
Rhenania Richterich überwintert auf Rang sechs. Trainer Nick Capellmann spricht offen über Umbruch, Entwicklung und ambitionierte Perspektiven.
Rhenania Richterich geht als Tabellensechster der Bezirksliga, Staffel 4, in die Winterpause – ein Zwischenstand, den Trainer Nick Capellmann sachlich einordnet und zugleich als Ausgangspunkt für weitere Entwicklung versteht. „Grundsätzlich kann man im zweiten Jahr nach dem Aufstieg mit dem sechsten Tabellenplatz zur Winterpause zufrieden sein. Das ist erst einmal ein solides Zwischenfazit“, sagt Capellmann. Dabei dürfe jedoch nicht vergessen werden, „vor welchen Herausforderungen wir im Sommer standen: zahlreiche Abgänge von Leistungsträgern, viele junge Neuzugänge und ein komplett neu formiertes Trainerteam“. Von Beginn an sei klar gewesen, „dass ein solcher Umbruch Zeit braucht“.
Die Mannschaft befindet sich bis zum 11. Januar in der Winterpause. An diesem Tag startet die Vorbereitung bewusst dosiert. „Wir starten mit einer bewusst lockeren Einheit in die Vorbereitung – es geht darum, wieder ein Gefühl für Ball, Platz und Mitspieler zu bekommen, bevor wir die Intensität Schritt für Schritt steigern.“ Ein besonderes Highlight habe es allerdings bereits während der Pause gegeben: „Der SparkassenCup. Das ist ein Turnier, das in unserer Region einfach einen besonderen Stellenwert hat – ich glaube, da schlägt bei jedem Fußballer ein kleines bisschen das Herz schneller.“
Trotz des soliden Tabellenplatzes sieht Capellmann deutliches Entwicklungspotenzial. „Gleichzeitig spüre ich sehr deutlich, dass in dieser Mannschaft noch mehr steckt.“ In der Hinrunde habe man zwar immer wieder das vorhandene Potenzial gezeigt, „es aber noch zu selten über 90 Minuten konstant auf den Platz gebracht“. In bestimmten Phasen hätten „Reife, Konsequenz und vielleicht auch ein Stück Abgeklärtheit gefehlt“. Der Trainer ist überzeugt: „Deshalb bin ich überzeugt, dass zwei bis drei Tabellenplätze weiter oben absolut möglich gewesen wären.“
Positiv überrascht zeigte sich Capellmann von der Integration der vielen neuen und jungen Spieler. „Die Integration der neuen und teilweise sehr jungen Spieler hat überraschend schnell funktioniert, vor allem aufgrund des starken Charakters der Mannschaft.“ Die Neuen seien von den erfahrenen Spielern „sofort mitgenommen worden, auf und neben dem Platz“. Auch die sportliche Idee sei früh erkennbar gewesen: „Unsere Spielidee wurde relativ schnell angenommen. Sicherlich nicht in jedem Spiel über die volle Distanz, aber die Grundprinzipien waren früh erkennbar und wurden mutig umgesetzt.“ Darauf lasse sich „sehr gut aufbauen“.
Besonders in Erinnerung geblieben sind dem Trainer zwei Spiele der Hinrunde. „Das 8:1 gegen SG Stolberg wird sicher häufig genannt.“ Noch mehr Eindruck habe jedoch ein anderes Spiel hinterlassen: „Für mich persönlich war aber die Aufholjagd zum 5:5 nach einem 1:5-Rückstand noch beeindruckender.“ In dieser Partie habe die Mannschaft „enorme Moral, Mentalität und Zusammenhalt gezeigt“. Die Spieler hätten dort „als Team eine Größe bewiesen, die mich wirklich beeindruckt hat“.
Zu Schwachstellen äußert sich Capellmann bewusst zurückhaltend. „Über negative Auffälligkeiten spreche ich grundsätzlich nur intern.“ Natürlich gebe es Bereiche, „in denen wir uns noch verbessern können – das ist normal, gerade in einer Entwicklungsphase“. Diese Themen gehörten jedoch „auf den Trainingsplatz und in die Kabine, nicht in die Öffentlichkeit“.
Für die Rückrunde rechnet der Trainer mit steigenden Anforderungen. „Die Rückrunde wird mit Sicherheit noch anspruchsvoller als die Hinrunde.“ Einige Vereine hätten über den Winter offenbar „ihre lange verloren geglaubten Sparbücher wiedergefunden und entsprechend investiert“. Unabhängig davon zeigt sich Capellmann überzeugt vom eigenen Team: „Ich bin überzeugt, dass meine Mannschaft den nötigen Willen, Hunger und Ehrgeiz besitzt, weiter hart zu arbeiten, sich weiterzuentwickeln und an jedem Sonntag alles auf dem Platz zu lassen.“ Das Ziel ist klar formuliert: „Unser klares Ziel ist es, den sechsten Tabellenplatz mindestens zu verteidigen und dann zu schauen, was nach oben möglich ist.“
Personell stehen zur Winterpause mehrere Abgänge fest. Den Verein verlassen Wolfgang Mbonbo (Alemannia Mariadorf), Jason Roder (Arminia Eilendorf), Tim Küppers (DJK FV Haaren) sowie Arthur Elijah Emmanuel Njikam Mouliom, der ein Auslandssemester absolviert. Zudem legen Leo Eisfeld und Niklas Passenheim eine Pause ein. „Neuzugänge sind aktuell nicht geplant“, stellt Capellmann abschließend klar.
