
Der Blick auf die Tabelle der Landesklasse Süd kann schmerzen: Platz 13, erst drei Siege, die Abstiegsränge bedrohlich nah. Doch wer mit Sarah Domann spricht, hört keine Krisenrhetorik. Die 30-jährige Trainerin des SC Spremberg pflegt eine Philosophie, die im ergebnisorientierten Fußballgeschäft fast schon revolutionär anmutet. Für sie ist der Sport ein Privileg, ein Rückzugsort vom Alltag, bei dem die menschliche Entwicklung schwerer wiegt als die Statistik. Mit einer Mischung aus Gelassenheit und taktischem Mut führt sie ihre Mannschaft nun in die entscheidende Phase der Saison – fest davon überzeugt, dass wahre Stärke aus Wertschätzung entsteht und der Knoten vor dem gegnerischen Tor bald platzen wird.
FuPa: Wie fällt Ihre Bilanz nach der ersten Saisonhälfte aus, in der Ihr Team nach 14 Spielen und drei Siegen auf dem 13. Tabellenplatz überwintert hat?
Sarah Domann: Ehrlicherweise bin ich mit der Hinrunde zufrieden. Mir ist bewusst, dass Fußball ein Ergebnissport ist und für Außenstehende liest sich das jetzt wahrscheinlich sehr komisch, in Anbetracht der Tabellensituation. Aber wir haben in vielen Bereichen, im letzten Jahr, eine gute Entwicklung genommen, ich habe die Ehre, eine fantastische Mannschaft zu trainieren mit besonderen Typen.
FuPa: Der SC Spremberg hat mit 20 erzielten Treffern offensiv noch Luft nach oben – woran lag es in der Hinrunde am meisten, dass die nötige Durchschlagskraft im gegnerischen Drittel oft fehlte?
Sarah Domann: Die Antwort ist ganz einfach: Wir treffen das Tor nicht. Und egal, ob im bezahlten oder unbezahlten Fußball, der Kopf spielt irgendwann die entscheidende Rolle. Wir arbeiten auf vielen verschiedenen Ebenen daran und platzt der Knoten einmal, dann sind die Jungs nicht zu stoppen.
FuPa: In einer sehr ausgeglichenen unteren Tabellenhälfte haben Sie nur einen schmalen Vorsprung auf die Abstiegsränge; wie bewerten Sie die mentale Stärke Ihres Kaders in diesen engen Drucksituationen?
Sarah Domann: Es gibt keine Drucksituation. Druck haben Ärzte, die für Menschenleben verantwortlich sind. Wir spielen Fußball, als Hobby. Wir genießen die Zeit auf dem Fußballplatz, weil dieses Gefühl für viele wichtig ist, um vom Alltag abzuschalten. Wir reden viel miteinander, reflektieren unsere Spiele, kritisieren ehrlich, sowohl positiv als auch negativ und wachsen an unseren Aufgaben und als Mensch. Dieser Fußball ist so viel mehr.
FuPa: Welches Spiel der Hinserie würden Sie rückblickend als den „Wachmacher“ bezeichnen, aus dem das Team die wichtigsten Lehren gezogen hat?
Sarah Domann: Das erste Spiel, auf das ich zurückblicke, ist das Spiel gegen den Tabellenführer aus Schlieben. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, erarbeiteten uns viele Chancen, waren die deutlich bessere Mannschaft. Auch wenn es niemanden hilft, aber ich spiele lieber guten Fußball und verliere als andersherum. Natürlich ist das 5:0 gegen Burg ein wichtiger Sieg gewesen, den die Jungs sich verdient haben.
FuPa: Wie sehr haben Verletzungssorgen oder personelle Engpässe die Konstanz in Ihren Leistungen während der ersten 14 Partien beeinflusst?
Sarah Domann: Wir sind gut durch die Hinrunde gekommen. Alle Jungs haben sich vor der Saison für diese Saison entschieden, mit allem, was dazu gehört. Natürlich gibt es immer mal ein paar Ausfälle, aus unterschiedlichsten Gründen, aber grundsätzlich sind die Jungs sehr zuverlässig. Ich bin entspannter geworden, habe eine Menge Verständnis, denn auch für mich ist es nur ein Hobby. Die einzige Bedingung ist Ehrlichkeit und das funktioniert, soweit ich es beurteilen kann.
FuPa: Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung und konnten Sie die körperlichen Grundlagen legen, die für die intensive Rückrunde nötig sein werden?
Sarah Domann: Das Ende der letzten Saison war turbulent, die Sommerpause sehr kurz und dieser Abstand zueinander tat sehr gut. Um uns gut auf die Saison vorzubereiten, kann ich nur Angebote schaffen: Laufpläne, Trainingslager oder freiwillige Trainingseinheiten. Letztendlich entscheidet jeder für sich selbst, welchen Anspruch er hat, ob und wie er dem Team helfen will. Ich bin sehr optimistisch und zufrieden. Die Jungs sind gut vorbereitet.
FuPa: Welche Testspiele haben Sie für die kommenden Wochen noch fest terminiert, um die Mannschaft wieder in den Wettkampfmodus zu bringen?
Sarah Domann: Mit der ersten Mannschaft spielen wir ausschließlich am Mittwoch, den 18.02.2026, um 19 Uhr gegen den VfB Weißwasser. Danach bekommen die Jungs ein vorerst letztes, freies Wochenende und dann beginnt die Rückrunde.
FuPa: Das Transferfenster ist ein wichtiges Thema: Planen Sie für die zweite Saisonhälfte Veränderungen im Kader, sei es durch gezielte Neuzugänge oder durch Abgänge?
Sarah Domann: Wir haben zwei Neuzugänge. Einen Nachwuchsspieler, David Link, der Ende Februar 18 Jahre wird und somit spielberechtigt ist für den Männerbereich. Und Rico Kaubitzsch, ein erfahrener Torwart, der an seine alte Wirkungsstätte nach Spremberg zurückkehrt.
FuPa: Mit welcher taktischen Marschroute wollen Sie in der zweiten Saisonhälfte die nötigen Punkte sammeln, um sich schnellstmöglich von der Gefahrenzone abzusetzen?
Sarah Domann: Wir sind gut vorbereitet und werden weiterhin mutig Fußball spielen, fleißig sein und somit die Wahrscheinlichkeit erhöhen erfolgreich zu sein.
FuPa: Was ist Ihre persönliche Botschaft an die Fans des SC Spremberg für die kommenden entscheidenden Monate im Kampf um den Verbleib in der Landesklasse?
Sarah Domann: Mir ist bewusst, dass Niederlagen nicht zufriedenstellend sind und viele Fans ihren ganzen Jahresplan nach den Spielen ausrichten. Doch in den schnelllebigen und sehr negativ geführten Zeiten wünsche ich mir etwas mehr Positivität. Ich würde mir wünschen, dass Fehler zugelassen werden und mehr positive Worte gesprochen werden. Je wohler und gewertschätzter sich jeder Einzelne fühlt, desto bessere Leistung wird er abrufen.