
Für Steffen Ehrich endet damit eine prägende Zeit bei den Blau-Weißen. Künftig wird er wieder im Nachwuchsbereich tätig sein, die Verbundenheit zum Verein bleibt jedoch ungebrochen. Im FuPa-Interview spricht der Meistertrainer über Stolz, Wehmut, den besonderen Weg des SV Walschleben und die Werte, die auch künftig das Fundament des Erfolgs bilden sollen.
FuPa Thüringen: Steffen, der SV Walschleben hat sich den Meistertitel in der Landesklasse 2 gesichert. Herzlichen Glückwunsch dazu! Was bedeutet dieser Erfolg für den Verein und für das, was in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde?
Steffen Ehrich: Für unseren Verein ist etwas Großes passiert. Wir haben unser Konzept und die Arbeit vieler Jahre gekrönt. Ein Dorf mit nicht einmal 2.000 Einwohnern hat mit seinem Verein das oberste Treppchen in der Landesklasse erklommen. Menschen mit einer gemeinsamen Idee von Werten haben sich zusammengetan und erleben nun, dass diese Idee erfolgreich sein kann – mit Geduld, Engagement und unglaublich viel ehrenamtlicher Arbeit. Das macht uns furchtbar stolz und wird weitere Kräfte freisetzen. Die Wahrnehmung unseres Vereins hat sich sowohl intern als auch nach außen noch einmal deutlich verbessert. Das gibt uns neuen Schwung für die nächsten Etappen unseres Weges.
FuPa Thüringen: Wie hast du persönlich die Tage nach dem Titelgewinn erlebt?
Steffen Ehrich: Zunächst habe ich mich einfach in Stolz und Freude gesuhlt. Stolz auf die Mannschaft, auf den Verein und auch ein wenig auf mich selbst, obwohl ich wahrscheinlich den geringsten Anteil an diesem Erfolg hatte. Das Meistershirt wurde auf Arbeit getragen, die Medaille hängt aktuell am Rückspiegel meines Autos – und da bleibt sie erst einmal. Mit etwas Abstand wird mir aber auch bewusst, dass sich nun vieles verändern wird. Die wöchentlichen Abläufe werden andere sein, der Umgang mit meinen Jungs wird sich auf die Rolle des Zuschauers am Spielfeldrand beschränken. Und nach einem heißen Training wird auch keine kalte Vita mehr für mich in der Kabine bereitstehen.
FuPa Thüringen: Du verabschiedest dich nach dem Aufstieg als Trainer der ersten Mannschaft. Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt gekommen?
Steffen Ehrich: Die Entscheidung, die Mannschaft an das Dreigestirn Daniel, Tino und Georg zu übergeben, ist absolut richtig. Die Mannschaft kommt in gute Hände, die die Empor-DNA in sich tragen und unsere Idee vom Fußball in Walschleben weiterleben werden. Gleichzeitig hatte ich bereits im Winter das Gefühl, dass meine Zeit gekommen ist. Irgendwann nutzt sich alles ein wenig ab. Wenn ich damals ein Drehbuch hätte schreiben dürfen, dann hätte es genau so ausgesehen: Staffelsieg am letzten Spieltag mit einem tollen Erfolg in Siemerode, eine schöne Meisterfeier, eine angemessene Verabschiedung im kleinen Kreis, ein Zuschauerbus und ein großartiger Empfang in Walschleben durch Fans und Familie. Schöner kann man eigentlich nicht aufhören.
FuPa Thüringen: Trotz aller Freude klingt auch etwas Wehmut mit. Wie schwer fällt dir der Abschied von der Mannschaft?
Steffen Ehrich: Natürlich regt sich Wehmut. Es fällt schwer, diese tollen großen Jungs zu verlassen. Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf die neue Aufgabe. Ich werde eine D2-Mannschaft übernehmen und mich wieder in die Reihe unserer großartigen Nachwuchstrainer einordnen. Dort wird Woche für Woche am Fundament gearbeitet, das die Erfolge der vergangenen Jahre überhaupt erst möglich gemacht hat. Es gibt schon einige Kinder, die sich darauf freuen – und wahrscheinlich auch welche mit gemischten Gefühlen, die mich vielleicht schon kennen oder gerade deshalb etwas skeptisch sind. Aber genau diese Arbeit macht mir große Freude.
FuPa Thüringen: Welche Werte möchtest du dem Verein und den jungen Spielern auch künftig mit auf den Weg geben?
Steffen Ehrich: Für mich geht es darum, Spieler mit dem blau-weißen Virus zu infizieren, sie auszubilden und als Menschen sowie Fußballer in eine Gemeinschaft zu integrieren. Eine Gemeinschaft, die Entwicklung über den kurzfristigen Tageserfolg stellt. Wir wollen lernen, Rückschläge anzunehmen und aus ihnen stärker hervorzugehen. Erfolge sollten mit Demut angenommen werden, und Respekt gegenüber Mit- und Gegenspielern muss immer selbstverständlich sein. Das ist meine Welt. Auch wenn ich diese Werte heute oft nur noch im Kleinen, innerhalb eines Vereins, wiederfinde, werde ich weiter dafür einstehen, sie zu verteidigen, zu vermitteln und – so hoffe ich – auch vorzuleben.
FuPa Thüringen: Zum Abschluss noch ein persönliches Wort an FuPa Thüringen?
Steffen Ehrich: Eigentlich wolltest du nur ein paar kurze Zeilen von mir. Nun ist es doch etwas mehr geworden. Aber auf mittelfristige Sicht ist es mein letztes Statement bei euch. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, Danke zu sagen. Alles Gute dir persönlich und FuPa allgemein. Macht weiter so gut und so richtig. Wir sehen uns.
FuPa Thüringen: Danke für die lobenden Worte und auch dir alles Gute für die kommenden Aufgaben!