Freudig überrascht war Trainer Walter Lang, dass sich am Dienstag zum ersten Training nach der langen Corona-Pause an die 20 Mann auf dem Heilbrunner Fußballplatz eingefunden hatten.
Freudig überrascht war Trainer Walter Lang, dass sich am Dienstag zum ersten Training nach der langen Corona-Pause an die 20 Mann auf dem Heilbrunner Fußballplatz eingefunden hatten. – Foto: Ewald Scheitterer

Trainingsstart im Amateurbereich - Vorsichtige Schritte Richtung Normalität

Fußballer im Süd-Landkreis nehmen Training wieder auf und starten vorzeitig in Vorbereitung

Die Amateurvereine starten nach und nach alle langsam in die Vorbereitung. Trotz des fernen Saisonstarts sind die Spieler hochmotiviert.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Der Fußballer braucht immer ein Ziel, auf das er hintrainieren kann“, ist Walter Lang, der Coach des Landesligisten SV Bad Heilbrunn, überzeugt. Wer erwartet hat, dass die Motivation bei den regionalen Kickern, die jetzt ihrem wieder Sport nachgehen dürfen, darunter leidet, dass bis zum erneuten Saisonstart noch geraume Zeit vergeht, der hat sich getäuscht.

„Die Jungs kommen sogar freiwillig ins Training, weil es ihnen einfach Spaß macht“, erklärt Daniel Heidemann, der Coach des SV Bad Tölz: „Wir haben mit ansprechender Beteiligung bereits im Februar trainiert, als es für zwei Wochen erlaubt war.“

Für die Landesliga-Südwest soll die Spielzeit 2021/22 am Wochenende, 24./25. Juli, starten, sofern es die Coronalage erlaubt. „Auch wenn die Vorbereitungszeit etwas länger als üblich ist, legen wir ab sofort bei dreimal wöchentlichem Training mit vollen Touren los“, sagt Lang, der seine Truppe am Dienstag zum ersten Mal in diesem Jahr auf dem Platz begrüßen durfte. Freilich mit „gebremstem Schaum“ am Anfang. Der HSV-Coach glaubt zwar nicht, dass er jemanden findet, der über die lange Pause nichts für die Fitness getan hat. „Aber halt nichts Fußballspezifisches. Da muss ich aufpassen, dass die neue Belastung richtig gesteuert wird und keiner gleich überpaced.“

„Diesmal wird es für uns aber noch schwieriger als zuletzt“

Walter Lang über die neue Saison

„Ich glaube nicht, dass wir durch die Quotientenregelung irgendetwas geschenkt bekommen haben“, ist Lang überzeugt, der sich dennoch freut, dass der HSV erneut in der Landesliga antreten darf. „Diesmal wird es für uns aber noch schwieriger als zuletzt“, befürchtet der Trainer. Der ohnehin schon kleine landesliga-taugliche HSV-Kader wurde über die Pause weiter dezimiert. Kapitän Sebastian Mertens hat alters- und familienbedingt seine Karriere genauso an den Nagel gehängt wie Außenverteidiger Tom Forster nach seinem Kreuzband-Riss. Zudem hat Verteidiger Markus Petzold den Verein verlassen, da er nach Augsburg umgezogen ist. Zudem ist Markus Haberl zum SV Sachsenkam zurückgekehrt. „Eigentlich sind wir in der falschen Liga, wir sind voll im Bezahlfußball angekommen“, meint Lang. „Da wir aber nichts bezahlen, ist es mit passenden Neuzugängen sehr schwierig.“

Er ist zwar überzeugt davon, dass seine Kerntruppe in der Landesliga mitspielen kann. „Aber es darf keiner ausfallen oder sich verletzen. Und das ist auf Saisondauer eher unwahrscheinlich.“

Lenggrieser SC: Trainingsspielchen zum wieder reinkommen

Trainingsauftakt beim Lenggrieser SC ist am Donnerstag, noch unter Interimstrainer Andi Riesch. Auch LSC-Chef Schorsch Müller glaubt, dass seinen Spielern der Fußball gefehlt hat: „Wir haben zuletzt auf freiwilliger Basis untereinander Spielchen gemacht, und da waren immer an die 25 Mann da.“ Selbst einige ältere Kicker, die mit einem Karriereende geliebäugelt hatten, wie Markus Artmann, Flori Adlwarth oder Maxi Scheck wurden wieder auf dem Platz gesichtet. „Auch wenn die vielleicht etwas kürzer treten wollen, wenn wir bei Bedarf auf die zurückgreifen könnten, wäre das nicht schlecht“, meint der Vereinsboss.

