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Riesenärger in Halle: Schiri erstattet Anzeige, Verband ist erzürnt

Stadtoberliga Halle +++ Wieder steht der Verein Kine em im Mittelpunkt

von Kevin Gehring · 03.09.2025, 10:00 Uhr · 0 Leser

Die neue Saison 2025/26 in der Stadtoberliga Halle ist gerade erst zwei Spieltage alt, da wird der sportliche Betrieb schon wieder negativ überschattet. Nach einer Verunglimpfung in den sozialen Medien hat ein Schiedsrichter Anzeige erstattet. Der Stadtfachverband reagiert erzürnt und fordert Konsequenzen für den Verein.

Im Mittelpunkt steht die Stadtoberliga-Partie zwischen Kine em und der SG Motor Halle, die die Gäste am Wochenende mit 2:1 gewonnen hatten. Auf den Social-Media-Kanälen äußerten sich die Gastgeber in der Folge mit starker Kritik am Schiedsrichter. Dieser hätte die Spieler von Kine em provoziert und zugunsten der SG Motor gepfiffen, so der schwerwiegende Vorwurf. „Wenn wir beim Sportverband protestieren, verschlimmert sich die Situation. Wenn wir schweigen, machen sie dasselbe, wie im heutigen Spiel“, hieß es im Statement von Kine em.

Stadtverband kritisiert „Täter-Opfer-Umkehr-Strategie“

Der Stadtfachverband (SFV) Halle reagierte erzürnt. Zumal es nicht nur bei der Kritik im harschen Ton blieb. Zusätzlich sei in den „sozialen Medien des Vereins eine doppeldeutige Karikatur in Anlehnung an die Black-Lives-Matter-Bewegung“ aufgetaucht, schreibt der Verband und weiter: „Der betroffene dunkelhäutige Schiedsrichter interpretierte das als Gewaltaufruf gegen ihn selbst und erstattete Anzeige.“ Die unsachlichen Aussagen bezüglich der Schiedsrichter-Leistung würden ins bekannte Muster einer „Täter-Opfer-Umkehr-Strategie des Vereins“ passen, kritisiert der Verband.

SFV-Präsident Thomas Paris bezieht klar Stellung: „Dieses Verhalten ist beleidigend und ehrverletzend. Es gefährdet das Ansehen und die Autorität von Schiedsrichtern des Verbands“, kritisiert er. „Egal, was nun eigentlich genau mit dieser Abbildung gesagt werden sollte – dieses Gebaren überschreitet den Rahmen satirischer Kritik und ist im höchsten Maße unsportlich“, so Paris weiter. Neutrale Spielbeobachter hätten dem SFV zudem von einer „guten Schiedsrichterleistung mit einer gerechtfertigten Verteilung der persönlichen Strafen“ berichtet, schreibt der Verband.

Schiedsrichter melden Kine em Halle als „Sperrverein“

Infolgedessen hätten sich mehrere Referees solidarisiert. „Mehrere Schiedsrichter haben nun in Solidarität mit ihrem Kollegen erklärt, Kine em individuell als sogenannten „Sperrverein“ eintragen zu lassen. Anders gesagt: Sie stehen für Ansetzungen von Partien mit Kine em nicht mehr zur Verfügung“, informiert der Verband. „Natürlich sind wir als Verband in der Pflicht, die Spiele zu besetzen. Aber ich kann es unseren Schiedsrichtern nicht verübeln, wenn sie dort nicht mehr pfeifen möchten. Ich zwinge sie da nicht hin“, erklärt Paris.

Die Partien der ersten und zweiten Herren-Mannschaft, die für das Wochenende vorgesehen waren, wurden abgesetzt. Der Verband hoffe nun auf wirkungsvolle Konsequenzen. „Ich will so schnell wie möglich eine Lösung für dieses Problem haben. Ich bin nicht mehr gewillt, immer wieder über das Thema zu diskutieren“, wird Paris deutlich.

„Verbandsschädigendes Verhalten“ kann bis zum Ausschluss führen

Schon in der Vergangenheit hatte der Verein Kine em häufiger in der Kritik gestanden - unter anderem wegen eines tätlichen Angriffes auf einen Schiedsrichter, bei dem Spieler und Zuschauer des Clubs beteiligt waren. Die Männerteams des Vereins wurden daraufhin zwischenzeitlich aus dem Spielbetrieb ausgeschlossen, der Club hatte eine Aufarbeitung angekündigt, der Verband übernahm die Rolle als Vermittler.

Aufgrund des neuerlichen Fehltritts sei man nun zu härteren Schritten bereit. Der Stadtverband stehe diesbezüglich in Krisengesprächen mit dem Landessportbund und dem Fußballverband Sachsen-Anhalt. „In der Vergangenheit hatte der SFV Halle wiederholt betont, fortgesetzt verbandsschädliches Verhalten des Vereins nicht länger zu tolerieren und seine langmütige Rückendeckung aufzugeben“, schrieb der Verband: „Satzungsgemäß rechtfertigt verbandsschädigendes Verhalten Konsequenzen bis hin zum Ausschluss von Vereinen.“

Trainer und Abteilungsleiter schießt gegen den Verband zurück

Frank Ohse, Trainer und Abteilungsleiter von Kine em, reagierte unter dem Facebook-Beitrag des Stadtfachverbandes pikiert. Im Statement des Verbandes lese man „verunglimpfende Aussagen“. Die Spieler und Trainer seien „entsetzt, dass der Verband wieder einmal undifferenziert und einseitig die gerechtfertigte Kritik am Spielleiter und seinen Assistenten auf der Zuschauerseite durch Falschdarstellung und in widerwärtige Weise zu unterdrücken versucht“, schreibt er.

Auch zur Karikatur äußert sich Ohse. Diese stelle „in keinster Weise“ eine „Denunzierung der Black-Lives-Matter-Bewegung dar“, betont er. „Diese Karikatur bezieht sich darauf, dass einzelne Schiedsrichter ihre Macht auf dem Platz übertrieben nutzen und komischerweise im Kine em Halle e.V. ein wunderbares Opfer dafür gefunden zu haben scheinen“, heißt es weiter.