Die Auf- und Abstiegsregelung bei einem Abbruch erhitzt die Gemüter
Die Auf- und Abstiegsregelung bei einem Abbruch erhitzt die Gemüter – Foto: Rocco Bartsch

Ein rasches Umdenken ist gefragt: Der BFV muss Größe zeigen

"In dieser schweren Zeit sollte es nicht zu Klagewellen oder Schlammschlachten kommen" - Ein Kommentar von den FuPa-Redakteuren Thomas Seidl und Mathias Willmerdinger

Der Bayerische Fußball-Verband und die Basis, seine über 4.500 Mitgliedsvereine, differenzieren sich wahrscheinlich gerade so weit auseinander, wie es noch nie zuvor der Fall war. Der Ton ist rau, sogar sehr rau geworden. Nach dem niederbayerischen Bezirksligisten TSV Abensberg meldeten sich auch 17 ostbayerische Klubs aus der Bayern- und Landesliga zu Wort und bekundeten in einem offenen Brief ihren Unmut. Die Pläne der Verbandsspitze, die Saison 2019/2021 mit aller Vehemenz über die Bühne zu bringen, sind mittlerweile mehr als umstritten. Die Menschheit ist im Allgemeinen nur noch genervt von dieser Jahrhundert-Pandemie, die unser aller Leben seit mittlerweile über einem Jahr stark einschränkt.

Eine zeitnahe Rückkehr in den Spielbetrieb ist Utopie. Die dritte Corona-Welle ist in vollem Gange. Virologen und sonstige Gesundheits-Experten erwarten schon in Kürze neue Rekord-Infektionszahlen. Ein neuerlicher Voll-Lockdown - noch im April - erscheint nicht ausgeschlossen. Wer darauf hofft, schon in ein paar Wochen Meisterschaftsspiele mit Zuschauern austragen zu können, ist ein Träumer. In den letzten Tagen machte der BFV dennoch nochmals klar, dass ein Saison-Abbruch derzeit nicht in Frage kommt. Diese (sture) Haltung sorgt bei einem Großteil der Verantwortlichen und Spielern für Kopfschütteln. Der im letzten Jahr eingeführte Paragraph 93 der Spielordnung - der die Wertung bei einem Abbruch während einer laufenden Saison regelt - scheint rechtlich anfechtbar zu sein. Die Zentrale hat scheinbar - wie schon im Vorjahr - große Bedenken, wenn es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kommen sollte. Deshalb zieht man sogar in Betracht, den Re-Start, sofern er nicht vorher möglich ist, auch erst im Juni erfolgen zu lassen - auch wenn dann in vielen Ligen die eigentliche Sollzahl an Spielen nicht mehr erreicht werden kann. Zumindest juristisch wäre der Bayerische Landesverband dann aber wohl aus dem Schneider.


Für den Großteil der Vereine sind solche Gedankenspiele nicht nachvollziehbar, zumal es ohnehin unwahrscheinlich ist, dass kurz- und mittelfristig überhaupt flächendeckend trainiert und gespielt werden darf. Auch die Schnelltests, die nach den momentanen Vorgaben der Politik vielerorts erforderlich wären, sind - hauptsächlich wegen des Kostenfaktors - ein mehr als heikles Thema. Aber diese Sorgen und Nöte sind mittlerweile länglich bekannt. Es bringt nichts, wenn sich Verband und Vereine völlig voneinander entfernen, sondern es braucht Lösungen, die nur im Miteinander erfolgen können. Es gehört eine Deadline gesetzt, an der sich die Vereine orientieren können. Wenn am Datum X, das spätestens Ende April sein muss, nicht flächendeckend (normal) trainiert werden kann, sollte die Saison 2019/2021 gecancelt werden. Da der Paragraph 93 - der grundsätzlich aus sportlichen Gesichtspunkten und auch in Sachen Fairness durchaus vertretbar ist - aus den genannten Gründen womöglich rechtlich nicht haltbar ist, gehören Alternativen entwickelt, die man den Vereinen zeitnah vorstellen muss.

