
Philipp Rolfes wird aktuell auf dem TAGEBLATT-Fußballportal FuPa noch als Torwart der VfL-Güldenstern-Landesliga-Mannschaft geführt. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Es geht sportlich nicht mehr viel beim noch 24-Jährigen. Viele Verletzungen sorgten dafür, dass er seine aktive Laufbahn beenden musste und sich jetzt um andere, viele Dinge rund um das Team herum kümmern darf. Das macht ihm sichtlich Spaß.
Schon früh in der E-Jugend wechselte Philipp Rolfes von der SG Lühe zum damaligen VfL Stade, bis er über den JFV Stade zum VfL Güldenstern Stade überging. Höhepunkte in der Jugend waren der Bezirkspokalsieg gegen den VfL Suderburg, bei dem er im Elfmeterschießen zweimal parierte, und die darauffolgende Landesligasaison mit den A-Junioren. Bei den Herren folgten dann Einsätze von der Landesliga bis in die 1. Kreisklasse. Die meiste Zeit spielte er in der zweiten Mannschaft, die in der Kreisliga zu Hause ist. „Das Halbfinale des Kreispokals 2021/2022 gegen Ahlerstedt/Ottendorf II, das wir 3:2 gewannen, und die Bezirksligameisterschaft mit der ersten Mannschaft waren schon klasse, obwohl ich beim Titelgewinn nur passiv dabei war“, schwärmt Rolfes.

Auch negative Erfahrungen
Mit der zweiten Stader Mannschaft gab es auch schlechte Zeiten. An erster Stelle die Kreispokalniederlage beim Finale in Hammah gegen den TSV Eintracht Immenbeck II nach Elfmeterschießen.
„Wir waren als Kreisligist der Favorit. Und ein Jahr später verlieren wir das nächste Finale gegen Deinste. Platz neun in einer Corona-Spielzeit war auch nicht gerade ein Highlight“, so der 24-jährige Ex-Keeper. Ständige Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück.
Das Ende der aktiven Zeit
Nach einem schweren Zusammenprall beim Training verletzte er sich beide Schultern. Hinzu kamen ständige Leistenprobleme, eine Schambeinentzündung wurde diagnostiziert. „Ich hatte andauernd Schmerzen, nahm immer wieder Schmerzmittel, sodass ich irgendwann zu einem Facharzt nach Hamburg bin; und der stellte fest, dass ich eine Knochenfehlstellung habe. Seitdem war es das mit dem Fußballspielen“, blickt Rolfes etwas wehmütig zurück.
Er packt jetzt richtig an
„Jetzt kann ich mich auf mein duales Mechatronik-Studium in Buxtehude konzentrieren“, sagt Philipp. Er bleibt trotz seiner Verletzungen eng mit dem VfL Güldenstern Stade verbunden, absolvierte hier auch schon ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), kümmert sich viel um die Nachwuchskicker. Man kann ihn als „Mädchen für alles“ bezeichnen. Betreuer und Teil des Torwarttrainerteams der ersten Mannschaft, dazu Training mit den U15-C-Junioren. „Wenn ich gefragt werde, kann ich nicht Nein sagen.“ Genau aus diesem Grund kamen immer mehr Aufgaben hinzu. Er führt alle möglichen Statistiken, sei es über das Training oder die Spiele. Ihm entgeht nichts.

Fast jeden Tag auf dem Sportplatz
Rund um die Mannschaft fallen immer irgendwelche Arbeiten an. „Egal, was gerade schiefläuft oder wo irgendwo Hilfe benötigt wird, Rollo ist immer der Erste, der da ist und das Vereinsleben lebt wie kaum ein anderer. Auf solche Leute kann man nicht verzichten“, sagt Matthias „Matze“ Quadt, Trainer der ersten Herrenmannschaft des VfL Güldenstern Stade. Immer im Januar beim großen Stader Hallenzauber müssen Banden aufgebaut werden, Banner an den Wänden befestigt und der Kunstrasen verlegt werden. Und wer ist immer dabei, um zu helfen? Philipp Rolfes.
Genau da setzt der 24-Jährige auch mit einer leisen Kritik an: „Viele in unserem tollen Verein sehen nicht das große Ganze, denken oft leider nur an sich. Aber mit mehr Zusammenarbeit und Zusammenhalt könnten wir viel erfolgreicher sein. Alle müssen deutlich mehr zusammenrücken, nicht nur auf dem Platz, sondern auch drum herum.“
Mannschaft steht vor erneutem Abstieg
Seinem Herzensverein, dem VfL Güldenstern Stade, droht nach nur einem Jahr in der Landesliga schon wieder der Abstieg in die Bezirksliga. Aber auch dann wird er, der im Mai sein erst 25. Lebensjahr vollendet, sich nicht davon abbringen lassen, im Verein mit anzupacken. Darauf können sich alle um ihn herum verlassen.
Vielleicht finden sich schnell noch mehr seinesgleichen, damit alle zusammen den Stader Fußball endlich dahin bringen, wo er eigentlich hingehört – in die Spitze der Landesliga, fernab einer Fahrstuhlmannschaft in die andere Richtung.