
Eine Woche vor der Mitgliederversammlung fliegen beim TSV 1860 die Fetzen. Präsident Robert Reisinger wehrt sich gegen die Vorwürfe von Hasan Ismaik.
München – Ein Streitgespräch wie ein Duell im Boxring – so stellte sich Hasan Ismaik die überfällige Aussprache mit Robert Reisinger vor. Der Löwen-Präsident regte das Gipfeltreffen gegenüber der tz an, der Investor sagte seine Teilnahme zu, als er vorigen Dienstag zum Interview im Münchner Pressehaus erschien. „Ich verspreche auch, dass ich nett zu ihm sein werde“, sagte Ismaik versöhnlich, ohne zu verschweigen, wer wohl als „Sieger“ aus diesem Duell hervorgehen würde: er selbst natürlich. Er glaube allerdings, „dass Herr Reisinger zu schwach ist“, stichelte der schwerreiche Jordanier.
Womöglich hätte das erste persönliche Gespräch zwischen Reisinger und Ismaik tatsächlich dazu beitragen können, manche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, die das Verhältnis zwischen der e.V.-Seite um Reisinger und die Investorenseite um Ismaik seit vielen Jahren belasten. Allein, und das ist nicht untypisch für den Dauerstreit bei 1860, der den ganzen Verein seit Jahren lähmt: Die Giftpfeile, die hin- und herfliegen, sind manchmal schneller als jeder gut gemeinte Friedensvorsatz. Noch ehe das Interview mit der tz und dem Münchner Merkur erschien, hatte Ismaik per Facebook seine Bereitschaft zum Gipfeltreffen zurückgezogen.
Eine Stellungnahme des Präsidiums zum BR-Auftritt des Investors hatte für eine neue Eskalation gesorgt. Unter anderem geht es im neu entflammten Streit um die Frage, wer wen wann eingeladen hat, am Ende aber doch nicht treffen wollte. Ismaik hatte im Interview unter anderem gesagt: „Ich habe immer versucht, dass wir zusammenarbeiten. Zuletzt, im Januar 2024, als wir ihm angeboten haben, dass er seinen Vietnam-Urlaub mit einem Zwischenstopp in Abu Dhabi kurz unterbricht, um zu reden.“ Das sei sogar belegbar, sagte Ismaik.
Ist Reisinger also ein notorischer „Lügner“ (Ismaik), der die ausgestreckte Hand des Investors ausgeschlagen hat? Diese Sichtweise sei „nur ein Teil der Wahrheit“, echauffiert sich der Präsident nach Lektüre des Interviews. Und tatsächlich: Aus einer E-Mail, die dem Münchner Merkur und der tz vorliegt, geht hervor, dass Ismaiks Einladung nach Abu Dhabi offenbar in einer Sitzung des Aufsichtsrats am 13. November 2023 ausgesprochen wurde – und Reisinger sie am 9. Dezember mit der Begründung ausschlug, der Geburtstag seines Sohnes würde ihn daran hindern, im Januar über Vietnam nach Abu Dhabi zu reisen.
„Hier wird mit Halbwahrheiten gearbeitet, nur um mich in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.“
Robert Reisinger
„Fakt ist, dass ich mich selbst eingeladen habe, dann aber zurückgezogen und einen neuen Termin angeboten habe“. In besagter E-Mail heißt es wörtlich: „Gerne können wir aber die entstandenen Fehldeutungen und Fehlinterpretationen bei Ihrem nächsten Besuch persönlich besprechen und aus der Welt räumen. Auch stehe ich im Februar/März gerne für einen Besuch in Abu Dhabi zur Verfügung.“ Reisingers Sichtweise auf den Streit: „Hier wird mit Halbwahrheiten gearbeitet, nur um mich in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.“
Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist vermutlich noch nicht gesprochen. Endgültig ist dieser Disput wohl nur in einem direkten Gespräch auszuräumen. Eine Einladung wird daher nicht zurückgezogen – die Einladung von Münchner Merkur und tz zum Friedensgipfel noch vor der Mitgliederversammlung am Sonntag. (Uli Kellner)