2026-05-15T09:36:57.455Z

Interview

Samuel Horozovic: „Ich möchte weiter unterstützen“

Trainer Samuel Horozovic verlässt Schott Mainz zum Saisonende +++ Im Interview spricht er über besondere Erinnerungen, seine Zukunftspläne und wie er dem Verein erhalten bleibt

von Torben Schröder · Heute, 06:00 Uhr · 0 Leser
Als Trainer ist für Samuel Horozovic beim TSV Schott seit dem gewonnen Pokalfinale in der Vorwoche Feierabend.   Archivfoto: René Vigneron
Als Trainer ist für Samuel Horozovic beim TSV Schott seit dem gewonnen Pokalfinale in der Vorwoche Feierabend. Archivfoto: René Vigneron

Mainz. Vom Elternhaus in Mainz-Mombach zu Geschäftsstelle und Trainingsplatz ist es ein Katzensprung. Seit einem Vierteljahrhundert ist Samuel Horozovic Teil des TSV Schott Mainz. Nun geht die Zeit als Cheftrainer und Mitarbeiter zu Ende – großteils. Im Interview erzählt der 29-Jährige von besonderen Momenten und neuen Plänen.

Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung und Wormser Zeitung.

Horozovic: „Trainer, da war ich von Tag eins an Feuer und Flamme.“

Herr Horozovic, 25 Jahre TSV Schott Mainz – was sind Ihre allerersten Erinnerungen?

Einer der schönsten Momente war, als F-Jugendlicher im Gladbacher Stadion zu spielen, elf gegen elf über den kompletten Platz. Das war vor dem Spiel gegen 05, wo wir dann auch Einlaufkinder waren. Es waren schon 15.000 Zuschauer im Stadion, wir haben 0:11 verloren, aber diese Erinnerung ist geblieben.

Welche Erinnerungen bleiben sonst noch?
Leute wie Olaf Thurmann, Ralph Krauss, Patrick Hönig oder Fabian Schäfer so lange zu kennen, das habe ich genossen. Als ich selbst Fußball gespielt habe, in der Jugend, gab es Höhen und Tiefen. Aber die Tiefs haben mich auch weitergebracht. In der C-Jugend wurde ich einmal ziemlich zornig und stand kurz vor dem Rauswurf. Ich habe das Trikot hingeschmissen und hatte keine Lust mehr auf den Trainer. Es war nicht korrekt, wie ich mich verhalten habe.
Ich kam dann direkt in die B-Jugend hoch und wurde parallel Trainer. Ich habe oft das Training meines Bruders Sean angeschaut. Stefan Friedrich kam einmal auf mich zu, ob ich nicht Lust hätte, einzusteigen. Das war ein entscheidender Moment. Trainer, da war ich von Tag eins an Feuer und Flamme. Auch wenn es immer wieder Kopfschmerzen gab, was Eltern betrifft, als Jugendtrainer und ‑koordinator. Es wird schlimmer und schlimmer, aber auch da habe ich die Momente genossen, die internationalen Turniere, zwei Tore gegen Chelsea zu schießen, gegen Bayern zu spielen und so vieles mehr.

