Regensburg: Mehrheit für Zeitstrafen-Abschaffung – Greß wiedergewählt
Beim Kreistag in Regenstauf bestimmten 169 Delegierte den Kurs für die nächsten Jahre
Mit etwas Verspätung sind auch die Oberpfälzer Vereine in das Wahljahr des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) gestartet: Während der ursprünglich zum Auftakt vorgesehene Kreistag Amberg/Weiden witterungsbedingt abgesagt werden musste und nun am 11. Februar nachgeholt wird, haben 169 Delegierte jetzt die Weichen für die Zukunft im Fußballkreis Regensburg gestellt. In der Regenstaufer Jahnhalle wurde am Montagabend der bisherige Kreis-Vorsitzende Harald Greß (58) in seinem Amt bestätigt.
Ebenso wurde Mike Koriath als Kreis-Spielleiter wiedergewählt. Neu im Kreis-Ausschuss sind Michael Seidinger und Nicolas Floch. Seidinger wurde als Nachfolger von Janina Zilk zum neuen Kreisbeauftragten für Frauen- und Mädchenfußball gewählt, Floch tritt als neuer Kreis-Jugendleiter die Nachfolge von Sebastian Wasserburger an. Florian Islinger ist von den Schiedsrichtergruppen erneut als Kreis-Schiedsrichterobmann vorgeschlagen und jetzt auch von den Delegierten des Kreistags bestätigt worden. Anton Kraus als alter und neuer Kreis-Sportgerichts-Vorsitzender sowie Reinhard Rengsberger als Kreis-Ehrenamtsbeauftragter und Nachfolger des kürzlich verstorbenen Alfons Weigert sollen den Kreis-Ausschuss komplettieren. Entsprechende Berufungsvorschläge gehen im Nachgang des Kreistags an das BFV-Präsidium.
Die Delegierten stimmten in Regenstauf auch über zwei Vereinsanträge ab. Der TV Velburg hatte beantragt, den §34 der Spielordnung zum Thema „Einsätze in 2. Mannschaften nach der Saison“ anzupassen – demnach sollen in der Relegation nur Spieler zum Einsatz kommen können, wenn sie während der Saison mindestens vier Partien in der unterklassigen Mannschaft des Klubs bestritten haben. Der Antrag wurde von den Delegierten in Regenstauf mit 101:49 Stimmen (10 Enthaltungen) angenommen und ist nun auf dem Bezirkstag am 16. März in Regensburg zu behandeln. Der SC Regensburg hatte einen Antrag zur Frauen- und Mädchenordnung und zum Spielen mit mehreren Mannschaften auf gleicher Liga-Ebene in unterschiedlichen Staffeln eingebracht. Der Antrag wurde von den Delegierten mit 54:33 Stimmen (68 Enthaltungen) abgelehnt.
Der in Regenstauf von den Delegierten neu gewählte Kreis-Ausschuss Regensburg: (von links) BFV-Präsident Christoph Kern, Anton Kraus (Kreis-Sportgerichts-Vorsitzender), Reinhard Rengsberger (Kreis-Ehrenamtsbeauftragter), Harald Greß (Kreis-Vorsitzender), Michael Koriath (Kreis-Spielleiter), Nicolas Floch (Kreis-Jugendleiter), Michael Seidinger (Kreis-Beauftragter für den Frauen- und Mädchenfußball) und der Oberpfälzer Bezirks-Vorsitzende Thomas Graml. – Foto: Fabian Frühwirth/BFV
In der nördlichsten und größten Gemeinde im Landkreis Regensburg war auch BFV-Präsident Christoph Kern vor Ort. Er unterstrich in seiner Rede unter anderem den Stellenwert des Ehrenamts und das gesellschaftliche Engagement des Amateurfußballs, thematisierte den „historischen Schulterschluss“ mit den bayerischen Profiklubs, ging aber auch auf Herausforderungen wie den ab dem Schuljahr 2026/27 in Deutschland geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ein. „Die Anmeldezahlen bei den ganz Kleinen sind bayernweit überragend. Umso mehr ist es jetzt unsere Aufgabe, diesen Spielerinnen und Spielern gute Rahmenbedingungen zu bieten. Nur wer gut betreut wird und Freude am Spiel hat, wird dabeibleiben und zu C-, B- und A-Jugendlichen heranwachsen“, betonte der BFV-Chef.
Zudem waren die Teilnehmer des Kreistags dazu aufgerufen, ihre Meinung zu möglichen Reformen im Spielbetrieb zu äußern. In diesem Wahljahr geht es um drei Themenkomplexe. So wurde abgestimmt:
1. Die Vereine konnte darüber abstimmen, ob die Verlängerung bei Entscheidungs- oder Relegationsspielen beibehalten werden soll oder aber analog zu den Toto-Pokal-Partien (bei Unentschieden nach 90 Minuten entscheidet sofort das Elfmeterschießen) vorgegangen werden soll. 93 Prozent stimmten für eine Beibehaltung der Verlängerung, nur sieben Prozent votierten für eine Abschaffung.
2. Zudem ist abgefragt worden, inwieweit eine Gelb-Rote Karte im Erwachsenenbereich automatisch eine Sperre von einem Spiel für den betroffenen Spieler oder die betroffene Spielerin nach sich ziehen soll. Aktuell hat eine Gelb-Rote Karte keine Folge für das darauffolgende Spiel. 74 Prozent lehnten die Einführung einer Sperre nach Gelb-Roter Karte ab, 26 Prozent sprachen sich dafür aus.
3. Schließlich ist ein Stimmungsbild zum weiteren Vorgehen bei Zeitstrafen eingeholt worden – die Kriterien für das Verhängen von Zeitstrafen hatte der DFB modifiziert. Diese dürfen fortan nur bei bestimmten Vergehen (Simulieren, absichtliches Verzögern, Protestieren, Verhindern eines aussichtsreichen Angriffs durch Halten, Ziehen, absichtliches Handspiel oder unzulässiges Antäuschen bei der Strafstoßausführung) verhängt werden. Demnach lautet die Frage: „Soll der BFV die Zeitstrafe im Erwachsenen- und Jugendbereich trotz der Änderungen und der erklärungsbedürftigen Handhabung beibehalten?“ Hier sprachen sich 60 Prozent der Delegierten für die Abschaffung aus, 40 Prozent wollten die modifizierten Regelungen bei der Zeitstrafe annehmen.
Die Meinungsbilder sind ausdrücklich keine bindenden Beschlüsse, können aber über die Bezirkstage zum Verbandstag eingebracht und dort entschieden werden. In der Oberpfalz geht es am Montag, den 26. Januar in Neunburg vorm Wald mit dem Kreistag Cham/Schwandorf weiter.