Für Sepp Schuderer ist der Corona-Virus eine Naturkatastrophe
Für Sepp Schuderer ist der Corona-Virus eine Naturkatastrophe – Foto: Helmut Weiderer

»Naturkatastrophe« - »Zweiter Re-Start muss Hand und Fuß haben«

Wie sehen die Vereine die aktuelle Lage? Wir haben uns bei einer Reihe von Funktionären der ostbayerischen Top-Klubs umgehört

Ungewissheit - Fragen über Fragen. Wie und wann das runde Leder wieder rollen wird, steht derzeit komplett in den Sternen. Bereits gestern beschäftigen wir uns mit möglichen Szenarien im bayerischen Amateurfußball und holten uns dazu auch ein Statement von Verbandsseite ein. Nun haben wir bei zahlreichen Vereinsvertreten aus ostbayerischen Spitzen-Vereinen nachgefragt und deren Meinung eingeholt.


Markus Clemens (Manager SV Schalding-Heining): "Der Amateursport muss sich, bei aller gesellschaftlichen Bedeutung, aktuell richtig einordnen. Zuerst müssen Kitas und Schulen wieder ordentlich laufen. Bei Handel, Gastronomie und Hotelerie geht es um die persönliche Existenz von tausenden Menschen. Wenn das alles wieder läuft, dann kann man aus meiner Sicht über den Amateursport sprechen. Und dann muss bei Kindern und Jugendlichen begonnen werden, das ist die wichtigste Gruppe unserer Gesellschaft."

Anton Bobenstetter (Sportlicher Leiter TSV Buchbach): "Für unsere Kinder und Jugendliche ist die momentane Situation eine Vollkatastrophe. In der Regionalliga Bayern muss die Saison eigentlich am 8. Mai zu Ende sein. Ich bin ein positiv denkender Mensch, aber diesen Termin halten zu können, wird wohl nur sehr schwer möglich sein. Wenn sich die Politik bei möglichen Lockerungen nur mehr an Inzidenzwerte orientiert, wird das für bestimmte Regionen im Freistaat Bayern fatale Folgen haben, weil viele Landkreise Grenzgebiete sind und dort die Infektionszahlen einfach höher als in anderen Regionen sind. Dem Verband mache ich überhaupt keinen Vorwurf, denn die BFV-Entscheidungsträger möchten ja, dass gespielt werden darf. Was man den Vereinen aber auf jeden Fall zugestehen muss, ist eine angemessene Vorbereitungsphase. Zwei Wochen Kontaktraining und dann gleich wieder um Punkte spielen - das funktioniert nicht."

Sepp Schuderer (Trainer DJK Vilzing): "Der Corona-Virus ist eine Naturkatastrophe. Die ganze Situation ist kaum mehr zu ertragen. Es gibt keinerlei Planbarkeit und sowohl für Verantwortliche, Trainer und Spieler ist das ein Fiasko. Dennoch hoffe und glaube ich, dass wir im März zumindest mit kontaktlosen Gruppentraining beginnen dürfen. Wenn wir dann den gesamten April als normalen Vorbereitungsmonat nutzen könnten, wäre das ausreichend, um im Mai zu starten. Bis Ende Juni haben wir Zeit, die Saison abzuschließen. Das sollte machbar sein."

Hankofens Manager Richard Maierhofer lässt sich von den ganzen Szenarien nicht verrückt machen
Hankofens Manager Richard Maierhofer lässt sich von den ganzen Szenarien nicht verrückt machen – Foto: Dirk Meier


Richard Maierhofer (Teammanager SpVgg Hankofen-Hailing): "Ich beschäftige mich gar nicht mit den ganzen Szenarien. Das bringt sowieso nichts, weil wir Fußballer von den Entscheidungen der Politik abhängig sind. Der BFV hat bestimmt ein paar Pläne in der Schublade. Was wir nach der langen Zeit definitiv brauchen, ist eine ausreichende Vorbereitungszeit. Vier Wochen Mannschaftstraining und ein paar Testspiele sind das absolute Minimum, das man uns zugestehen muss. Fitness- und Laufeinheiten sind gut und recht, aber das fußballspezifische Training ist nochmal ganz etwas anders. Wenn wir Anfang Mai nicht mit den noch ausstehenden Punktespielen beginnen können, wird es kritisch werden, die Saison noch ordnungsgemäß zu Ende zu bringen. Ob dann auch noch unbedingt eine Relegation gespielt werden muss, sei dahingestellt.


