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Riesselmann erlöst den VfL spät

Osnabrück holt im Ostseestadion ein Remis und bleibt im neuen Jahr ungeschlagen

von red · 16.02.2026, 11:04 Uhr · 0 Leser
– Foto: Markus Verwimp

Der Moment, auf den Bernd Riesselmann monatelang hingearbeitet hatte, kam spät – aber er kam mit Wucht. Wenige Minuten vor Schluss schob der 20-Jährige im Ostseestadion den Ball durch die Beine von Rostocks Torwart Benjamin Uphoff zum Ausgleich. Es war nicht nur das Tor zum 2:2-Endstand im Spitzenspiel beim F.C. Hansa Rostock, sondern auch Riesselmanns erster Treffer in der 3. Liga. Und es passte zu einem Nachmittag, an dem der VfL Osnabrück trotz zweier Gegentore erneut zeigte, warum er in diesem Jahr noch ungeschlagen ist.

„Robin setzt sich mit einer Körpertäuschung gut durch und legt den Ball zurück. Ich kann den Ball dann einfach aus fünf Metern aufs Tor bringen und schieße ihn ihm dann durch die Hosenträger“, schilderte Riesselmann im Interview bei VfL-TV seinen Premierentreffer – mit einem Satz, der mehr Erleichterung als Pathos transportierte.

Dabei war der Weg zu diesem Moment lang. Im August 2025, nach einem Testspiel gegen Werder Bremen, hatte Riesselmann noch gescherzt: „Das versuche ich mir dann für die Liga aufzuheben.“ Damals traf er zwar ebenfalls, vergab aber frei vor dem Torwart die Chance auf einen zweiten Treffer. Gegen Rostock stand er nun in nahezu identischer Distanz – und entschied sich diesmal für die pragmatische Lösung: flach, durch die Beine, rein.

Schultz über Riesselmann: „Freut mich sehr“

Dass Riesselmann am Ende im Mittelpunkt stand, war folgerichtig – und wurde intern genauso empfunden. Timo Schultz lobte den Angreifer nach der Partie ausdrücklich und verwies auf dessen Entwicklung seit dem Sommer.

„Dass Bernd sich heute mal belohnen konnte für den Weg, den er jetzt im letzten halben Jahr gegangen ist, als er neu dazugekommen ist, unter nicht ganz leichten Umständen, freut mich sehr“, sagte Schultz auf der Pressekonferenz. Und er wurde noch deutlicher: „Er hat im halben Jahr wirklich alles aufgesaugt, ist in jedem Training voll da, hört zu und will umsetzen. Der Junge hat Skills, muss aber auch noch lernen. Das weiß er aber auch, das ist das Schöne an ihm.“

Auch die Mannschaft nahm den Treffer sichtbar als gemeinsames Erfolgserlebnis an. Robin Meißner, Vorlagengeber zum späten Ausgleich, sprach bei MagentaSport stellvertretend für das Team: „Die ganze Mannschaft freut sich für den Jungen. Der ackert im Training und in den Spielen. Von daher freuen wir uns heute alle besonders für Bernd, dass es heute geklappt hat mit dem ersten Drittligator. Ich glaube, man sieht auch, wie er sich freut.“

Meißner bleibt der Fixpunkt

Dass der VfL in Rostock überhaupt bis zum Schluss im Spiel blieb, hatte viel mit einem Spieler zu tun, der im neuen Jahr nahezu jeden Angriff prägt. Robin Meißner erzielte gegen seinen Ex-Verein erneut ein Tor und bereitete Riesselmanns Ausgleich vor. Der 26-Jährige war damit an sechs der neun Osnabrücker Rückrundentreffer direkt beteiligt.

Gegen Rostock kamen vier der zehn VfL-Torschüsse allein von Meißner. In der Saisonbilanz steht er nun bei acht Toren und sechs Vorlagen, erzielte zudem in seinem 120. Drittligaspiel sein 30. Tor in dieser Spielklasse.

„Als Stürmer ist es wichtig, Selbstvertrauen zu haben – und das habe ich jetzt gerade“, sagte Meißner. Und ordnete die persönliche Form sofort ein: „Aber in erster Linie ist es wichtig, der Mannschaft damit zu helfen.“

Kehls neunte Vorlage, Müllers Ballgewinn

Die Szene vor Meißners Treffer spiegelte dabei exemplarisch wider, wie der VfL in dieser Rückrunde offensiv zu Lösungen kommt. Nach einem wichtigen Ballgewinn von Kapitän Jannik Müller im Mittelfeld schaltete Osnabrück schnell um. Lars Kehl legte gedankenschnell auf Meißner ab und sammelte damit seine neunte Saisonvorlage – zum dritten Mal bereitete er in dieser Spielzeit einen Treffer für den Mittelstürmer vor.

Überhaupt wirkt Osnabrück seit der Winterpause deutlich entschlossener im letzten Drittel. In der Hinrunde blieb der VfL noch in sechs Partien ohne eigenen Treffer. In der Rückrunde traf die Mannschaft von Schultz nun in allen fünf Spielen mindestens einmal.

Fabinski stabilisiert, Pröger mit Rückkehr nach Rostock

Defensiv war es aus VfL-Sicht allerdings ein Spiel mit einem kleinen Makel: Erstmals im neuen Jahr kassierten die Lila-Weißen zwei Gegentore. Eine Stabilisierung brachte nach der Pause Robin Fabinski, der nach überstandener Krankheit zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Er überzeugte mit einer Passquote von 93,1 Prozent – und brachte Ruhe in eine Phase, in der Rostock zuvor immer wieder Druck aufgebaut hatte.

Von Beginn an stand dagegen Kai Pröger auf dem Platz. Der 33-Jährige, von 2022 bis 2024 in Rostock aktiv, lieferte eine kampfbetonte Vorstellung und brachte 90 Prozent seiner Zuspiele an den Mann. Es war zugleich sein erster Startelfeinsatz seit dem Auswärtsspiel bei Rot-Weiss Essen im September 2025.

Im Zentrum bestätigte Kevin Wiethaup seine zuletzt aufsteigende Form. Zum dritten Mal in Folge stand er in der Startelf – und war mit 78 Ballaktionen der auffälligste Osnabrücker in dieser Statistik. Der 20-Jährige war Dreh- und Angelpunkt im Spielaufbau und strahlte dabei sichtbar mehr Selbstvertrauen aus als noch in den Wochen vor der Winterpause.

„Mit dem Punkt nicht ganz so zufrieden“

Trotz des späten Ausgleichs blieb nach Abpfiff ein Gefühl, das in der Spitzengruppe typisch ist: Der Punkt ist nicht schlecht, aber er fühlt sich nicht gut an. Meißner brachte diese Ambivalenz auf den Punkt.

„Es zeigt auch die Mentalität der Mannschaft, dass wir am Ende hier stehen und mit dem Punkt nicht ganz so zufrieden sind“, sagte er. Und ergänzte: „Aber ich glaube, wir haben ein gutes Spiel gemacht. Hier zu bestehen, ist nicht einfach.“

Viel Zeit, um sich mit dem Remis zu beschäftigen, bleibt ohnehin nicht. Schon am kommenden Wochenende wartet an der Bremer Brücke der nächste Härtetest. Mit Rot-Weiss Essen kommt ein direkter Konkurrent, punktgleich und nur einen Tabellenplatz hinter dem VfL. Osnabrück will die Serie fortsetzen – und dieses Mal wieder drei Punkte einfahren.