
Mit dem 1:1 gegen den FV Ravensburg hat der 1. FC Normannia Gmünd den Klassenerhalt in der Oberliga Baden-Württemberg gesichert. Für Trainer Zlatko Blaskic, seit Anfang 2020 im Amt, war es zugleich der sportlich saubere Abschluss einer prägenden Zeit. Nach sechseinhalb Jahren trennen sich die Wege – ohne Groll, aber mit klaren Worten. Es ist ein Abschied, der vor allem von Dankbarkeit, Stolz und Erschöpfung erzählt.
Als der Schlusspfiff gegen Ravensburg ertönte, fiel von Blaskic viel ab. Die Normannia hatte zuvor gegen Oberachern und besonders gegen Backnang, wie er gegenüber FuPa sagt, „Matchbälle vergeben“. Ravensburg habe am letzten Spieltag „alles reingeworfen“ und sich „nicht wie andere Teams ohne Gegenwehr präsentiert“. Deshalb sei es am Ende „denkbar knapp“ geworden. Der Ligaerhalt sei „für den Verein wichtig und für mich persönlich das letzte Puzzleteil einer langen Ära“ gewesen.
In der Tabelle steht die Normannia am Ende auf Rang 13, mit 39 Punkten und einem positiven Torverhältnis von 53:51. Angesichts der Ausgangslage bewertet Blaskic die Saison nüchtern, aber zufrieden: „Das Ziel war klar – Klassenerhalt – deswegen müssen alle zufrieden sein.“ Der Weg dorthin war jedoch kein gerader. Nach einer schwachen Vorrunde mit nur 14 Punkten habe die Mannschaft in der Rückrunde jedoch „überzeugt“ und „völlig verdient die Liga gehalten“. Die größte Stärke sieht Blaskic im Zusammenhalt. Die größte Schwäche benennt er ebenso deutlich: „Ganz klar unsere Chancenverwertung.“
Dass der Abschied bereits im April öffentlich wurde, hätte die Saison kippen lassen können. Es folgten „schwierige Tage und viele Diskussionen“. Doch danach gewann die Normannia das wichtige Spiel gegen Türkspor Neckarsulm knapp und bewahrte bis zum letzten Schlusspfiff gegen Ravensburg ihren Teamgeist. Gerade das habe ihm viel bedeutet: „Wenn du als Trainer merkst, dass trotz der Entscheidung des Clubs die Spieler bedingungslos hinter dir stehen, ist der Rest völlig unwichtig und das beste Gefühl überhaupt.“
Besonders hebt Blaskic Alexander Aschauer hervor, der mit 16 Toren und zehn Vorlagen erneut zu den prägenden Figuren gehörte. Mit seinen Scorerwerten sei er „der Garant für den Erfolg“ gewesen, „nicht nur in dieser Saison“. Gemeinsam mit Kapitän Yannick Ellermann habe er dem Team Halt gegeben. Die Mannschaft habe „fantastisch mitgezogen“, obwohl im Laufe der Spielzeit „sehr schwierige Phasen“ zu meistern gewesen seien.
Von der Entscheidung des Vereins, auf der Trainerposition einen Schnitt zu vollziehen, zeigt sich Blaskic rückblickend nicht überrascht. „Der Vorstand teilte mir mit, dass man sich auf der Trainerposition verändern will und den nächsten Schritt gehen möchte“, sagt er. Er sei keiner, „der Erklärungen verlangt, weil ich weiß, wie der Fußball funktioniert“. Zugleich spricht er offen darüber, dass er im persönlichen Umgang zuvor etwas gespürt habe: „Da bin ich nicht auf den Kopf gefallen und konnte eins und eins zusammenzählen.“ Eine große Überraschung sei es deshalb nicht gewesen.
