Vor einem Jahr stürmte Urs Rockel noch für den FC Nonnenweier, nun für die SG Nonnenweier/Allmannsweier die dem Vorbild des damaligen Gegners SG Langenwinkel / Mietersheim folgte. | Archivfoto: Peter Aukthun
Vor einem Jahr stürmte Urs Rockel noch für den FC Nonnenweier, nun für die SG Nonnenweier/Allmannsweier die dem Vorbild des damaligen Gegners SG Langenwinkel / Mietersheim folgte. | Archivfoto: Peter Aukthun

Spielgemeinschaften - besser gemeinsam, als einsam?

BZ-Umfrage: Spielgemeinschaften sind nicht die Wunschvorstellung der Fußballvereine in der Region, aber durchaus akzeptiert

Die Fusion des Lahrer FV und der Spvgg. Lahr zum neu gegründeten SC Lahr hat in der regionalen Sportszene für Gesprächsstoff gesorgt – und dabei die Frage in den Raum geworfen, ob Fusionen, Spielgemeinschaften und Zusammenschlüsse in Zukunft noch häufiger eingegangen werden müssen, als dies ohnehin schon der Fall ist. Uwe Schwerer, Sebastian Köhli und Bettina Schaller haben sich dazu bei Verantwortlichen von Bezirks- und Kreisligisten in der Region umgehört.
Frank Himmelsbach, Spielausschussvorsitzender des SC Kuhbach-Reichenbach
„ Es ist zwar schade um jeden eigenständigen Verein, aber für das Ehrenamt wird es immer schwieriger, und auch die Jugend wird immer weniger. Früher waren mehr Jugendliche dabei, jetzt muss man froh sein, wenn die die aus der Jugend herauskommen, dann auch weitermachen. Die jungen Leute sind sind heute mit anderen Sachen beschäftigt, Stichwort Digitalisierung. Ich glaube deshalb, dass es in Zukunft immer mehr Zusammenschlüsse von Vereinen geben wird, um diese Problematik aufzufangen.“

Andreas Sehrer, Spielausschussvorsitzender des SV Rust
„Schwierige Frage. Bei den Junioren wird es fast nicht mehr möglich sein, ohne eine SG auszukommen. Im Seniorenbereich ist es in einzelnen Fällen notwendig, ob wegen der Anzahl der Leute oder wegen der sportlichen Ambitionen, das muss jeder Verein selbst entscheiden. Für uns steht da allerdings nichts im Raum, in den nächsten Jahren wird mit uns keine Fusion stattfinden, wir werden weiterhin als SV Rust spielen.“

Patrick Toth, Spielausschussvorsitzender des FSV Seelbach
„Wir haben momentan noch guten Nachwuchs aus der eigenen Jugend. Ich glaube nicht, dass ich bei den Senioren noch eine Fusion miterleben werde. Aber andere sehen das anders. Langfristig bin ich hingegen davon überzeugt, dass ein Zusammenschluss der einzig mögliche Weg sein wird. Spätestens in 25 Jahren. Es wird irgendwann kommen. Bestes Beispiel ist ja der SC Lahr. Die Nachricht war für mich zuerst ein Schock, ich habe an dieser Fusion gezweifelt. Im Nachhinein bin ich als Außenstehender aber begeistert, wie gut das doch geklappt hat. Aber auch bei uns sieht man ja schon Anzeichen: Im Jugendbereich sind wir schon bei der großen SG im Vorderen Schuttertal.“

Joe Schwende, Vorstand Sport beim SC Orschweier
„Der einzige Weg sind Fusionen oder Spielgemeinschaften nicht, aber eine von mehreren Möglichkeiten. Für uns in Orschweier steht diese Fragestellung momentan nicht auf der Tagesordnung.“

Sebastian Bruch, Trainer des SV Oberschopfheim
„In der Jugend ist das gang und gäbe, da funktioniert es. Und da führt wohl auch in Zukunft nichts dran vorbei. Aber insgesamt bin ich da zwiegespalten, da geht auch viel Tradition verloren. Wenn ich da Lahr sehe … 100 Jahre. Aber ohne Fusion verpufft die ganze Mühe und Tradition einfach so. Wir brauchen trotzdem auch wieder mehr Ehrenamtliche und wenn es die nicht gibt, dann muss man die Übrigen bündeln. Wir haben in Oberschopfheim gerade das Glück, genügend junge Spieler hier zu haben, aber in zehn Jahren wird das auch für uns ein immer wichtigeres Thema sein, denke ich.“