Horozovic: „Aktuell überwiegt einfach die Vorfreude“

Spieler, Funktionär, Trainer, Mitarbeiter – welche Position hat am meisten Spaß gemacht?
Als Trainer eine Mannschaft zu führen und zu entwickeln. Die U19 mit einem Trainingslager in Österreich, das Double mit der U17, mit der U15 auch der Aufstieg in die Regionalliga – das waren schöne Momente. Es war auch schön zu sehen, wie „mein“ 2005er- und 2006er-Jahrgang, mit dem ich die Saison begonnen hatte, in die DFB-Nachwuchsliga aufgestiegen ist.
Wie verlief der Abschied von der Mannschaft?
Nach dem Pokalfinale musste ich erst einmal runterkommen. Wir waren noch bei Senftlebens in Essenheim und haben auf dem Clubgelände beim Griechen gefeiert. Das war alles relativ entspannt. Ich bin zu jedem Einzelnen gegangen – manche Spieler sind über die Saison hinweg ja auch unzufrieden –, um sich noch einmal auszutauschen, zu verabschieden und alles Gute zu wünschen. Am 20. Juni findet beim Saison-Kick-off eine kleine Verabschiedung statt.
Was werden Sie am meisten vermissen?
Aktuell überwiegt einfach die Vorfreude. Ich bin froh und glücklich, dass ich ein neues Kapitel aufschlage – sonst hätte ich mich nicht frühzeitig entschieden, meine Trainertätigkeit und meinen Job bei Schott aufzugeben. Ich durfte knapp drei Jahre Aktiventrainer sein, mit drei Titeln. Darüber, was ich vermissen werde, habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht.

Trotz Abschied: Horozovic bleibt Schott Mainz erhalten

Welcher Moment wird für immer bleiben?
Ein ziemlich prägender Moment war, als ich gerade aus Maribor zurückkam, wo Sean Youth League gespielt hat. Als ich wieder zum U19-Training kam, stand Till Pleuger auf dem Platz und hat gesagt: „Samu, du musst jetzt mitkommen.“ Sascha Meeth und Marco Senftleben sitzen auch da, wir müssen etwas besprechen. Gefragt zu werden, ob ich darauf Lust habe und mir zutraue, die Aktivenmannschaft zu übernehmen, war ein schöner Moment. Ich musste nicht eine Sekunde zögern. Darauf hat man jahrelang hingearbeitet. Dass es so schnell kam, kam unerwartet.
Was hätten Sie gern anders gemacht?
Damit, welche Mannschaften ich trainiert habe, bin ich sehr zufrieden. Es geht um viele Kleinigkeiten. Die Selbstreflexion wird in den kommenden Monaten stattfinden. Ich will alles in Ruhe Revue passieren lassen und mich mit einigen Leuten austauschen. Bis auf den Abstieg aus der Regionalliga ist es gut gelaufen, aber da drin zu bleiben, ist mit dem Etat auch schwer.
Bleiben Sie Mitglied beim TSV?
Ja. Ich werde auch weiterhin Online-Schulungen geben, wenn es mit der Zeitzone hinhaut, weil mir die Jugend nach wie vor sehr wichtig ist. Hier möchte ich weiter unterstützen, indem ich den Trainern die Impulse, die ich sammele, weitergebe. Sie haben die Möglichkeit, ihr Training aufzuzeichnen. Ich gucke es mir an und wir besprechen es nach. Wenn es zeitlich reinpasst, schaue ich auch vorbei.

Horozovic will Fußballehrer werden

Sie planen eine Reihe Praktika und Hospitanzen. Wo geht es hin?
Das ist noch nicht ganz spruchreif. Es geht nach Italien, in die Serie A, und wohl nach Kroatien. Dann stehen vier Wochen in Japan an, wo ich wahrscheinlich zwei Vereine besuche. Die Zeiträume zu organisieren, ist nicht ganz so einfach, es sind ja alles Profivereine. Südamerika, die USA und eventuell Kanada sind in Planung, nach Portugal gibt es einen Kontakt. Es interessiert mich auch, in andere Sportarten reinzuschauen. Die NHL könnte eine Möglichkeit sein.
Welche beruflichen Ziele haben Sie – und welchen Plan B?
Ein Ziel ist, in den nächsten drei, vier Jahren den Fußballlehrer zu machen. Bis dahin: weiterentwickeln, gern auch im Ausland. Ich könnte mir eine Tätigkeit als Trainer im Jugendbereich – U17, U19 oder U23 – vorstellen, im Profibereich als Co-Trainer in erster, zweiter, dritter Liga oder auch als Koordinator im Aufbau- und Leistungsbereich, wo es um Entwicklung geht. Ich denke, ich bin im besten Alter und habe schon meine Erfahrungen sammeln können.
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Das Interview führte Torben Schröder.