»Was spricht dagegen, Regelungen wie letzten Sommer im Juniorenbereich zu finden?«

Was spricht dagegen, Regelungen wie letzten Sommer im Juniorenbereich zu finden? Bei aller Kritik, die Verbandsjugendleiter Florian Weißmann aufgrund diverser Reformen schon einstecken musste: Diese Sache war gut gemacht. Es gab keine Absteiger, zudem konnten neben der im Quotienten besten Mannschaft auch Teams - die einen Antrag stellten - nach oben, die mindestens 80 Prozent des Punkteschnitts des (Quotienten-)Meisters hatten. Nach Soll-Ligastärken genehmigte der Verbandsjugendausschuss dann die Anträge oder lehnte diese - je nach Höhe des erreichten Punkteschnitts - ab. Grundsätzlich wäre es bei diesem Szenario auf jeden Fall diskutabel, ob es im Herrenbereich gar keine Absteiger geben muss - denn schließlich sind in allen Klassen mindestens 2/3 der Saison ausgetragen worden. Auch die Prozent-Grenze von möglichen weiteren Aufsteigern müsste vermutlich angehoben bzw. angepasst werden, ansonsten würden nämlich viele Ligen-Ebenen komplett überflutet werden. Nur die ganz unteren Klassen würden dadurch ausgedünnt. Man hätte aber die Möglichkeit, mit kleineren - dafür aber mehr - Spielgruppen in allen Klassen flexibler auf die Pandemie reagieren zu können. Dass Corona den Spielbetrieb in der zweiten Jahreshälfte oder womöglich sogar im kommenden Jahr überhaupt nicht mehr tangieren wird, ist nämlich nur schwer vorstellbar.

Die Saison 2021/2022 könnte beispielsweise - je nach den Spielklassen-Pyramiden - flexibel in kleineren Gruppen (z. B. mit zwischen 10 und 14 Teams) gespielt werden. Natürlich müsste es dann aus diesen (kleineren) Ligen auch immer mindestens zwei, drei Absteiger geben, um ab der Saison 2022/2023 wieder möglichst die ursprünglichen Soll-Ligen- und Gruppenstärken zu erreichen. Auch die Aufstiegsregelung wäre nicht ganz unproblematisch, denn wenn es zum Beispiel im Bereich der niederbayerischen Bezirksliga drei Gruppen geben würde, möchten natürlich alle drei Meister direkt nach oben dürfen. Arbeitsgruppen könnten versuchen, tragfähige Konzepte auszuarbeiten, die freilich vermutlich nicht überall für Begeisterung sorgen würden. Gerade die höherklassigen Vereine, die ihr kickendes Personal entschädigen müssen, brauchen Einnahmen - deutlich weniger Heimspiele hätten massive Einbußen zu Folge. Aber wenn es erneut zu pandemiebedingten Einschränkungen kommen sollte, wären weniger Partien wieder ein Vorteil. Diese Ideen, die aus dem Stegreif entstanden und daher nur bedingt zu Ende gedacht sind, müssten also optimiert und mit Leben gefüllt werden. Und auch bei der möglichen Umsetzung solcher Konzepte könnte es vermutlich zu Rechtsstreitigkeiten kommen.

In dieser schweren Zeit sollte es jedoch nicht zu Klagewellen oder Schlammschlachten kommen, sondern es sind akzeptable und faire Lösungen gefragt. Bei aller Kritik steht nämlich außer Frage, dass der Bayerische Fußball-Verband nichts für Corona kann. Der BFV kann jedoch eines: Größe zeigen und auf seine Vereine, deren Stimmen in diesen Tagen immer lauter werden, eingehen. Solidarität wird in der ganzen Republik seit Wochen und Monaten eingefordert: Im bayerischen Amateurfußball könnte sie nun - von allen Seiten - auch in die Tat umgesetzt werden.


Thomas Seidl, Mathias Willmerdinger

9268 Aufrufe29.3.2021, 13:50 Uhr
Thomas Seidl / Mathias Willmerdinger Autor

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