Mit Torhüter Flori Schauer muss der LSC allerdings einen „schmerzhaften Ausfall“ verkraften. Der 32-Jährige ist beim Gleitschirm-Fliegen am Wallberg abgestürzt. Dabei hat er sich das Kreuzband gerissen und den restlichen Bandapparat im Knie schwer beschädigt. Als Abgang steht Toni Berger fest, der zum TuS Geretsried wechselt (siehe unten). Dafür kommt Matthias Gerg aus Holzkirchen zurück. Nicht zuletzt deshalb ist Müller überzeugt, „dass wir wieder eine schlagkräftige Truppe für die Kreisliga zusammenbekommen.“

TSV Benediktbeuern: Vorbereitung beginnt in zwei Wochen

„Meine Burschen scharren mit den Hufen. Die sind wieder ganz heiß auf Fußball, sodass ich sie eher bremsen muss“, berichtet Willi Link, der Trainer des TSV Benediktbeuern. Noch läuft das Training auf freiwilliger Basis, „aber in zwei Wochen fangen wir mit der Vorbereitung auf die neue Saison in der Kreisklasse 3 an.“ Im Wesentlichen kann der Coach auf die bewährte Truppe zählen. „Wir haben 18 Mann für die Erste, das passt“, sagt Link. „Es wäre schön, wenn wieder etwas Normalität einkehrt.“

„Ich war positiv überrascht von der Akzeptanz des ersten Trainings. Da musste ich meine Burschen fast schon bremsen“, freut sich Maxi Wagner, der Trainer des FC Kochelsee Schlehdorf. Auch wenn im Augenblick der Spaß am Fußball im Vordergrund steht, will man demnächst in den Vorbereitungsmodus wechseln. Die neue Saison soll für die Kreisklassen am Wochenende, 31. Juli/1. August, beginnen. Kaum verändert hat sich der Kader des FCKS, aber Wagner merkt an: „Die eine oder andere Verstärkung könnten wir noch brauchen.“

„Motivationsprobleme habe ich jedenfalls keine erkannt“

Bad-Tölz Trainer Heidemann über den Neustart

Bereits in der dritten Woche voll im Training ist der SV Bad Tölz. „Man hat schon gemerkt, dass es nach der langen Pause an einigen Dingen gefehlt hat. Doch das wird von Mal zu Mal besser“, zeigt sich Coach Heidemann zufrieden: „Motivationsprobleme habe ich jedenfalls keine erkannt. Meine Jungs genießen den Fußball wieder.“ In Sachen Kader-Zusammenstellung sind beim SV Tölz bisher „keine größeren Veränderungen spruchreif“.

„Wir machen derzeit einmal wöchentlich ein Gaudipax“, sagt Tarkan Demir, der Coach des Rot-Weiß Bad Tölz. Auch er möchte bald in die Vorbereitung starten: „Sechs Wochen brauchen wir unbedingt. Vor allem, weil die Burschen ja über so eine lange Zeit weg vom Fußball waren. Da habe ich lieber nach hinten raus einen kleinen Puffer.“ Außer, dass Torhüter Marius Scurtu zum FC Penzberg wechselte (wir berichteten) und Stürmer Turhan Ulu vom 1. FC Miesbach schon im Winter zu den Rot-Weißen kam, sind keine größeren Veränderungen im Kreisklassen-Kader zu erwarten.

(Ewald Scheitterer)

Aufrufe: 014.6.2021, 06:30 Uhr
Ewald ScheittererAutor

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