Wo liegt der Schlüssel zur Lösung? Der Bayerische Fußball-Verband will sich vor der Entscheidung ein Meinungsbild einholen. Angesichts der aktuellen Pandemie-Lage – im Landkreis Freising beispielsweise lag die Inzidenz am Mittwoch bei 202,8 – deutet vieles, wenn nicht alles auf einen Abbruch hin.
Wo liegt der Schlüssel zur Lösung? Der Bayerische Fußball-Verband will sich vor der Entscheidung ein Meinungsbild einholen. Angesichts der aktuellen Pandemie-Lage – im Landkreis Freising beispielsweise lag die Inzidenz am Mittwoch bei 202,8 – deutet vieles, wenn nicht alles auf einen Abbruch hin. – Foto: Imago

Kreis Freising: Vereine pro Saisonabbruch aber ohne Absteiger

Mammutsaison steht vor dem Aus

Die Saison im Amateurbereich steht auch in Bayern nun vor ihrem endgültigen Aus. Die Freisinger Vereine sind für einen Saisonabbruch aber ohne Absteiger.

Landkreis – Jetzt geht es endgültig ans Eingemachte: Der Lockdown wird in Bayern bis mindestens 9. Mai andauern – und damit ist klar, dass die Saison 2019/21 im Amateurfußball bis zum 30. Juni nicht mehr zum Abschluss gebracht werden kann. Nun sind die Vereine am Zug: Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) will gemeinsam mit seinen Clubs über einen Saisonabbruch und die dabei anzuwendenden Regularien entscheiden. Weitere Details wollte der BFV-Vorstand in der Sitzung am Mittwochabend abklären. Die derzeitigen Bestimmungen in der BFV-Spielordnung sehen jedenfalls vor, dass im Falle eines Abbruchs die Auf- und Absteiger nach der Quotientenregel ermittelt werden. Da gäbe es natürlich sowohl Gewinner als auch Verlierer. Das Freisinger Tagblatt hat sich bei den Vereinen umgehört.

Anselm Küchle, Sportlicher Leiter des Landesligisten VfB Hallbergmoos: Schwierige Entscheidungen für den Verband

„Ich glaube nicht, dass wir die Saison noch weiterspielen können, und dann entscheidet der Quotient. Aktuell ist man ganz weit von einer Fortsetzung des Spielbetriebs entfernt. Wir würden als Meister natürlich den Aufstieg in die Bayernliga annehmen, aber schöner wäre dieser Erfolg sicher auf dem grünen Rasen. Trotzdem darf man sich auch bei der Quotientenregel über den Aufstieg freuen, auch wenn diese Entscheidung mit dem Abbruch bitter für andere Vereine und Teams sein wird. Unsere Zweite Mannschaft würde mit der Quotientenregel aus der Kreisklasse absteigen – und das wäre ein enormer Rückschlag. Unsere Dritte Mannschaft hätte noch Glück mit ihrem Relegationsplatz. Wenn du nach so einer Jahrhundert-Saison absteigst, ist das schon der Hammer. Das wird jetzt ganz schwierig für den Verband, die Entscheidungen zu treffen.“

Rudolf Hauke, Vorsitzender des Bezirksliga-Vereins TSV Eching: Wir werden benachteiligt

„Der BFV fragt ja nur ein Meinungsbild ab – aber ob diese Abstimmerei viel bringt, weiß ich nicht. Eigentlich ist durch die Satzung ja alles geregelt. Und im Fall eines Abbruchs würde diese unsägliche Quotientenregel in Kraft treten. Wir beraten uns noch einmal, werden aber gegen einen Abbruch stimmen, weil wir uns benachteiligt sehen. Wir waren fast die komplette Saison auf dem ersten Tabellenplatz, würden jedoch aufgrund der Regel hinter Schwaig zurückfallen. Damit wären wir nicht glücklich.“

Dominik Heiß, Abteilungsleiter des Bezirksligisten SVA Palzing: Pro Saisonabbruch

„Wir beraten uns noch, ich gehe aber davon aus, dass wir für einen Abbruch stimmen werden. Die Saison läuft nun schon zwei Jahre. Es wird Zeit, dass ein Neuanfang kommt. Würde die Quotientenregel angewandt werden, wären wir natürlich einer der Gewinner. Ich bin der Meinung, dass es nur Aufsteiger, aber keine Absteiger gegen sollte. Im Oktober gab es Mannschaften, die ihre Spiele durchgezogen haben und dafür nun bestraft werden. Fair ist die Quotientenregel nicht.“

