sein Team für „Widerstandskraft, Intensität und Herzblut”. Dass am Ende des Spiels die Gastgeber von einem geklauten Sieg sprachen, weil sie beim Wormser 2:2-Ausgleich von Noah Maier in der Nachspielzeit ein Foul des Torschützen am FKP-Torwart gesehen hatten, konnte Ddaou nicht verstehen. „Das war ein klares Tor. Eher ein ‘Mismatch’. Der Noah ist zwei Meter groß, und der Torwart deutlich kleiner.”
Nach Abschluss der Partie schimpften die Wormser und die Pirmasenser jedenfalls gleichermaßen auf den Schiedsrichter. In den „hitzigen” und emotionalen 90 Minuten zuvor, ging es voll zur Sache. Und beide Mannschaften fühlten sich anschließend klar benachteiligt. Anouar Ddaou, sonst eher ein zurückhaltender Trainer an der Seitenlinie, musste den Rest des Spiels gar von der Tribüne aus verfolgen. Mehrfach hatte er sich über die Entscheidungen des Referees echauffiert und beklagt, was für ihn nach 73 Minuten die Ampelkarte zur Folge hatte. Doch auch am Tag danach war für ihn klar: „Wir hätten zwei klare Elfmeter bekommen müssen.” Besonders bitter für die Wormaten: Als Niklas Meyer im FKP-Strafraum einen Ellbogen ins Gesicht bekommen hatte und ausgewechselt werden musste, bremste kurz darauf VfR-Torwart Tobias Edinger vor dem eigenen Strafraum einen FKP-Spieler regelwidrig, flog folgerichtig wegen einer Notbremse vom Feld (40.) und verhalf Ersatztorwart Timo Ulpins (Ddaou: „Großes Kompliment, er war sehr sicher und hat Ruhe ausgestrahlt”) unverhofft zu dessen Oberliga-Debüt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Pirmasens mehr vom Spiel, schon mehrere Hochkaräter und die Wormatia bis auf eine Szene nur Halbchancen. Doch es stand 1:1-Unentschieden. Nico Jäger hatte die erste Gästechance genutzt (29.), Silas Gutmann nach einem Eckball für die dominanten Gastgeber ausgeglichen (32.). Auch in Durchgang zwei waren die Wormser in Unterzahl hauptsächlich in der Defensive, kassierten das Gegentor aber erneut nach einem Eckball (Marc Ehrhart, 70.). Ausgerechnet nachdem der FKP in Person von Michael Müller (67., Notbremse) ebenfalls dezimiert war. „Wir haben in Halbzeit zwei bis zum Gegentor keine Chance aus dem Spiel heraus zugelassen”, ärgerte sich Ddaou. „Das mit den Standards begleitet uns, wir kassieren dabei zu viele Tore.”
Die zweite, aus Wormser Sicht, fatale Elfer-Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns hatte wegen Protestierens und Meckerns einen Platzverweis für VfR-Kapitän Altin Vrella zur Folge (87.). Ddaou beschreibt die Szene wie folgt: „Nicolas Obas zieht in die Box, wird ganz klar festgehalten, schießt, trifft den Ball deswegen nur mit der Picke – und der Schiri macht nichts.”
Nichtsdestotrotz hob der Wormser Trainer ein ums andere Mal die kämpferische Leistung seiner Spieler hervor. Die lange Unterzahl, das Verdauen der Nackenschläge in der Partie – Gegentore nach Standards, verletzungsbedingte Auswechslungen, Schiedsrichterentscheidungen – aber auch nach drei Ligapleiten zuvor. „Das haben die Jungs überragend gemacht, nie aufgegeben. Darauf bin ich stolz und deswegen hatte ich auf der Tribüne auch immer ein gutes Gefühl.” Weniger schön für den Trainer: Die Emotionalität über das zuvor Geschehene bezahlte Anouar Ddaou nach einem Tritt in der Kabine gegen eine Kiste mit einem anschließenden Besuch im Krankenhaus. Am Tag darauf konnte der 43-jährige Coach trotz Humpelns und eines angeschwollenen Fußes aber Entwarnung geben. „Alles halb so schlimm. Es ist nur eine starke Prellung.”