2026-04-03T19:57:16.526Z

Allgemeines

Regionalligist TSG Balingen: „16 Punkte sind definitiv zu wenig“

FuPa-Teamcheck: Trainer Murat Isik sieht Fortschritte und glaubt „sehr fest“ an den Ligaverbleib

von red · 09.02.2026, 20:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Pressefoto-Bildredaktion Eibne

Im FuPa-Teamcheck bilanziert Murat Isik die Hinrunde der TSG Balingen in der Regionalliga Südwest: 16. Platz, 16 Punkte, 49 Gegentore und zu viele Fehler. Doch der Trainer spürt in der Vorbereitung neuen Schwung – und setzt auf Haltung und Entwicklung.

Ernüchternde Ausbeute trotz guter Ansätze

Murat Isik nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er auf die erste Saisonhälfte der TSG Balingen blickt. „Natürlich hätten wir uns mehr Punkte gewünscht“, sagt der Trainer. Das Ergebnis nach 20 Spieltagen: 16 Punkte. Seine Einordnung fällt klar aus: „16 Punkte sind definitiv zu wenig.“

Dabei sei die Mannschaft keineswegs in der Regionalliga Südwest chancenlos gewesen. Im Gegenteil: „Wir haben – nicht in allen – aber in sehr vielen Spielen wirklich sehr dominant für einen Aufsteiger gespielt.“ Doch Dominanz und Ballbesitz allein hätten nicht gereicht, um sich zu belohnen. Isik sieht eine Ursache in der fehlenden Reife: „Uns haben in einigen Spielen, in denen wir wirklich sehr gute Leistungen gezeigt haben, oftmals die Erfahrung und Cleverness gefehlt, um auch Punkte zu sammeln.“

Die entscheidenden Räume: vorne zu harmlos, hinten zu weich

Die Statistik offenbart das Kernproblem der Hinrunde: 23 erzielte Tore, aber 49 Gegentreffer. Balingen gehört damit zu den defensiv anfälligeren Teams der Liga. Für Isik ist das jedoch nicht nur eine Frage der Grundordnung, sondern vor allem eine Frage der Konsequenz in den Schlüsselzonen.

„Unsere Themen waren sicherlich die fehlende Durchschlagskraft im gegnerischen Strafraum aber ebenso die fehlende Überzeugung im eigenen Strafraum“, erklärt er. Für den Coach ist das keine Nebensache, sondern das Zentrum jeder Bewertung: „Und das sind im Fußball nun mal die entscheidenden Räume.“

„Unforced error“ und individuelle Patzer als teurer Preis

Seine Forderung ist deutlich: „Wir müssen noch härter verteidigen, als wir glauben zu dürfen.“ Gleichzeitig müsse die Mannschaft lernen, mit Fehlern anders umzugehen – oder sie zumindest deutlich zu reduzieren: „Und die unforced error müssen wir reduzieren.“

Dass Fußball nicht fehlerfrei zu spielen ist, stellt Isik nicht infrage. „Ganz abstellen ist nahezu unmöglich, da Fußball ein fehlerbehaftetes Spiel ist“, sagt er. Doch das Problem sei gewesen, dass es in Balingen zu häufig geklingelt habe – und oft aus eigener Unachtsamkeit: „Fakt ist auch, dass wir uns als Mannschaft zu viele individuelle Patzer erlaubt haben.“

Mutmacher gab es genug – doch Augenhöhe reicht nicht

Trotz der ernüchternden Bilanz sieht Isik zahlreiche Spiele, die Hoffnung geben. Auf die Frage, ob es Phasen gab, die Mut gemacht hätten, antwortet er ohne Zögern: „Absolut.“ Und er wiederholt seine Beobachtung mit Nachdruck: „Nochmal: wir waren in ganz vielen Spielen mehr als auf Augenhöhe.“

Doch die Regionalliga sei gnadenlos. „Aber das reicht in dieser Liga nicht“, sagt Isik. Der Trainer beschreibt damit das Dilemma vieler Aufsteiger: Man kann mithalten – und dennoch verlieren.

Für Balingen bleibt deshalb nur ein Weg: „Wir müssen unsere Qualität in beiden Strafräumen verbessern.“ Und Isik betont: „Da sind wir aktuell mittendrin.“

Vorbereitung als Stimmungswende: fünf Siege und ein Remis

In der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte scheint Balingen genau diese Entwicklung anzustoßen. Isik klingt zufrieden, fast erleichtert: „Wir sind stand heute sehr zufrieden.“ Die Ergebnisse aus den bisherigen Testspielen geben ihm Rückendeckung: „Wir haben bis jetzt 5 Spiele gewonnen und eines remis gespielt.“

Für den Coach ist das nicht nur eine Zahl, sondern ein wichtiges Signal in Richtung Rückrunde: „Das gibt uns allen ein sehr gutes Gefühl.“

Defensivtrend nach oben: „nur 1 Gegentor“ in drei Spielen

Besonders wichtig ist für Isik jedoch, dass sich die Mannschaft zuletzt stabilisiert hat. „In den letzten 3 Spielen haben wir nur 1 Gegentor bekommen“, berichtet er. Für einen Trainer, dessen Team zuvor 49 Gegentore kassiert hatte, ist das eine Botschaft mit Gewicht. Sein Urteil fällt entsprechend aus: „Es geht in die richtige Richtung.“

