Auf weitestgehend leere Tribünen stellt man sich beim 1. FC Schweinfurt 05 ein
Auf weitestgehend leere Tribünen stellt man sich beim 1. FC Schweinfurt 05 ein – Foto: Frank Scheuring

Regionalliga-Fortsetzung: »Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben«

Die Klub-Vertreter äußern sich ziemlich kritisch, dass in der vierten Liga weitergespielt werden muss

Die bayerischen Amateurvereine wurden aufgrund der besorgniserregenden Corona-Entwicklung und der daraus resultierenden Einschränkungen in die Winterpause geschickt. Einzige Ausnahme ist die Regionalliga Bayern, in der noch bis zum 18. Dezember Spiele terminiert sind. Für Begeisterung sorgte diese Entscheidungen bei den Vereinen jedoch nicht wirklich. Einige Klub-Vertreter äußerten sich sehr kritisch darüber.

Verbandsspielleiter Josef Janker rechtfertigt den Entschluss: "Die Regionalliga Bayern wurde schon im Frühjahr als Profi-Liga eingestuft, als es darum ging, überhaupt einen Teilnehmer für die Drittliga-Aufstiegsspiele zu ermitteln und einen DFB-Pokal-Starter auszuspielen. Was ausdrücklich nicht bedeutet, dass dort ausschließlich Profis spielen. Die Einstufung wurde in der Sitzung der Regionalligavereine im Juni nochmals ohne Einwände bestätigt und ist daher folgerichtig zum aktuellen Zeitpunkt als Grundlage für weitere Entscheidungen herangezogen worden. Was eine etwaige Kurzarbeit angeht, muss dies jeder Verein aufgrund seiner Strukturen und Angestelltenverhältnisse für sich prüfen. Aktuell dürfte sich diese Frage aber nicht stellen, denn es darf nach geltendem Recht gespielt werden.“



Einer der (wenigen) Profiklubs ist der 1. FC 05 Schweinfurt, dessen Klubboss Markus Wolf eine klar Meinung vertritt: "Für uns bringt das keine Vorteile, im Gegenteil. Am Dienstag hatten wir in unserem Nachholspiel gegen Greuther Fürth II 300 Zuschauer, so wenig hatten wir in einem Punktspiel seit 1990 nicht mehr. Unter den aktuellen Auflagen werden auch am Samstag gegen Wacker Burghausen nicht recht viel mehr Fans ins Stadion kommen. Mit so wenigen Zuschauern zahlen wir praktisch drauf, weil wir auch eine Reihe von fixen Kosten haben. Wirtschaftlich gesehen wäre es für uns die beste Lösung, wenn wir unsere Spieler in die Kurzarbeit schicken könnten." Geht es nach Wolf, gehören einige Dinge grundlegend geändert: "Es kann nicht sein, dass wir weder Corona-Zuschüsse noch Fernsehgeld bekommen. Unter diesen Voraussetzungen können wir über Dauer nicht überleben."


"Ethisch ist das momentan eigentlich nicht vertretbar. Die Kliniken laufen über: Im Landkreis Mühldorf haben wir eine Inzidenz von über 1100. Wir haben aktuell sieben Corona-Fälle in der Mannschaft und zwei im Funktionsteam, deshalb liegt bei uns aktuell der ganze Trainings- und Spielbetrieb komplett auf Eis. Ich bin der Meinung, dass man Schluss machen hätte sollen, zumal wir in den letzten Wochen und Monaten ordentlich durchgekommen sind", meint Buchbachs Abteilungsleiter Georg Hanslmaier. Ähnlich sieht es Karl-Heinz Fenk, der Sportliche Leiter des SV Wacker Burghausen: "Wir hätten uns gewünscht, dass der Verband auch für die Regionalliga Bayern die Winterpause verkündet hätte. Die Corona-Situation ist extrem kritisch und die Verhältnismäßigkeit ist nicht mehr gegeben. Terminlich sind wir relativ gut über die Runden gekommen. Daher fehlt mir für die getroffene Entscheidung umso mehr das Verständnis."

Verbandsspielleiter Josef Janker kann die Kritik der Vereine nicht ganz verstehen
Verbandsspielleiter Josef Janker kann die Kritik der Vereine nicht ganz verstehen – Foto: Frank Scheuring



Auch Hans Benz, Sportlicher Leiter des VfB Eichstätt, positioniert sich klar: "Wir haben uns als Profi-Liga einstufen lassen, damit die Vorsaison zu Ende gebracht werden konnte. Ehrlich gesagt war uns als Verein gar nicht bewusst, dass dieser Status auch für diese Spielzeit Bestand hat. Ich finde es nicht richtig, dass wir in der aktuellen Lage Fußball spielen sollen. Moralisch ist das extrem bedenklich."


Josef Janker kann die Unmutsäußerungen der Vereine nicht nachvollziehen: "Wenn jetzt über die Medien andere Töne angeschlagen werden, dann wünsche ich mir ein Stück weit auch selbstkritische Worte. Denn: Im Juni war allen zum zweiten Mal glasklar, was diese Status-Feststellung in der Konsequenz bedeutet, da gab es keine Widersprüche oder Einwände. Im Übrigen hat sich bis zur Stunde auch kein Vereinsvertreter bei mir gemeldet. Ich kenne nur die Aussagen in der medialen Berichterstattung. Da muss dann jeder für sich überprüfen, ob das der richtige Umgang ist.“



Aufrufe: 025.11.2021, 10:12 Uhr
Thomas SeidlAutor

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