Dr. Rainer Koch steht eine Überfüllung der Ligen durch einen vermehrten Aufstieg skeptisch gegenüber
Dr. Rainer Koch steht eine Überfüllung der Ligen durch einen vermehrten Aufstieg skeptisch gegenüber – Foto: Fabian Frühwirth

BFV-Präsident warnt vor »völlig überfüllten Ligen«

Exklusiv-Interview mit Dr. Rainer Koch - Teil 2: »Es gibt keine Entscheidung des Präsidiums, die nicht vor der Verbandssportgerichtbarkeit überprüfbar ist«

Seit Dienstag ist es mehr oder weniger amtlich: Die Spielzeit 2019/2021 kann nicht auf dem grünen Rasen zu Ende gebracht werden. Aufgrund der erneuten Lockdowns-Verlängerung muss der Bayerische Fußball-Verband eine Lösung finden, wie der Saisonabbruch abgewickelt wird. Wir haben uns mit dem BFV-Präsidenten Dr. Rainer Koch unter anderem über den in aller Munde geratenen Paragraph 93 der BFV-Spielordnung und über alternative Szenarien einer Abbruch-Abwicklung unterhalten.

Hier können Sie den ersten Teil des Interviews mit BFV-Präsident Dr. Rainer Koch nachlesen

Nehmen wir an, dass die Mehrheit der Vereine für den Abbruch stimmt und die Quotienten-Regel über Auf- und Abstiege entscheiden wird. Einige Vereine haben bereits angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Anwendung des erst während der Saison in der BFV-Spielordnung verankerten Paragraphs 93 zu prüfen. Fürchten Sie, dass sich das ganze Szenarium dann zu einem juristischen Schauspiel entwickeln könnte?
Dr. Rainer Koch (62): Ein Schauspiel hat ja immer mehrere Akte, das glaube ich jetzt nicht. Wir bearbeiten unsere Statutenlagen immer sehr gewissenhaft. Unsere Hauptabteilungsleiterin für den Rechtsbereich, Grit Labahn, aber auch Oskar Riedmeyer und Reinhold Baier sind alles juristische Vollprofis, die sich sehr gewissenhaft mit den ganzen Bestimmungen auseinandersetzen. Im konkreten Fall möchte ich darauf hinweisen, dass die Änderung im Paragraph 93 im Internet nachsehbar und entsprechend den Statuten veröffentlicht und mit einer Rechtsbehelfsbelehrung versehen worden sind. Auch in den Medien wurde seinerzeit sehr ausführlich darüber berichtet, auch bei FuPa ist das jetzt noch nachlesbar. Es gab eine Frist, innerhalb derer man gegen diese Bestimmung Einspruch einlegen hätte können. Das ist aber nicht passiert. Unabhängig von aller Sachüberlegungen, auf die beispielsweise der Sportrechtsexperte Dr. Summerer in einem PNP-Interview hingewiesen hat, hatten wir sachliche Überlegungen, die zu dieser Regelung geführt haben. Diese Regelung ist bekannt gemacht worden und ist innerhalb einer unserer Statuten dafür vorgesehenen Frist auch einem rechtlichen Einwand zugänglich gewesen. Es gibt keine Entscheidung des Präsidiums, die nicht vor der Verbandssportgerichtbarkeit überprüfbar ist. Gerade deshalb ist es wichtig, dass man sich mit den Bestimmungen auseinandersetzt, wenn sie erlassen werden und nicht dann, wenn man plötzlich feststellt, diese Regelung hat für mich persönlich einen Nachteil. Ich kann aber jeden Einzelnen verstehen, der jetzt mit dieser Situation total unglücklich ist. Daher war es immer unsere große Hoffnung, dass wir keine Entscheidungen am grünen Tisch haben müssen. Der große Unterschied zu vor einem Jahr ist, dass wir nun genau für diesen Fall eine Regelung haben.



Also gehen Sie davon aus, dass der Paragraph 93 absolut wasserdicht ist?
Im Paragraph 93 der BFV-Spielordnung heißt es in der Ziffer 5: Die Regelungen dieser Vorschrift gelten nicht für die bereits erfolgte Unterbrechung und Verlängerung des Spieljahres 2019/2020. Sollte jedoch das verlängerte Spieljahr 2019/2020 aufgrund einer staatlichen oder kommunalen Verfügungslage oder höherer Gewalt auch nicht bis zum 30.06.2021 beendet werden können, gelten für die dann notwendige Abwicklung des Spieljahres 2019/2020 die Regelungen dieser Vorschrift. Für exakt diesen Fall haben wir also im letzten Sommer eine Regelung getroffen, das kann man uns also nicht zum Vorwurf machen. Offensichtlich haben das viele Leute aber gar nicht im Blick gehabt, dass das passieren kann.

»Es gibt also nur eine Lösung, die absolut problemfrei ist: Keine Absteiger und alle aufsteigen lassen.«




