"Italien wird Europameister"

Die EM und ich mit Ali Göl über das Abschneiden der Türkei und die jetzigen Favoriten

Als Geheimfavorit gehandelt, ist die Türkei sang- und klanglos ausgeschieden. Ali Göl, früherer Torjäger und Trainer im Stadtfußball, erklärt in unserer Serie zur Fußball-Europameisterschaft das türkische Debakel.

Hallo Herr Göl, wie erklären Sie sich das Aus der Türkei bei der EM?

Die Mannschaft hat sich vor dem Turnier selber als Favorit gesehen und auch eine gute Quali gespielt, dann aber auf ganzer Linie enttäuscht. Man hat gesehen, dass es an allen Ecken und Enden gefehlt hat.


Und das, obwohl die Mannschaft durchaus namhaft besetzt war.

Ja. Söyüncü, Demiral, Ayhan, Yilmaz – die Mischung hat eigentlich gepasst. Aber die Türkei ist ein sehr mentales Land, und nach einem 0:3 im ersten Spiel gegen Italien wird es schwer, die Kurve noch zu kriegen.


Wäre denn in einer anderen Gruppe mehr drin gewesen?

Es geht nicht um die Gruppeneinteilung. Man hat sich für die EM qualifiziert, ist unter den besten Teams Europas, da muss man sich anders präsentieren. Vielleicht wäre mit einem Punkt gegen Italien mehr drin gewesen. Gegen Wales hätte man gewinnen können, aber wenn man dann so spielt und 0:2 verliert, da fehlen einem echt die Worte. Man hat gesehen, wie weit die Mannschaft von den Ansprüchen entfernt war. Das Ausscheiden ist leider eindeutig verdient.


Wer ist nun der heißeste Kandidat auf den Titel?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Italien wird. Bei Spanien ist zu viel Ballgeschiebe, Deutschland fehlt ein Stürmer und hat hinten Schwächen, und auch Frankreich wird es nicht. Die werden zwar alle weit kommen – aber Italien wird Europameister. Die sind brutal stark aufgestellt.

Aufrufe: 022.6.2021, 09:13 Uhr
Fabian Pieper / NOZ SportAutor

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