Franz Koller (Trainer SV Donaustauf): "Die BFV-Verantwortlichen sind sicherlich nicht zu beneiden, weil derzeit nichts seriös vorherzusagen ist. Wenn die Politik wirklich erst Wettkampfspiele bei einem Inzidenzwert von unter 10 erlauben wird, dann werden wir 2021 vermutlich überhaupt nicht spielen. Ich hoffe dennoch, dass wir die Saison irgendwie zu Ende bringen können - theoretisch haben wir ja dafür bis Ende Juni Zeit. Was ich mir wünsche ist, dass wir eine angemessene Vorbereitungszeit erhalten. Kleingruppentraining ist vielleicht für Kinder und Jugendliche eine gute Sache, aber für eine Herrenmannschaft bringt das nicht wirklich etwas. Nach der langen Pause brauchen wir mindestens vier bis sechs Wochen richtiges Mannschaftstraining, ansonsten wird es viele schwere Verletzungen geben. Dass die NLZ-Mannschaften in unserer Liga - im Gegensatz zur Konkurrenz - bereits trainieren dürfen, ist eine klare Wettbewerbsverzerrung, die ich nicht in Ordnung finde."


Stefan Wagner (Trainer VfB Straubing): "Für mich hat die Saison schon lange nichts mehr mit einem fairen Wettbewerb zu tun. Es gab mittlerweile vier Wechselfenster und wir machen jetzt dann die vierte Vorbereitung. Viele Spielerkader - auch der von uns - haben nicht mehr viel mit dem vom Sommer 2019 zu tun. Wenn wir jetzt keine ausreichende Vorbereitungszeit bekommen, wäre dass das i-Tüpfelchen. Nicht jeder Landesligist hat einen Kader von 18 oder 20 brauchbaren Spielern und das Verletzungsrisiko wird vor allem am Anfang extrem groß sein. Ich kann mir aber ohnehin nicht vorstellen, dass die Politik den Wettkampfsport so schnell freigeben wird."


Günther Himpsl (Trainer 1. FC Passau): "Ich beschäftige mich nicht mit irgendwelchen Spekulationen, weil das nichts bringt. Ob jetzt zwei, drei oder vier Wochen Vorbereitung - in unserer Klasse werden alle Teams die gleichen Voraussetzungen haben. Womit ich ein Probleme habe, dass die älteren Nachwuchsmannschaften der Profivereine trainieren dürfen und unsere Jugendlichen nicht. Das ist grenzwertig."


Uli Karmann (Trainer 1. FC Bad Kötzting): "Wir hatten im Fußball noch nie so eine lange Pause, wie wir sie aktuell haben. Deshalb wäre es völlig kontraproduktiv, ohne eine vernünftige Vorbereitungszeit starten zu müssen. Normal trainiert man nach dem Winter fünf Wochen, bevor es los geht. Die aktuelle Zwangspause wird aber in etwa dreimal so lang wie eine normale Winterpause sein. Daher wäre es grob fahrlässig, die Spieler in irgendetwas hineinzuhetzen, nur weil sich ein paar Herrschaften in München das so einbilden. Die Folgen für ein solches Szenario wäre sehr viele schwere Verletzungen. Aber unabhängig von diesem Thema: Was soll das eigentlich alles noch? Wir sind seit fast vier Monaten im Lockdown und haben in der Gesellschaft ganz andere Probleme. Wichtig wäre es, dass die Kinder und Jugendlichen wieder trainieren und sich bewegen dürfen. Im Amateurbereich sollte man den Deckel draufhauen und die neue Saison so früh wie möglich beginnen. Ich denke nämlich schon, dass die ganze Lage in vier, fünf Monaten wesentlich besser aussehen wird."

Waldkirchens Übungsleiter Anton Autengruber plädiert für einen Saisonabbruch, wenn nicht nicht im April mit den Punktspielen gestartet werden kann
Waldkirchens Übungsleiter Anton Autengruber plädiert für einen Saisonabbruch, wenn nicht nicht im April mit den Punktspielen gestartet werden kann – Foto: Harry Rindler


Anton Autengruber (Trainer TSV Waldkirchen): "Auch wenn wir uns um den Kampf um den Klassenerhalt noch lange nicht aufgegeben haben, muss der zweite Re-Start Hand und Fuß haben. Zwei Wochen Kontakttraining und dann gleich loslegen, das haut nicht hin. Wir müssen unsere Spieler, für die Fußball immer noch ein Hobby ist, schützen, ansonsten wird es viele schwerwiegende Verletzungen geben. Meine Meinung: Wenn wir nicht im Laufe des Aprils mit den Punktspielen beginnen dürfen, dann gehört die Saison abgebrochen und die kommende Runde dafür so früh wie möglich gestartet. Einen Abbruch-Paragrafen gibt es mittlerweile, auch wenn ein paar Verein - zu denen auch wir zählen würden - dann ins saure Gras beißen müssten."