Friedhelm Roth, Vorsitzender Sport bei den SF Ichenheim
„Bei den Senioren sehe ich das bei uns aufgrund des breiten Kaders nicht. Auch aus der Sicht der Vereinsführung ist da gar nicht dran zu denken, auch in naher Zukunft nicht. Bei der Jugend sieht das natürlich anders aus, aufgrund der demografischen Entwicklung sind wir hier auch gezwungen, Spielgemeinschaften einzugehen. Ab der D-Jugend in der SG Ried mit Altenheim und Goldscheuer. Bei den Frauen spielen wir Landesliga mit Oberschopfheim zusammen. Da hat zwar die Qualität gestimmt, aber der Kader wurde immer dünner. Im Gegenteil sehe ich, dass bei Vereinen, die eine SG bei den Herren machen der Erfolg nur von kurzer Dauer ist. Es besteht die Gefahr, dass der Verein nach wenigen Jahren wieder genauso da steht, wie zuvor. Gerade die Ersatzspieler der zweiten Mannschaft gehen dann meist weg oder hören auf. Aber es gibt ja nicht nur die kleinen Vereine, die aufgrund der kleinen Spielerdecke fusionieren. Beim SC Lahr lag es ja nicht daran, sondern da waren es die Funktionäre, die fehlten. Die Gründe sind unterschiedlich. Meistens ist es aber die Spielerdecke.“

Benno Kassel, Trainer der SG Nonnenweier/Allmannsweier
„Ich habe das Gefühl, dass es bei 70 Prozent der Vereine nicht anders geht. Ohne SG gibt es schon fast keine Jugendabteilungen mehr. Und das setzt sich jetzt langsam im Seniorenbereich fort, das ist keine Überraschung. In den nächsten fünf Jahren werden wir mehr Fusionen erleben, um wieder mehr Jugendliche und Funktionäre zu generieren. Die Kumulation von Ämtern auf einige wenige, das ist fast nicht machbar. Es gibt immer weniger Verrückte wie mich, die das mitmachen. Wenn man es richtig machen will, muss man halt Zeit opfern, aber das will ja verständlicherweise heute nicht jeder. Selbst die größeren Vereine wie zum Beispiel der SV Rust haben da Probleme, das sehe ich. Also ist es logisch, dass es den Kleineren genauso geht. Und da fangen die Fusionen an …“

Frank Lothspeich, Sportvorsitzender des VfR Elgersweier
„Das hängt eindeutig von der Region ab. Als Offenburger Randgemeinde haben wir es schwer. Der Nachwuchs hat so viele Möglichkeiten. Im Seniorenbereich denken wir aktuell nicht an die Gründung einer Spielgemeinschaft. Dennoch: Nichts ist für die Ewigkeit. Vielleicht in fünf bis zehn Jahren, ausschließen lässt sich das nicht. Alles ist im Wandel, man weiß nie, was passiert.“

Nikolas Köther, Sportvorsitzender des FV Zell-Weierbach
„Wir haben durch unsere kontinuierlich gute Jugendarbeit keine Nachwuchsprobleme. Rund 20 bis 40 Kinder bis in die E-Jugend runter schaffen einen soliden Unterbau für den Seniorenbereich. So betrachtet haben wir in den nächsten fünf Jahren keine Sorgen. Was danach kommt, das wissen wir nicht. Wir haben immer auf den eigenen Nachwuchs gesetzt, um die Identifikation mit dem Verein gerade in der Jugend zu stärken.“

Dominic Künstle, Trainer des FV Rammersweier
„Es ist alles von der Vereinsstruktur und den lokalen Gegebenheiten des Vereins abhängig. Pauschal kann man das nicht sagen. Mit Blick auf Lahr sieht man aber, dass es gut für den Fußball der Zukunft ist, Fusionen zu bilden. Wir selbst haben viele Kinder von den Bambinis bis zur E-Jugend, dann starten die Spielgemeinschaften. Wir haben viele eigene, aber auch externe Spieler im Seniorenbereich dabei. Das wechselt, ist nicht immer konstant.“

Markus Lutterer, Sportvorsitzender SV Kippenheim
„Es ist ein schwieriges Thema. Viele beschäftigen sich damit, auch bei uns. Neben der SG Langenwinkel/Mietersheim gibt es auch die SG Nonnenweier/Allmannsweier in unserer Runde. Wir bilden Spielgemeinschaften in der Jugend, aber noch nicht im Seniorenbereich. Da können wir locker zwei Mannschaften stellen. Wir versuchen immer alle Mittel auszuschöpfen, um keine Spielgemeinschaften bilden zu müssen.“
Aufrufe: 020.8.2015, 22:00 Uhr
Sebastian Köhli, Bettina Schaller und Uwe SchwererAutor

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