Isik macht zudem deutlich, dass nicht nur die taktische Arbeit geholfen habe, sondern auch der körperliche Zustand der Mannschaft. Die Winterpause habe sich wie ein Neustart angefühlt: „Die Pause hat der Mannschaft sehr gut getan.“

Ein Sommer ohne Luft – und die spürbare Belastung

Warum war Balingen in der Hinrunde phasenweise anfällig? Isik liefert dafür einen weiteren wichtigen Hintergrund. Die Mannschaft habe im Sommer kaum regenerieren können: „Wir hatten im Sommer nach den Relegationsspielen inklusive Pokalfinale kaum Pause und mussten sofort wieder ran.“

Das habe sich nicht sofort, aber später bemerkbar gemacht. „Das hat man irgendwann gemerkt“, sagt der Coach. Nun sei die Ausgangslage eine völlig andere: „Jetzt haben wir eine ganz andere Vorbereitung und das spüren wir auch.“

Winterreaktion im Kader: Girmann kommt, Eisele verletzt

Im Winter hat Balingen personell reagiert. Isik bestätigt eine Veränderung im Kader: „Wir haben mit David Girmann einen jungen Spieler ausgeliehen und damit auf die Verletzung von unserem Sascha Eisele reagiert.“

Damit ist klar: Balingen musste handeln – und setzt in einer entscheidenden Saisonphase auf frische Impulse durch einen jungen Leihspieler vom Regionalliga-Spitzenreiter SGV Freiberg.

Klarer Auftrag für die Rückrunde: Qualität in den Strafräumen

Was muss sich am dringendsten verbessern? Isik bleibt konsequent bei seiner Analyse. „Wie schon erwähnt müssen wir die Qualität in den Strafräumen verbessern“, sagt er.

Damit ist die Marschroute für die Rückrunde formuliert: Balingen muss vorne entschlossener werden – und hinten kompromissloser.

Mentale Stärke als Fundament: Energie, Intensität, Emotionalität

Wenn es jedoch um den Kopf geht, wirkt Isik fast schon stolz auf seine Mannschaft. „Beim Thema Mentalität mache ich mir bei dieser Mannschaft am wenigstens Sorgen“, erklärt er.

Der Trainer verweist auf eine Entwicklung über die letzten zwei Jahre: „Wir haben uns in den zwei vergangenen Jahren eine Haltung entwickelt, die immer positiv ist.“ Und diese Haltung sei keine Floskel, sondern auf dem Platz sichtbar: „… dass wir immer in der Lage sind, absolute Emotionalität, Energie und Intensität auf den Platz zu bringen.“

Isik betont, dass das nicht nur in Spielen gilt, sondern auch im Alltag: „Im Training sowohl als auch in den Spielen.“

Harte Lektion Regionalliga: Alles geben – und trotzdem nichts bekommen

Doch auch eine starke Haltung schützt nicht vor Enttäuschungen. Isik beschreibt die bittere Realität, die seine Mannschaft lernen musste: „Aber auch wir müssen eben die Erfahrungen machen – selbst wenn du alles gibst, kann es sein, dass du nichts bekommst.“

Gleichzeitig macht er klar, dass es für ihn keine Alternative gibt. Wer in dieser Liga bestehen will, müsse jeden Tag ans Limit gehen: „Aber um überhaupt etwas zu bekommen, müssen wir in der Lage sein immer alles zu geben was wir haben.“

Diese Einstellung, sagt Isik, definiere seine Mannschaft: „Diese Einstellung macht diese Mannschaft aus.“

„Nicht alles ist immer Taktik“ – Aufmerksamkeit als Schlüssel

Ob Balingen taktisch umstellt oder personell umbaut, lässt Isik offen. Er deutet vielmehr an, dass viele Gegentore nicht aus komplexen Systemfehlern entstehen, sondern aus simplen Momenten der Unachtsamkeit. „Wir sind hier mitten im Prozess“, sagt er. Und dann folgt ein Satz, der wie ein Leitmotiv klingt: „Nicht alles ist immer Taktik.“

Isik beschreibt eine Szene, die sinnbildlich für viele Gegentreffer steht: „Wenn ein Ball in den Strafraum reinfliegt, und mein Gegenspieler ungehindert einköpfen kann, dann sprechen wir von mangelnder Aufmerksamkeit.“

Und er geht noch weiter. Wenn solche Szenen sich wiederholen, wird es für ihn grundsätzlicher: „Kommt dies öfter vor, dann ist es mangelnde Qualität.“

Tabellenbild: Balingen auf Rang 16, punktgleich mit Alzenau

In der Regionalliga Südwest steht die TSG Balingen nach 20 Spielen auf Platz 16. Die Bilanz: 4 Siege, 4 Unentschieden, 12 Niederlagen. Das Torverhältnis beträgt 23:49, dazu kommen 16 Punkte.

Punktgleich liegt Bayern Alzenau auf Rang 15 ebenfalls bei 16 Punkten. Hinter der TSG Balingen stehen Bahlinger SC mit 11 Punkten und TSV Schott Mainz mit 10.

Der Glaube bleibt unerschütterlich: „Sehr fest sogar“

Trotz aller Schwierigkeiten wirkt Murat Isik nicht wie ein Trainer, der sich in den Abstiegskampf ergibt. Im Gegenteil. Er formuliert die Zielsetzung ohne jeden Zweifel: „Wir glauben fest daran uns für ein weiteres Jahr für die Regionalliga zu qualifizieren.“

Und als würde ihm das allein noch nicht reichen, schiebt er einen letzten, emotionalen Nachsatz hinterher: „Sehr fest sogar.“