2026-02-20T12:29:42.904Z

Allgemeines

Rückzug: Der schmerzhafte Neustart vom SV Schwarz-Weiß Fahrland

Nach nur einer Hinrunde zieht der SV Schwarz-Weiß Fahrland sein Männerteam aus der 2. Kreisklasse C Havelland zurück. Der 1. Vorstandsvorsitzende Kenny Urbanek spricht über personelle Nöte, Football-Konkurrenz und die Hoffnung auf einen Neuanfang.

von red · 14.02.2026, 09:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Andy Aulenbach

Es sollte ein Aufbruch sein, ein historisches Kapitel für den Fußball in Fahrland. Erstmals wagte der SV Schwarz-Weiß den Schritt vom reinen Freizeitkick in den offiziellen Ligabetrieb – getragen von der Vision, dem Ort seine sportliche Identität zurückzugeben. Doch die Realität der 2. Kreisklasse C Havelland erwies sich als unerbittlich. Zwischen einer chronisch dünnen Personaldecke, organisatorischen Reibungsverlusten und der improvisierten Trainingsarbeit in der Sporthalle blieb dem Vorstand zur Winterpause nur der schmerzhafte Gang zum Verband: die Abmeldung. Doch wer den 1. Vorstandsvorsitzenden Kenny Urbanek im FuPa-Interview hört, spürt, dass hinter der sportlichen Kapitulation ein unbändiger Wille zum nachhaltigen Neuaufbau steckt.

FuPa: Bevor das Team in dieser Saison in der 2. Kreisklasse C Havelland an den Start ging – wie viele Jahre gab es in Fahrland eigentlich keine aktive Männer-Fußballmannschaft mehr?

Kenny Urbanek: In Fahrland gab es zuvor keine aktive Männermannschaft im regulären Ligaspielbetrieb. Es existierten über Jahre hinweg lediglich Freizeitmannschaften, bei denen sich Spieler zu gemeinsamen Trainingseinheiten getroffen und untereinander gespielt haben. Der SV Schwarz-Weiß Fahrland war der erste Verein, der in Fahrland eine Herrenmannschaft zunächst im Freizeitbereich und später im offiziellen Ligabetrieb der Kreisklasse gestellt hat.

FuPa: Mit welchen Erwartungen und Zielen sind Sie im Sommer in das Abenteuer „Neugründung“ gestartet?

Kenny Urbanek: Unser Ziel war es, den Erwachsenenfußball im Ort wiederzubeleben und perspektivisch eine stabile Mannschaft zu etablieren, die sowohl sportlich als auch menschlich zusammenpasst. Dabei stand weniger der kurzfristige sportliche Erfolg im Vordergrund, sondern vielmehr der Aufbau einer funktionierenden Mannschaftsstruktur und eines nachhaltigen Fundaments für die Zukunft.

FuPa: Was war letztlich der ausschlaggebende Punkt für die Entscheidung, die Mannschaft mitten in der Saison in der Winterpause zurückzuziehen?

Kenny Urbanek: Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Ausschlaggebend war letztlich eine Gesamtsituation aus personeller Instabilität sowie internen organisatorischen Herausforderungen innerhalb des Trainer- und Mannschaftsgefüges. In der Gesamtabwägung sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass ein geordneter und verlässlicher Spielbetrieb langfristig nicht ausreichend gewährleistet werden konnte. Daher haben wir uns im Sinne der sportlichen Fairness und der nachhaltigen Vereinsentwicklung für diesen Schritt entschieden.

FuPa: War es primär ein Mangel an Spielern, die zur Verfügung standen, oder fehlte es am Ende an der nötigen Konstanz und Disziplin innerhalb des Kaders?

Kenny Urbanek: Es war eine Kombination aus mehreren Faktoren. Einerseits war die personelle Situation häufig angespannt, andererseits stellte sich auch die notwendige Verlässlichkeit und Kontinuität innerhalb des Kaders als Herausforderung dar. Für einen stabilen Spielbetrieb braucht es langfristig beides.