Verschiedene Vereinsvertreter haben in den letzten Tagen und Wochen andere Wertungsvorschläge gemacht. Der eine oder andere fordert sogar eine Saison-Annullierung, andere hingegen würden es befürworten, wenn es nur Auf- aber keine Aufsteiger gibt. Liegt noch ein Plan B auf dem BFV-Tisch oder wird bei einem Abbruch definitiv der Paragraph 93 gezogen?
Wie bereits erwähnt, werden wir alles genau prüfen und die Situation des Paragraphs 93 nochmal gründlich analysieren. Es ist definitiv so, dass der Präsident keine Vorgabe machen wird. An den Diskussionsrunden - die unsere Spielbetriebsleute führen, um Vorschläge zu entwickeln - bin ich nicht einmal beteiligt. Vieles muss natürlich auch rechtlich durchdacht werden und bayernweit verglichen werden. Das ist alles sorgfältig zu prüfen. Ich kann noch kein genaues Datum nennen, wann wir Fakten schaffen können. Ich weiß schon jetzt, dass sich einige Leute wieder in den Medien zu Wort melden und kritisieren, dass in München keine Entscheidungen getroffen werden können. Ist doch eigentlich alles ganz einfach: Keine Absteiger, nur Aufsteiger. Aber so ist es halt nicht, viele fordern, dass es pro Liga zwei Aufsteiger geben soll. Aber dann fordern vielleicht auch Vereine, die in ihren Klassen Dritter und Vierter sind, ein Aufstiegsrecht. Diese Vereine beschweren sich darüber, wenn schon im Mai abgebrochen wird, weil im Juni hätten ja vielleicht noch zwei oder drei Spiele stattfinden können. Einigen würde ein Spiel reichen, um beispielsweise noch Zweiter zu werden. Es gibt also nur eine Lösung, die absolut problemfrei ist: Keine Absteiger und alle aufsteigen lassen. Dann müssten wir nur noch eine zusätzliche Liga oberhalb der Regionalliga einführen (lacht).




Vor allem in den sozialen Medien gibt es immer wieder auch Stimmen, die fordern die Saison - wie es andere Landesverbände auch gemacht haben - komplett zu annullieren. Wie stehen Sie dazu?
Was viele gar nicht wissen: Diese Verbände hatten überhaupt keine Wertungsgrundlage. Vor einem Jahr gab es in keinem Landesverband Abbruchs-Regelungen und deshalb wurden unzählige Rechtsgutachten eingeholt. Fast überall gab es letztlich nur Auf- und keine Absteiger. Das hatte überfüllte Ligen zu Folge, bei denen aufgrund der staatlichen Beschränkungen nicht einmal die Vorrunde zu Ende gebracht werden konnte. Deshalb konnte auch die mittlerweile gängige Quotientenregel nicht angewendet werden, weil nicht 75 Prozent der jeweiligen Teams 50 Prozent der Spiele absolviert hatten. Die Saison 2020/2021 musste deshalb annulliert werden und 2021/2022 muss nun erneut überall mit diesen vollen Klassen gestartet werden. Uns wäre es nicht anders ergangen, wenn wir vor einem Jahr abgebrochen hätten. Zudem sind - wie es auch bei uns im vergangenen Sommer mit Türkgücü München der Fall war - auch Sonderregelungen zu treffen, weil von jeder Regionalliga zur 3. Liga natürlich Aufsteiger gemeldet werden müssen. Aus der Regionalliga Nordost schafft so Viktoria Berlin mit nur elf ausgetragenen Saisonspielen den Aufstieg.

Apropos 3. Liga: Wie sieht es eigentlich in der Regionalliga Bayern aus? Können die Playoff-Spiele zwischen dem 1. FC Schweinfurt 05, der SpVgg Oberfranken Bayreuth und Viktoria Aschaffenburg planmäßig über die Bühne gehen?
Ich bin mir sicher, dass die drei Vereine ähnlich wie Bayern Alzenau (Anm. d. Red.: Die Unterfranken gehen in der Regionalliga Südwest, die als Profiliga deklariert wurde und deshalb ihren Spielbetrieb weiter ausüben darf, an den Start) behandelt werden. Wir können daher unseren Relegationsteilnehmer (Anm. d. Red: Der Vertreter der Regionalliga Bayern spielt gegen den Vertreter der Regionalliga Nord um einen freien Drittliga-Platz) mit sehr großer Wahrscheinlichkeit durch Playoff-Spiele auf sportlichem Weg - wenngleich leider ohne Zuschauer - ermitteln.



Gibt es schon irgendwelche finalen Eckdaten, wie diese Playoffs aussehen werden?
Es finden gerade die letzten organisatorischen Abstimmungsrunden statt. Wir müssen mit dem Innenministerium noch ein paar Dinge formalisieren. Ich gehe davon aus, dass schon in den nächsten Tagen Klarheit herrschen wird.

»Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in der kommenden Saison die eine oder andere terminliche Herausforderung zu meistern haben. Deswegen wird es nicht gehen, die Ligen hemmungslos zu überfüllen und trotzdem davon auszugehen, ein normales Spielsystem durchziehen zu können.«




Abschließende Frage: Wie optimistisch sind Sie, dass die Spielzeit 2021/2022 wieder mehr Normalität bringt?
Das ist eine einfache Frage: Dass die Saison 2021/2022 wieder mehr Normalität bringt, da bin ich sehr optimistisch. Aber es ist wohl so gemeint, wird sie wieder zur Normalität zurückführen? Das ist durchaus noch ein Stück weit ein Blick in die berühmte Glaskugel. Wir sind auf jeden Fall gut beraten, uns nicht auf völlig überfüllte Ligen und ein Spielsystem, das wir gewohnt sind, einzulassen. Das würde mit großer Wahrscheinlichkeit schiefgehen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in der kommenden Saison die eine oder andere terminliche Herausforderung zu meistern haben. Deswegen wird es nicht gehen, die Ligen hemmungslos zu überfüllen und trotzdem davon auszugehen, ein normales Spielsystem durchziehen zu können. Schon gar nicht in den Teilen Bayerns, in denen wir traditionell im Herbst früher aufhören müssen und im Frühjahr erst später beginnen können. Wir müssen versuchen, kluge Entscheidungen zu treffen.


Das Interview führte Thomas Seidl.

10264 Aufrufe16.4.2021, 06:00 Uhr
Thomas SeidlAutor

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