2025-12-03T05:51:34.672Z

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Das DFB-Stopp-Konzept ist seit der laufenden Saison aktiv.
Das DFB-Stopp-Konzept ist seit der laufenden Saison aktiv. – Foto: Marcel Eichholz

Schiri-Obmann: „Das Stopp-Konzept des DFB wird positive Effekte haben“

Der 28-jährige Essener ist seit Anfang des Jahres Schiedsrichter-Obmann im Fußball-Kreis Moers. Im großen Interview berichtet er von altbekannten Herausforderungen und seinen Erkenntnissen in den vergangenenrnzwölf Monaten. Und er verrät, warum er immer noch für den VfB Homberg selbst zur Pfeife greift.

Im Januar 2024 hat Fabian Spitzer die Nachfolge von Jakob Klos als Schiedsrichter-Obmann des Fußball-Kreises Moers angetreten. In den vergangenen zwölf Monaten hat der junge Funktionär einiges erlebt. Der 28-jährige Essener berichtet im Interview von seinen ersten Monaten in der neuen Position, warum er trotzdem weiter selbst noch als Unparteiischer auf dem Platz steht und wie sich das neue DFB-Stopp-Konzept zur Gewaltvorbeugung seiner Meinung nach bislang bewährt hat.

Fabian Spitzer, seit dem Rücktritt von Jakob Klos sind Sie der neue Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses (KSA). Wie kam es dazu?

Fabian Spitzer Seit Jakob vor neun Jahren gewählt wurde, war ich ja auch schon im KSA. Als Jungschiedsrichter-Referent hatte ich die Verantwortung für die unter 18-Jährigen. Als klar wurde, dass Jakob aus beruflichen Gründen nicht weitermacht, kamen neben mir noch Norbert Hammerschmidt und Tommy Thielen für die Aufgabe in Frage. Ich habe als einziger Verbandserfahrung und viele Kontakte. Es hat auch perspektivisch am meisten Sinn gemacht, dass ich den Job übernehme – und das nicht nur für das Übergangsjahr bis zur nächsten Wahl im Frühjahr.

Wie ist Ihnen der Einstieg in den ersten zwölf Monaten gelungen? Und wird es unter Ihrer Regie noch Veränderungen geben?

Spitzer Wir sind ein harmonisches, eingespieltes Team und arbeiten schon lange vertrauensvoll zusammen. Wir haben Marlon Theissen als neuen Jungschiedsrichter-Referenten dazu geholt und wollen in der Besetzung auch die nächsten vier Jahre angehen. Der Umstieg ist mir nicht schwergefallen. Klar hat man jetzt auch mit anderen Leuten zu tun, was aufgrund des Altersunterschieds vielleicht etwas schwieriger ist. Aber ich habe auch schon Erfahrung und ein gewisses Standing und hoffe, dass meine bisherige Arbeit gut ankommt. Ich möchte einfach so präsent wie möglich sein, sehe aber keine große Kursänderung, weil die Dinge in der Vergangenheit schon sehr gut gelaufen sind.

Ihr Vorgänger hat neben den üblichen Lehrgängen viel Wert auf die regelmäßigen Treffen gelegt. Wie ist das bei Ihnen? Welches Thema beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Spitzer Es geht immer darum, die Schiedsrichterei als Hobby auch neben dem Platz möglichst attraktiv zu gestalten. Oberstes Ziel bleibt es, dass vor allem die jungen Leute, wenn sie zum Beispiel ihre Ausbildung anfangen, nicht verloren gehen. Wir starten viele Aktionen außerhalb des Platzes, bei denen man anders als bei den Spielen nicht auf sich allein gestellt ist – ob FIFA-, Kicker- oder Schiedsrichter-Turniere oder gemeinsame Stadionbesuche. Wir sind einfach eine coole Gemeinschaft.

Die Herausforderung, Nachwuchs zu gewinnen, bleibt aber schwierig, oder?

Spitzer Die Gewinnung und Ausbildung neuer Schiedsrichter läuft über den Verband gut. Wichtiger ist, dass die Neuen nicht direkt nach drei Spielen wieder die Lust verlieren. Durch das Tandem-Projekt werden unsere Leute eingebunden, die ihre Erfahrungen an die Jüngeren weitergeben. Und dann muss man auch erkennen, wer die Talente sind, die gefördert werden können. Wir haben aktuell 50 Jungschiedsrichter, von denen nicht jeder hochkommen kann. Man muss für die Langfristigkeit die richtigen Mittel finden.

Sie selbst sind seit 2011 Schiedsrichter für den VfB Homberg und 2018 in die Oberliga und als Assistent in die Junioren-Bundesliga aufgestiegen. Pfeifen Sie heute auch noch?

Spitzer Ja, das ist mir auch wichtig. Ich pfeife noch in der Bezirksliga, um nicht nur von außen den Blick zu haben, sondern um mitreden zu können, was auf dem Platz passiert. Ich habe vier Jahre in der Oberliga gepfiffen. Nach einer Verletzung war es auf dem Niveau schwierig und ich war so realistisch, dass leistungstechnisch das Ende der Fahnenstange erreicht war.

Ihre neue Aufgabe ist zeitintensiv, wie bekommen Sie das mit ihrem Beruf in Einklang?

Spitzer Ich arbeite schon seit drei Jahren als Lehrer und studiere nebenher noch in Essen die Fächer Englisch und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Für mich ist es extrem wichtig, dass viele junge Leute ehrenamtlich aktiv sind.

Die Hälfte der neuen Saison ist schon wieder vorbei, geht es im Fußball-Kreis Moers eigentlich ruhiger zu als in den Jahren zuvor?

Spitzer Das Gefühl habe ich auch. Hier ist es ja zum Glück sowieso entspannter alsin anderen Kreisen. Mir ist nur aufgefallen, dass es zum Start auffällig viel Schiedsrichter-Kritik von Vereinen gab. Das ist sicher normal, aber auch schon wieder weniger geworden, denn gerade am Anfang sind alle besonders heiß.

Um Ausschreitungen und Spielabbrüche zu verhindern, greift seit Sommer das neue Stopp-Konzept des DFB, das beispielsweise schon im A-Liga-Abstiegskrimi zwischen Viktoria Alpen und Concordia Rheinberg zum Tragen kam. Was halten Sie davon?

Spitzer Nach der Bekanntgabe herrschte schon eine Unsicherheit, weil man noch gar kein Gefühl hatte, wann der Moment ist, um das Konzept zu nutzen. Ich persönlich habe es noch nicht in der Praxis gesehen. Es soll nur zum Tragen kommen, wenn wirklich etwas passiert oder ein Spiel kurz vor dem Abbruch steht. Die wenigen Schiedsrichter, die es schon angewandt haben, konnten das Spiel bisher immer zu Ende bringen. Es ist wahrscheinlich noch etwas früh für ein erstes Zwischenfazit.

Hat es denn schon Rückmeldungen von Vereinen gegeben?

Spitzer Ich habe noch nichts von ihnen gehört, dass sie es nicht verstehen oder nicht wissen, was es bringen soll. Da gibt es zumindest noch keine negativen Aussagen. Wenn es am Ende dazu führt, dass weniger Ausschreitungen von Zuschauerseite entstehen, dann bin ich voll dafür. Es wird die Situation nicht verschlechtern. Es ist ein Versuch, der in den Modellprojekten gut funktioniert hat. Sonst wäre es nicht deutschlandweit durchgesetzt worden. Ich gehe davon aus, dass es auch bei uns positive Effekte hat.

Aufrufe: 02.1.2025, 12:00 Uhr
Fabian Kleintges-TopollAutor