FuPa: Inwiefern haben die Ergebnisse der Hinrunde die Moral der Truppe beeinflusst? War der Leistungsunterschied zur Konkurrenz größer als erwartet?

Kenny Urbanek: Die sportlichen Ergebnisse haben die Situation zusätzlich erschwert. Der Leistungsunterschied zur Konkurrenz war teilweise größer als erhofft, was sich auf die Motivation ausgewirkt hat. Dennoch hat die Mannschaft trotz schwieriger Umstände Einsatz und Zusammenhalt gezeigt.

FuPa: Hatte die Mannschaft innerhalb des Vereins und im Ort genug Rückhalt (zum Beispiel ehrenamtliche Helfer, Betreuer), oder lag die Last auf zu wenigen Schultern?

Kenny Urbanek: Grundsätzlich gab es Unterstützung innerhalb des Vereins. Allerdings lag ein Großteil der organisatorischen und strukturellen Arbeit auf wenigen Schultern, was langfristig schwer aufrechtzuerhalten ist – insbesondere in einer Aufbauphase.

FuPa: Gab es während der Hinrunde Probleme mit dem Trainingsbetrieb oder der Platzanlage, die den Spielbetrieb erschwert haben?

Kenny Urbanek: Die infrastrukturellen Rahmenbedingungen waren grundsätzlich gegeben. Allerdings musste in der Vorbereitung berücksichtigt werden, dass die Potsdamer Royals zeitweise mit ihrer American-Football-Mannschaft auf unsere Platzanlage ausweichen mussten. Dadurch kam es zu Einschränkungen bei Trainingszeiten sowie zu einer verkürzten Vorbereitung. Zusätzlich sind Platzsperren bei einem Naturrasenplatz witterungsbedingt nicht ungewöhnlich. Umso dankbarer sind wir, dass wir auf Trainingsmöglichkeiten in der Sporthalle ausweichen konnten. Dennoch unterscheiden sich Hallentraining und Spiele auf Rasen oder Kunstrasen deutlich, was die sportliche Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich erschwert hat.

FuPa: Was passiert nun mit den verbliebenen Spielern? Bleiben sie dem Verein in anderer Funktion erhalten oder wechseln sie zu anderen Vereinen?

Kenny Urbanek: Wir befinden uns aktuell in einem Neuaufbau. Gemeinsam mit unserem Fußballbereichsleiter arbeiten wir daran, zur kommenden Saison wieder eine Männermannschaft zu stellen. Langfristig ist es unser klares Ziel, in Fahrland dauerhaft eine Herrenmannschaft im Ligabetrieb zu etablieren. Dabei legen wir künftig verstärkt Wert auf einen größeren und stabileren Spielerkader. Einige Spieler bleiben dem Verein erhalten, während andere sich sportlich neu orientieren.

FuPa: Ist das Thema „Männer-Fußball“ in Fahrland damit langfristig vom Tisch, oder sehen Sie eine Chance für einen Neustart in ein oder zwei Jahren – vielleicht mit Spielern aus der eigenen Jugend?

Kenny Urbanek: Langfristig ist das Thema Männerfußball keinesfalls abgeschlossen. Unser Ziel bleibt es, perspektivisch wieder eine stabile Mannschaft aufzubauen

FuPa: Wird der Fokus des SV Schwarz-Weiß nun verstärkt auf den Nachwuchs gelegt, um später ein Fundament aus „echten Fahrländern“ für den Herrenbereich zu haben?

Kenny Urbanek: Wir möchten ein Verein sein, in dem sich Kinder und Jugendliche sportlich sowie persönlich entwickeln können. Anders als in leistungsorientierten Auslesestrukturen steht bei uns die langfristige Förderung aller Kinder im Mittelpunkt. Jeder ist willkommen und erhält die Zeit, sich individuell zu entwickeln. Wenn sich daraus perspektivisch Spieler für unsere Herrenmannschaften entwickeln, freut uns das natürlich besonders – wir wissen jedoch, dass dieser Prozess Zeit benötigt, da unsere Jugend sich ebenfalls im Aufbau befindet.