– Foto: Tobias Thurau, Heiko van der Velden

Der Fußball hat wieder eine Perspektive

Nach den jüngsten Beschlüssen der Politik gibt es die Hoffnung, dass die Saison bei den Amateuren in vielen Ligen fortgesetzt werden kann. Was aber nicht nur für die Fußball-Klubs zählt: Der Nachwuchs darf wieder trainieren.

Der Amateursport kann in der Corona-Krise nach den jüngsten Beschlüssen der Politik die nächsten kleinen Schritte auf dem Weg zurück zur Normalität machen. Beim Fußball-Verband Niederrhein (FVN), der seine Saison im Gegensatz zum Handball, Tischtennis oder Volleyball noch nicht beendet hat, schürt das den Hoffnungsfunken, dass es in den meisten Ligen doch noch gelingen kann, 50 Prozent der Spiele auszutragen und damit zu einer sportlichen Wertung zu kommen.

„Das ist ein Licht am Ende des Tunnels. Wir müssen jetzt zwar noch abwarten, was das Land Nordrhein-Westfalen von den Beschlüssen des Corona-Gipfels übernimmt oder verändert. Doch die Chance ist da, die Saison noch weiterführen zu können, was immer unser Ziel war“, sagt Wolfgang Jades, Vorsitzender des FVN-Fußballausschusses.

Auch Holger Tripp (Kreis Kleve/Geldern) und Christian Stanik (Kreis Rees/Bocholt), die Vorsitzenden der jeweiligen Kreis-Fußballausschüsse, begrüßen es, dass wieder eine Perspektive vorhanden ist, dass die Saison doch nicht abgepfiffen werden muss. „Es gibt zwar noch viele Unwägbarkeiten, weil halt alles von den Inzidenzwerten abhängt. Doch die Chance, dass wieder gespielt werden kann, existiert jetzt“, sagt Tripp. Stanik betonte, dass alle Vereine, mit denen er in letzten Zeit gesprochen habe, signalisiert hätten, dass sie sich wünschen, dass die Saison fortgesetzt wird. „Jetzt gibt es wieder die Hoffnung, dass dies auch klappen kann“, sagt Stanik.

Zum Fix-Termin für den Amateurfußball am Niederrhein wird der 5. April. Wenn der Inzidenzwert dann zwischen 50 und 100 liegen sollte, wäre draußen Kontaktsport wieder uneingeschränkt erlaubt, was 14 Tage vorher schon mit tagesaktuellen Schnelltests der einzelnen Akteure möglich wäre. Spätestens dann könnten wirklich alle Mannschaften sich intensiv auf einen Re-Start in den Ligen vorbereiten.

Da der FVN immer erklärt hat, dass er den Teams drei bis vier Wochen Zeit für die Vorbereitung geben will, ehe wieder Meisterschaftsspiele angesetzt werden, könnte es theoretisch ab Anfang Mai um Punkte gehen. Das würde terminlich reichen, um in den meisten Ligen die Hinrunde zu beenden, was Voraussetzung ist, um Auf- und Absteiger sportlich zu ermitteln.

Fakt ist aber auch: Für die Klassen, in denen sich die Vereine dafür ausgesprochen haben, in einer Gruppe mit vielen Mannschaften zu starten, wird es trotz der jetzt beschlossenen Lockerungen immer enger. Dies trifft auf Verbandsebene ausschließlich für die Oberliga mit ihren 23 Teams zu. Dort hatte der Verband zuletzt in einer Videokonferenz mit den Klubs das Szenario entworfen, dass die Hinrunde noch problemlos beendet werden könnte, wenn die Meisterschaft am 11. April wieder gestartet werden kann. Der Termin wird nicht zu halten sein.

„Die Oberliga bleibt unser Problemfall. Wir werden die Situation demnächst mit den Vereinen in einer weiteren Videokonferenz besprechen. Für die anderen Ligen wird es diese Konferenzen ebenfalls geben. Wir haben ja jetzt den kompletten März Zeit, alles für den Fall vorzubereiten, dass am 5. April wieder ohne Einschränkungen trainiert werden kann“, sagt Jades. Auch in der Kreisliga A Rees/Bocholt (20 Mannschaften) würde es schwer, noch 50 Prozent der Partien über die Bühne zu bekommen. Zumal in den Terminkalender bis zum 30. Juni auch noch die ausstehenden Runden im Niederrhein- und Kreispokal berücksichtigt werden müssen. Der FVN hat stets erklärt, dass diese Spiele Priorität haben, weil dort die Teilnehmer am DFB- und Niederrhein-Pokal für die Saison 2021/2022 ermittelt werden müssen.

Klar ist auch, dass der Fußball sich weiter auf einem schmalen Grat bewegt, selbst wenn am 5. April wieder in Mannschaftsstärke ohne Einschränkungen trainiert werden kann. Die Abhängigkeit vom Inzidenzwert wird wie ein Damoklesschwert über allen Bemühungen hängen, die Saison sportlich noch zu einem Ende zu bringen. Denn wenn der Wert in Städten oder Kreisen an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 steigen sollte, wird die Notbremse gezogen. Dann gelten wieder die Regeln, die derzeit gültig sind. „Es darf auf keinen Fall einen Flickenteppich geben. Es wäre fatal, wenn zum Beispiel im Kreis Kleve noch Fußball gespielt werden dürfte, in anderen Gebieten des Verbandes aber nicht“, sagt Holger Tripp.

Was für viele Vereine noch wichtiger sein wird, als die Tatsache, dass es in dieser Saison eventuell noch Meisterschaftsspiele geben wird, ist ein weiterer Beschluss beim Thema Lockdown. Ab Montag soll wieder Individualsport mit Gruppen von maximal 20 Kindern im Alter bis 14 Jahren möglich sein, sofern die Inzidenzzahl unter 100 liegt. Denn nicht nur im Fußball treibt viele Klubs die Sorge um, dass durch die Corona-Krise der Nachwuchs verloren gehen könnte. „Es ist extrem wichtig, dass die Vereine jetzt wieder ein Bewegungsangebot für die Kinder starten können“, sagt Jades.

Aufrufe: 5.3.2021, 08:00 Uhr
RP / Joachim SchwenkAutor

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