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Halle

Schiris im Fokus

Fußball Icon-League +++ Haris Kresser und Fabian Reuter nutzen ihre Tätigkeit bei der beliebten Hallenfußball-Variante um Schiri-Nachwuchs zu gewinnen

von red. · 24.07.2025, 12:00 Uhr · 0 Leser

"Ey, euch beide kenne ich doch." Das bekamen Haris Kresser und Fabian Reuter vor wenigen Wochen in ihrem Mallorca-Urlaub zu hören. Interessierte Regionalliga-Zuschauer wissen jetzt vielleicht schon, von wem die Rede ist. Die beiden Kumpels, die zusätzlich ehrenamtlich in der Vorstandschaft Heidelberger Schiedsrichter-Vereinigung aktiv sind, haben sich ihrem großen Hobby auf mittlerweile mehreren Ebenen verschrieben.

Seit einem Jahr und somit von Anfang an gehören sie als Schiedsrichter der Icon-League an. Die Hallenfußball-Liga wächst momentan schier ungebremst und funktioniert ähnlich wie die Baller League und ist von der spanischen Kings League inspiriert. Fünf gegen Fünf mit Bande, ohne Abseits und verschiedenen Regeln, die das Spiel kurzweilig und schnell machen. 40 Millionen Live-Views in der zweiten Saison und vollbesetzte Hallen in Düsseldorf, Köln, Berlin und München sprechen für sich. Das Preisgeld der zweiten Saison lag bei 500 000 Euro – Tendenz steigend.

Mitbegründer Icon-League ist niemand geringeres als der 2014er-Weltmeister und sechsmalige Champions League Sieger Toni Kroos. David Alaba und Antonio Rüdiger gehören ebenfalls zu den Unterstützern und dieses Jahr sind mit Jürgen Klopp und Luigi Berlusconi, Sohn des verstorbenen Silvio Berlusconi, zwei finanziell mehr als potente Investoren hinzugekommen.

Ein Weltstar wie Toni Kroos steht zwangsläufig für eine große Aufmerksamkeit und das zieht weitere Fußballgrößen an. Kresser und Reuter haben unter anderem Franck Ribery, Nani oder Ricardo Quaresma bereits gepfiffen und kommende Saison sollen weitere Stars folgen. Aber auch Kicker von Regionalliga-Format, die die beiden häufig im klassischen Ligabetrieb am Wochenende sehen, sind beim Hallenfußball dabei.

"Das Ganze macht unheimlich viel Spaß und wir sind stolz darauf, von Anfang an mit dabei zu sein und sogar am Regelwerk mitgearbeitet zu haben", sagt Kresser. Der 30-Jährige pfeift für den SV Waldwimmersbach und ist seit 2022 Regionalliga-Schiedsrichter. Zusammen mit Reuter, der für die DJK/FC Ziegelhausen/Peterstal pfeift, fährt er regelmäßig sonntagabends Richtung Düsseldorf, wo montagabends die Icon-League-Spieltage vor mehreren tausend Zuschauern stattfinden. Die beiden Saisonfinals 2024 im neuen SAP Garden in München und zuletzt im Mai in der Berliner Max-Schmeling-Halle lockten jeweils rund 11 000 Zuschauer an. "Das ist natürlich schon eine Hausnummer vor so vielen Menschen aktiv dabei sein zu dürfen, aber auch in der Regionalliga sind wir oft vor mehreren tausend Zuschauern aktiv", sagt Reuter.

Fabian Reuter (l.) bei einem Spiel mit Toni Kroos.
Fabian Reuter (l.) bei einem Spiel mit Toni Kroos. – Foto: Christopher Winkler

Der Aufwand für dieses Hobby ist groß, die beiden wollen aber nichts missen und nehmen die Strapazen gerne in Kauf. "Wir werden vom Verband und von unseren Arbeitgebern super unterstützt, Arbeitskollegen von uns haben auch schon einmal einen Ausflug gemacht, um uns vor Ort zu sehen", erläutert Kresser, der als Vermögensberater bei der Volksbank Neckartal arbeitet. Reuter ist Projektmanager bei der Deutschen Bahn. Montags können sie vom Hotel aus im Home Office arbeiten und abends nach dem jeweiligen Spieltag fahren sie nach Hause, um dienstagmorgens wieder im Büro zu sein.

Aktuell ist Pause, aber die neue Saison steht bereits in den Startlöchern. "Im Oktober geht es wieder los und dann sollen weitere Spielorte und Stars wie beispielsweise der Brasilianer Marcelo dazukommen", verrät Kresser. Besonders erfreulich für die beiden, die oft von ihren Schiri-Kollegen Dominik Genther aus Dossenheim und Lukas Heim aus Waghäusel Unterstützung aus der Region erhalten, ist der Plan zukünftig Spieltage in Frankfurt und Stuttgart zu absolvieren.

Dank der Real Madrid Fraktion um Kroos, Rüdiger und Alaba besteht die Hoffnung diesen Herbst den ganz großen Coup zu landen. "Vielleicht kommt für einen Spieltag mal Cristiano Ronaldo?", sagen die beiden. Überlegungen in diese Richtung gibt es jedenfalls schon, die Umsetzung ist sicherlich eine Frage von finanzieller Natur.

Haris Kresser (l.) im Gespräch mit Franck Ribery.
Haris Kresser (l.) im Gespräch mit Franck Ribery. – Foto: Christopher Winkler

Den Austausch mit den Protagonisten auf dem Feld und vor allem hinter den Kulissen schätzen Kresser sowie Reuter sehr. "Die Jungs sind alle total nahbar und unterhalten sich mit uns auch öfters über Themen fernab des Fußballs", sagt Reuter. Die Rolle des Unparteiischen wollen sie dabei als eine sportlich wichtige herausstellen. Kresser konstatiert: "Immer, wenn ich den Begriff Regelhüter höre, bekomme ich eine Gänsehaut. Wir sind Sportler, die im extrem schnellen Mannschaftssport Fußball geistig und körperlich voll gefordert werden." Dieses Frühjahr hat sogar Toni Kroos bei einem Icon League Spiel zur Pfeife gegriffen und ein Spiel geleitet. Reuter und Kresser sehen darin ein positives Beispiel für die Schiri-Zunft und sagen unisono: "Das ist einfach ein tolles Zeichen und macht vielleicht dem oder der anderen Jugendlichen unser Hobby schmackhaft."

Ihre unbestritten große Aufmerksamkeit bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die die Icon-League regelmäßig verfolgen, wollen die beiden Freunde explizit nutzen, um neuen Schiri-Nachwuchs zu gewinnen. Auf der Homepage des badischen Fußballverbands gibt es alle nötigen Infos und Termine zu Schiedsrichter-Neulingslehrgängen. "Das ist unser aller Ziel und dafür kann man nie genug Werbung machen", schmunzelt Reuter und sagt abschließend, "dafür lassen wir uns im Urlaub auch gerne wieder von wildfremden Leuten anquatschen."