
Für die Reserve der SG Dynamo Dresden ist die Ausgangslage vor dem 29. Spieltag der Sachsenliga von historischer Tragweite. Am Samstagnachmittag (Anstoß 14:00 Uhr) kann der unangefochtene Tabellenführer im heimischen Gehege mit einem Sieg gegen den Reichenbacher FC die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die Oberliga vorzeitig perfekt machen. Die Rollenverteilung vor dieser Begegnung könnte angesichts der statistischen Dominanz der Dresdner kaum eindeutiger sein – und doch reisen die Vogtländer nicht ohne Ambitionen in die Landeshauptstadt.
Die Zahlen der laufenden Spielzeit untermauern die Ausnahmestellung der Dresdner Bundesligareserve. Mit 69 Punkten thront Dynamo an der Spitze, gefolgt von der SG Taucha 99 mit 64 Zählern. Ein Heimsieg würde alle theoretischen Zweifel beseitigen. Auch Reichenbachs Trainer Carlo Kästner zollt dem kommenden Gegner im Vorfeld höchsten Respekt und spart nicht mit Superlativen: „Dresden geht natürlich als klarer Favorit ins Spiel. Sie können morgen den Aufstieg endlich festzurren. Wenn man auf die beste Rückrunden-Mannschaft trifft, den besten Sturm, die beste Abwehr, dann sind die Rollen klar verteilt für das Spiel.“
In der Tat stellt Dresden mit 84 erzielten Treffern und nur 13 Gegentoren in 28 Partien das Nonplusultra der Liga dar. Zuletzt demonstrierte die Mannschaft von Trainer Sebastian König beim knappen 1:0-Auswärtserfolg gegen den SSV Markranstädt, dass sie auch in engen Partien die nötige Geduld und Professionalität aufbringt, um die drei Zähler einzufahren.
Für den Reichenbacher FC, der sich nach dem jüngsten 2:1-Heimerfolg gegen den SV Tanne Thalheim mit 51 Punkten stabil auf dem siebten Tabellenplatz festgesetzt hat, ist die Partie psychologisch dankbar. Der Druck liegt primär auf den Schultern der Gastgeber. Kästner sieht genau darin die Möglichkeit für eine Überraschung im Stile eines klassischen Underdogs. „Nichtsdestotrotz wollen wir aber unsere Außenseiter-Chance nutzen“, gibt sich der RFC-Coach kämpferisch.
Als taktischer Mutmacher dient dabei insbesondere das Hinspiel im Vogtland. Damals unterlag der RFC zwar unglücklich mit 1:2, lieferte dem Favoriten jedoch einen Kampf auf Augenhöhe, der erst durch ein spätes Gegentor in der Nachspielzeit der ersten Hälfte und eine spätere Ampelkarte für Paolo Süß endgültig zugunsten Dynamos entschieden wurde. „Wenn wir die Leistung aus dem Hinspiel wiederholen können, wo wir über weite Strecken Dresden Paroli bieten konnten, dann steht da einem Punktgewinn durchaus nichts im Wege“, analysiert Kästner die Marschroute.
Die personellen Voraussetzungen für dieses Unterfangen sind im Reichenbacher Lager äußerst vielversprechend. Während viele Mannschaften im Juni mit verletzungsbedingten Engpässen zu kämpfen haben, erfreut sich der RFC einer bemerkenswerten Kaderbreite. Einzig der Ausfall von Maurice Lange wiegt schwer, ansonsten stehen Kästner alle Optionen offen: „Personell kann ich bis auf Lange auf den gesamten Kader zurückgreifen.“
Ob es den Vogtlandern gelingt, die große Aufstiegsparty im Dresdner Lager zumindest um eine Woche zu vertagen, wird maßgeblich davon abhängen, ob die Defensive um Torwart Patrick Hettwer der enormen Dresdner Offensivwucht standhalten kann. Sollte Reichenbach die Räume ähnlich eng halten wie im ersten Aufeinandertreffen, wartet auf den designierten Meister ein hartes Stück Arbeit.