Anton Kopp, Trainer des Kreisligisten SV Kranzberg: Froh über jede Entscheidung

„Ich denke, dass jetzt sicher ist, dass abgebrochen wird – es geht nur noch darum: Wer steigt auf und wer steigt ab? Ich bin der Meinung, dass der Erste auf alle Fälle aufsteigen sollte. Auch wenn das bei uns heißen würde, dass das für Lengdorf als punktgleichen Tabellenzweiten sehr bitter wäre. Doch eine absolut gerechte Entscheidung wird man für den Abbruch nie finden können. Beim Thema Abstieg sollten auch die zwei fixen Absteiger den Gang eine Liga tiefer antreten müssen. Als Alternative könnte ich mir noch vorstellen, dass nur die Ersten aufsteigen dürfen und es keine Absteiger gibt. Ich bin auf auf alle Fälle froh, dass jetzt eine Entscheidung getroffen wird.“

Philipp Reiter, Sportleiter des Kreisligisten FC Moosburg: Sauberer Schlussstrich ist wichtig

„Wir sind auf alle Fälle für den Abbruch, das ist klar. Nach welcher Regelung das Ganze am Ende gewertet wird, darüber soll sich der Verband den Kopf zerbrechen. Für uns als Verein sind nach den jüngsten internen Geschehnissen die Modalitäten für den Abbruch zweitrangig. Ich finde es wichtig, dass ein sauberer Schlussstrich gezogen wird, damit man eine gewisse Planungssicherheit hat. Und damit man definitiv weiß: Es ist nicht mehr mit einer Weiterführung der Saison zu rechnen, sodass man auch das immense Verletzungsrisiko nicht mehr in Kauf nehmen muss.“

Christian Hobmeier, Trainer des Kreisklassisten TSV Au: Aufstieg lieber auf dem Platz

„Wir würden lieber auf dem grünen Rasen als am Grünen Tisch aufsteigen. Aber es ist klar, dass wir die aktuelle Saison nicht bis 2025 weiterspielen können. Der TSV Au würde bei der Entscheidung über die Quotientenregel den Aufstieg natürlich wie alle anderen auch annehmen, aber es hätte schon einen faden Beigeschmack. Fußball lebt von der Emotion, und da wäre ein Aufstieg auf dem Platz etwas ganz anderes. Manche Fußballer steigen nur einmal im ganzen Leben auf.“

Erik Hillenbrand, Abteilungsleiter beim Kreisklassisten SC Freising: Aufsteiger ja, Absteiger nein

„Wir hätten die Saison gerne fertiggespielt, auch wenn es für uns bei einem Abbruch gut ausgeht. Es macht einfach keinen Sinn mehr, auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs zu hoffen. Der Quotient ist relativ fair. Ich fände es eine gute Lösung, auf Absteiger zu verzichten. Vielleicht kann man früher anfangen – und die zusätzlichen Spiele würde jeder gerne absolvieren. Lieber hat ein Team wie Eichenfeld Glück, als dass viele Mannschaften in Bayern wie bei uns Mauern Pech hätten.“

Björn Braun, Vorsitzender des Kreisklassen-Clubs SpVgg Mauern: Saisonabbruch ohne Absteiger

„Wir würden beim Abbruch nach den jetzigen Regeln absteigen, nur weil wir ein Spiel mehr absolviert haben als andere. Unter diesen Bedingungen können wir dem Abbruch nicht zustimmen. Es wäre die fairere Lösung, die Runde ohne Absteiger abzubrechen.“

Thomas Feye, Abteilungsleiter beim Kreisklassisten SG Eichenfeld: Es braucht ein Ende der Saison

„Der Klassenerhalt wäre für uns ein Geschenk des Himmels – wir würden die Chance ergreifen. Es heißt ja so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Diese Saison ist für alle längst ein Schrecken ohne Ende. Es braucht jetzt unbedingt schnelle Entscheidungen, damit jeder weiß, wo er in der neuen Saison spielt.“

Aufrufe: 015.4.2021, 09:02 Uhr
Freisinger Tagblatt / Redaktion FreisingAutor

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