Alexander Geiger (Trainer FC Sturm Hauzenberg): "In dieser schwierigen Zeit sich über zukünftige Entscheidungen zu äußern, ist sehr schwierig. Ebenso beneide ich keine Funktionäre, die diese Entscheidungen am Ende treffen müssen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man die momentane Lage realistisch betrachten muss und irgendwann den Vereinen, Funktionären und Spielern eindeutige Fakten nennen muss. Wenn ich höre, dass bei diversen Online-Konferenzen über mögliche zwei Wochen Vorbereitungsphase gesprochen wird, kann ich nur den Kopf schütteln. Ohne ein Hellseher zu sein, werden wir vor Ostern zu keinem normalen Mannschaftstraining übergehen können.

Wir haben dann zu diesem Zeitpunkt ein knappes halbes Jahr Fußballpause hinter uns. Jeder der im Amateursport einen Funken Ahnung besitzt, weiß, dass alle Spieler mindestens vier bis sechs Wochen fußballspezifische Vorbereitungszeit benötigen. Stupides Laufen auf Asphalt oder Langlaufen im Schnee bringt da überhaupt nichts - im Gegenteil. Sollte diese Zeit nicht gegeben sein, weil wir von der Politik kein grünes Licht bekommen, muss sich der BFV mit einem Saisonabbruch beschäftigen. Diese Entscheidungen gilt es aus meiner Sicht an Ostern zu treffen und nicht die Vereine wieder endlos in einer Warteschleife zu vertrösten.

Es ist schön, auch in dieser Zeit über Fußball zu diskutieren und Planungen voranzutreiben. Jedoch möchte ich auch betonen, dass wir als Amateursportler erstmal hinten anstehen müssen. Es gilt momentan berufliche Existenzen zu retten, Kinder und Jugendliche so schnell wie möglich wieder in Schulen und Kitas zu bringen und das Krankenhauspersonal zu entlasten. Wenn das erledigt ist, müssen an erster Stelle unsere Kinder wieder auf den grünen Rasen und erst dann kommen wir als Herren an die Reihe."

Sehr ausführlich zur ganzen Problematik hat sich Hauzenbergs Spielertrainer Alexander Geiger geäußert
Sehr ausführlich zur ganzen Problematik hat sich Hauzenbergs Spielertrainer Alexander Geiger geäußert – Foto: Robert Geisler


Georg Sewald (Trainer SpVgg Landshut): "Wie viele andere Bereiche im Sport und in der Wirtschaft hängen wir völlig in der Luft und können nichts planen. Eine so lange Pause gab es natürlich noch nie. Das wird in Sachen Trainingslehre eine völlig neue Situation. Selbst 2020 hatten wir nicht eine so lange Pause und konnten uns einigermaßen auf den Re-Start vorbereiten. Auch wenn die Umstände damals natürlich auch sehr schwierig waren. Trotzdem bin ich optimistisch, dass wir die Saison noch zu Ende bringen können. Wie mögliche Stufenplänen aussehen sollen, ist mir aber noch nicht ganz ersichtlich, da wir natürlich auch eine gewisse Planungssicherheit benötigen. Sorgen macht mir vor allem die kurze Vorbereitungszeit. Es geht in die wichtigste Phase der Saison, die Spieler körperlich und psychisch stark belasten wird. Wenn es dann auch noch womöglich mehrere Englische Wochen geben wird, dann wird es jede Menge Verletzungen geben.

Wir sind alle Amateure, die diesem Sport als Hobby nachgehen und ihr Geld mit Arbeit verdienen müssen. Bei allen Jammern muss man aber sagen, dass viele Wirtschaftsbereiche am Boden liegen und es sterben täglich hunderte Menschen an dem Virus. Es gibt wichtigere Dinge und Probleme in unsere Gesellschaft als den Amateurfußball. Trotzdem wäre es in meinen Augen sehr wichtig, Kinder und Jugendliche wieder trainieren zu lassen, auch wenn es nur in Kleingruppen ist. Die fehlenden sozialen Kontakte hinterlassen bei unserem Nachwuchs bestimmt auch psychische Spuren. Es wird nicht so einfach werden, alle Kids wieder für diesen tollen Sport zu begeistern."



Martin Oslislo (Trainer SpVgg Osterhofen): "Obwohl wir bei einem Saisonabbruch Meister wären, wünsche ich mir, dass die Saison regulär zu Ende gebracht werden kann. Wichtig wäre es, dass wir im März zumindest noch Kleingruppentraining machen dürfen und dann vier Wochen normales Kontakttraining. Bis Ende Juni kann gespielt werden, das sollte doch machbar sein. Wenn aber Wettkampfspiele nur bei einem Inzidenzwert unter 10 erlaubt werden, muss man Angst und Bange um den Amateurfußball haben."



Wie sehen unsere Leser die aktuelle Lage? Senden Sie uns Ihre Meinung gerne per E-Mail an: niederbayern@fupa.net Einen Auszug der Leser-Meinungen werden wir dann in einem gesonderten Artikel veröffentlichen!


7731 Aufrufe12.2.2021, 12:00 Uhr
Thomas SeidlAutor

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