Zu Hause auf dem Gretescher Grün: Heiner Rose.
Zu Hause auf dem Gretescher Grün: Heiner Rose. – Foto: Jörn Martens

Top-Bedingungen auch für Neuer, Hummels & Co.

Heiner Rose hat in verdienstvollen 27 Jahren als Platzwart im Sportpark Gretesch viel erlebt / Leidenschaft für den Nachwuchs

Heiner Rose ist ein stiller Macher im Hintergrund. Dabei ist der 55-Jährige nicht nur in der Talentförderung des Niedersächsischen Fußballverbands äußerst aktiv, sondern sorgt auch als Platzwart im Sportpark Gretesch für optimale Bedingungen für Leichtathleten und Fußballer von der Kreisklasse bis hin zu Nationalmannschaften.

Momentan seien die Rasenplätze in Gretesch nach Aussage von Rose allesamt „ein absoluter Traum, ein grüner Teppich“ – ohne Amateursport fällt dies leichter. Darüber freuen kann sich der Platzwart aber nicht: „Ich repariere lieber und freue mich, wenn hier auf allen Plätzen Betrieb ist.“ Seit 27 Jahren macht er die Arbeit jetzt schon, mit zwei Jahren Tätigkeit am Klushügel kommt der hauptamtlich bei der Stadt angestellte Platzwart auf 29 Jahre.

Auf eine Zeitungsanzeige hatte sich der gelernte Modelltischler und Zimmermann einst beworben. Die Freude an der Tätigkeit auf und neben dem Sportplatz entdeckte er als Fußballer bei den Sportfreunden Lotte, damals noch in der Kreisliga beheimatet. Dort mähte er vor den Spielen den Rasen oder half dabei, die Anlage aufzuwerten, indem ein Flutlichtkabel verlegt wurde. Heute kümmert er sich acht Stunden am Tag um die Gretescher Anlage: Fast täglich wird gemäht, der Platz gestriegelt oder gedüngt und sonstige Arbeiten neben dem Platz erledigt.

Für seine Plätze erhält Rose viel Lob, nicht nur von den Fußballern und Fußballerinnen der TSG Burg Gretesch, des VfR Voxtrup oder SC Lüstringen, sondern auch aus dem Profifußball. Regelmäßig kommen Zweit- oder Drittligamannschaften zum Anschwitzen vor dem Spiel nach Gretesch. Zuletzt war der VfB Lübeck da, der die Bedingungen besser als an der heimischen Lohmühle fand. 2008 absolvierte die U-21-Nationalmannschaft mit dem damaligen Trainer Horst Hrubesch („Ein feiner, sehr umgänglicher Typ“) ein fünftägiges Trainingslager. Mit dabei waren Manuel Neuer, Mesut Özil, Mats Hummels und Jérôme Boateng. Um den Gästen optimale Bedingungen zu bieten, mähte er sogar nachts den Rasen. Im Prinzip sei es für Rose aber egal, wer auf dem Platz spielt: „Ich möchte den Sportlern Top-Bedingungen bieten, egal ob Kreisklasse oder Nationalelf.“

Frust wegen eines gesperrten Platzes lud noch niemand bei ihm ab. Highlights sind für ihn zwar die Besuche von Profimannschaften oder große Events wie Jugendturniere oder Deutsche Meisterschaften in der Leichtathletik, besonders zufrieden ist er aber mit dem Amateursportalltag: „Wenn ich abends hier bin und alle Flutlichtmasten brennen, freue ich mich am meisten.“

Rose sehnt sich aber nicht nur danach, wieder auf volle Plätze zu schauen, er will auch selbst wieder auf dem Rasen stehen. Seit zehn Jahren ist er in der Talentförderung des NFV und in den Nachwuchsleistungszentren des VfL Osnabrück aktiv, hat Auswahlteams der Jahrgänge 2000 bis 2008 trainiert und ist seit 2015 verantwortlich für das DFB-Mobil im Bezirk Weser-Ems. Gerade mit dem DFB-Mobil bei den Clubs zu sein und die Jugendtrainer zu Fortbildungen zu animieren entfacht in ihm große Leidenschaft: „Das ist eine der besten Sachen, die der DFB je gemacht hat, weil es wirklich Arbeit mit den Kindern und Trainern an der Basis ist.“

So schön seine Plätze momentan auch aussehen, umso größer ist seine Sorge um die jungen Kicker in der Corona-Krise: „Der Schaden wird schon groß sein, weil wir nicht wissen, wie viele Kinder überhaupt auf den Platz zurückkehren.“ Rose rechnet noch Jahre mit Nachwirkungen, eine Anpassung der Talentförderung sei nach einem verlorenen Jahr nötig. In den Nachwuchs muss viel Energie gesteckt werden: „Wir müssen die Kinder motivieren, sich wieder zu bewegen.“ Ein perfekter Rasenplatz und ein gutes Training sollten da doch schonmal erste Anreize sein.

Aufrufe: 05.5.2021, 06:29 Uhr
Lennart AlbersAutor

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