
Der Kapitän vergoss nach dem Abpfiff bittere Tränen, die meisten Spieler saßen enttäuscht auf dem Rasen des Stadions am Rheindeich, Trainer Umut Akpinar und der Sportliche Leiter Georg Mewes schüttelten derweil fassungslos den Kopf. Der 1. FC Kleve hat am Sonntag vor 600 Zuschauern das Abstiegs-Endspiel beim VfB Homberg zwar mit 2:1 (0:1) gewonnen. Doch er steigt trotzdem nach acht Jahren aus der Oberliga ab, weil auf den anderen Plätzen der Liga alles gegen ihn gelaufen war.
Der direkte Vergleich war am Ende entscheidend. Der 1. FC Kleve holte wie die DJK Adler Union Frintrop, die ebenfalls mit runter in die Landesliga muss, und die Holzheimer SG, die sich rettete, 41 Punkte. Doch in der Wertung der Spiele dieser drei Teams untereinander langte es für Kleve nur zum letzten Platz.
„Die Enttäuschung ist riesengroß. Die Mannschaft hat noch einmal alles reingeworfen und erneut eine Partie nach Rückstand gedreht. Ich hatte fest damit gerechnet, dass wir bei einem Sieg in der Klasse bleiben“, sagte Umut Akpinar. Georg Mewes stieß ins gleiche Horn. „So ein Mist, ist das bitter. Ich glaube nicht, dass schon einmal eine Mannschaft mit 41 Punkten aus der Oberliga abgestiegen ist“, so der Sportliche Leiter.
Die Mannschaft wurde von den gut 250 Fans, die das Team unterstützt hatten, mit Applaus verabschiedet. „Nur ein Jahr, dann sind wir wieder da“, sangen die Klever Zuschauer. Für die Spieler und Funktionäre des 1. FC Kleve war dies allenfalls ein ganz schwacher Trost, weil die Hoffnung groß gewesen war, sich bei einem weiteren Sieg retten zu können.
Doch nach einer Stunde bekamen auch die Spieler auf dem Rasen mit, dass auf den anderen Plätzen nicht die dringend benötigten Ergebnisse geliefert wurden. Da hatte Juliano Ismanovski (53., 55.) die Partie gerade mit zwei sehenswerten Treffern gedreht. Die Klever Führung war zu diesem Zeitpunkt verdient.
Denn die Mannschaft war nach schwachem Start und der Homberger Führung durch Julian Bode (29.) immer besser ins Spiel gekommen. Sie zeigte dabei erneut die Moral und den Einsatz, die schon verantwortlich dafür gewesen waren, dass der 1. FC Kleve sich mit einer Serie von sieben Partien ohne Sieg sein Abstiegs-Endspiel gesichert hatte.
Die Rückschläge gab es aber in Form der Ergebnisse auf den anderen Plätzen. Der FC Monheim lag gegen den Tabellenzweiten Ratingen 04/19, der gewinnen musste, um eventuell noch Meister zu werden, mit 2:0 vorne. Und als der FC Büderich zu Beginn der zweiten Halbzeit im Heimspiel gegen die Sportfreunde Baumberg mit 3:1 in Führung ging, war dies der Anfang vom Ende der acht Klever Jahre in der Oberliga. Von da an gab es so gut wie keine Hoffnung mehr auf die dringend benötigte Schützenhilfe.
„Das ist ein ganz bitterer Abschied für mich“, sagte Kapitän Fabio Forster, der den 1. FC Kleve nach 18 Jahren verlässt und zum 1. FC Lintfort wechselt, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Er wurde nach dem Abpfiff erst von seinem langjährigen Mitspieler Niklas Klein-Wiele, der wegen einer Gelb-Sperre fehlte, getröstet.
Wenig später nahm Trainer Umut Akpinar seinen Kapitän, mit dem er selbst noch im Klever Trikot auf dem Platz gestanden hatte, in den Arm. Dann gesellte sich Tim Haal dazu, der ebenfalls nach vielen Jahren am Bresserberg geht und zum SV Rees wechselt. Forster, Klein-Wiele und Haal hatten zum Team gehört, dass Akpinar in der Saison 2017/2018 in seinem ersten Jahr als Trainer der ersten Mannschaft direkt in die Oberliga geführt hatte.
In der kommenden Saison werden nur noch der Coach und Klein-Wiele da sein, wenn es darum geht, in der Landesliga einen Neuanfang zu starten. Einen Blick voraus auf das Jahr in der niedrigeren Klasse wollten die Verantwortlichen am Sonntag in Homberg noch nicht werfen. „Dazu fehlt mir im Moment die Kraft, ich bin einfach nur fertig. Diese Saison hat Nerven gekostet. Ich brauche jetzt erst einmal ein paar Tage Auszeit“, sagte Georg Mewes. Nicht nur ihm ging es so.