Trotzdem bleibt sein Blick auf die Normannia positiv. „Die Trennung ändert nichts an den 6,5 tollen Jahren, die ich hier hatte“, sagt Blaskic. „Darauf bin ich stolz und dem Club sehr dankbar.“ Zugleich formuliert er, was aus seiner Sicht nötig ist, damit der Verein dauerhaft Oberliga spielen kann. „Die Normannia war verwöhnt in den letzten Jahren – weil ich viele Dinge abgedeckt habe, die für einen Cheftrainer nicht üblich sind.“ Nun müsse sich der Verein „neu erfinden“, eine „neue DNA entwickeln“ und junge Spieler fördern. Vor allem außerhalb des Platzes sieht Blaskic Aufgaben, „um dauerhaft in der Oberliga zu bestehen. Es benötigt mehr Unterstützung der Stadt, mehr Sponsoren und mehr Struktur, da die Normannia ein außergewöhnlicher Stadtverein ist, für den tolle Menschen arbeiten."
Sportlich verweist Blaskic auf die Entwicklung unter seiner Leitung: Platz drei und sechs in zwei wegen Corona abgebrochenen Verbandsliga-Spielzeiten, Platz vier 2021/22, Platz zwei 2022/23, danach der Aufstieg und Rang sieben im ersten Oberliga-Jahr. Es folgten Platz zwölf und nun Platz 13. „Die Ergebnisse und die Art, wie wir gespielt haben, sprechen für sich“, sagt er. Besonders stolz ist er darauf, „gleich vier Spieler zu Topvereinen in der Regionalliga“ entwickelt und dem Verein Ablösesummen ermöglicht zu haben. „Welcher Oberligist kann das von sich behaupten?“, fragt Blaskic. Zugleich bleibt er selbstkritisch: „Der Umgang mit meinen Spielern war immer ehrlich und direkt – aber natürlich habe ich als Trainer auch Fehler gemacht.“ Daraus werde er seine Schlüsse ziehen.
Als erstes großes Highlight nennt Blaskic die Vorrunde der Aufstiegssaison. Damals sei die Normannia „durch die Liga marschiert“ und habe „einen wahnsinnigen Powerfußball auf den Platz bekommen“. Besonders zu Hause sei die Mannschaft „kaum zu bezwingen“ gewesen. Der Höhepunkt: das 2:0 gegen den damaligen Tabellenführer aus Großaspach. Die schwerste Zeit verortet er dagegen zwischen dem 13. und 16. Spieltag der abgelaufenen Vorrunde. „Da hat wenig funktioniert – besonders offensiv haben wir nicht stattgefunden“, sagt Blaskic. Er nimmt sich selbst ausdrücklich in die Verantwortung: „Da waren wir schwach und ich natürlich hauptverantwortlich.“ Ein guter Trainer zeichne sich aber dadurch aus, „Lösungen zu suchen, diese zu finden und aus so einer aussichtslosen Situation rauszukommen“. Was die Mannschaft nach der Heimniederlage gegen Denzlingen gezeigt habe, sei „herausragend“ gewesen.
Wie es für ihn weitergeht, lässt Blaskic bewusst offen. „Die letzten sechs Wochen haben mich mental müde gemacht“, sagt er. Ohne Kapitän Yannick Ellermann und Staff hätte er „die Aufgabe nicht zu Ende bekommen“. Sollte die nächste Aufgabe nicht perfekt zu ihm passen, werde er eine Pause vom Fußballalltag einlegen. Dann wolle er Zeit für Dinge haben, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen seien – „ganz besonders meine Familie und Freunde“.
In den kommenden Wochen will Blaskic vor allem sich selbst reflektieren. „Was lief gut, welche Dinge kann ich optimieren oder verbessern?“, fragt er. „Das sind alles sehr wichtige Punkte für mich persönlich.“ Anfragen gebe es bereits, doch Blaskic macht klar: „Ich bin nicht auf eine bestimmte Liga fixiert, sondern das Gesamtpaket muss passen.“ Er sei „kein Trainer, der sich bei fünf Vereinen gleichzeitig bewirbt oder sich überhaupt irgendwo anträgt“. Am Ende müsse er „von der neuen Aufgabe komplett überzeugt sein“. Und wenn nicht, „geht das Leben trotzdem weiter – und früher oder später öffnet sich wieder eine neue Tür.“