2026-06-09T05:59:15.975Z

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Ratingens bitteres Fazit: „Wir sind an uns selbst gescheitert“

Am letzten Oberliga-Spieltag hatte Ratingen 04/19 noch die Chance auf den Aufstieg in die Regionalliga – es nimmt das Geschenk von Hilden aber nicht an und verteilt selber welche an den 1. FC Monheim. Trainer Damian Apfeld ist untröstlich.

von Georg Amend · Gestern, 23:00 Uhr · 0 Leser
Ratingen scheitert nur knapp.
Ratingen scheitert nur knapp. – Foto: Arno Wirths

Als der Schlusspfiff die 0:2-Niederlage von Ratingen 04/19 beim 1. FC Monheim manifestiert, jubeln die Gastgeber über den Klassenerhalt der Oberliga, die Spieler der Gäste sinken zu Boden – ein Sieg hätte ihnen zum Aufstieg in die Regionalliga gereicht, weil im Fernduell um die Meisterschaft der VfB 03 Hilden beim 1:1 in St. Tönis tatsächlich nicht gewann. An 27 von 34 Spieltagen hatten die Ratinger an der Tabellenspitze gestanden, ununterbrochen gar vom fünften bis zum 31. Spieltag – doch in der entscheidenden Phase eben nicht, weshalb Hilden der erstmalige Aufstieg in die Regionalliga gelang.

Als seine Spieler auf dem Boden lagen, war Damian Apfeld nicht zu sehen. Der 04/19-Chefcoach benötigte Zeit für sich. Die finale Niederlage, aber vor allem die Schlussphase der Saison, hatten ihre Spuren hinterlassen. Als die Ratinger dann zu den mitgereisten Fans gingen – deutlich mehr als 200 waren mit Bannern, Flaggen und Luftballons nach Monheim gekommen –, kam Apfeld wieder dazu, da schon sichtlich gezeichnet von seinen Emotionen. Die ersten Hände der Fans schüttelte der 40-Jährige noch, dann überrannten ihn die Gefühle förmlich. Apfeld weinte bitterlich, drehte sich um, verbarg seine Tränen in der Trainingsjacke und ging über den Platz zurück zur Spielerbank, setzte sich, wurde von einem nicht erwarteten Emotions-Schub übermannt. Der Sportliche Leiter Frank Zilles versuchte sich als Tröster – vergeblich. Es schüttelte Apfeld durch.

Der Trainer lässt sonst nie Negativität zu

Dazu muss man wissen, dass der Trainer in der Regel nüchtern und klar die Vorgänge analysiert, nicht übertreibt, nicht dramatisiert. Er beherrscht auch die positiv emotionsgeladene Ansprache, lässt ohnehin nie Negativität an sein Team herankommen. Umso bemerkenswerter war dieser Ausbruch in Monheim.

Einige Zeit später war Apfeld in der Lage, dazu Stellung zu nehmen. Lag es am Druck oder an der verpassten Großchance auf den Aufstieg, dass es ihn so überkommen hatte? „Ich kann das gar nicht so richtig beantworten“, sagte Apfeld ungewohnt leise und ergänzte stockend: „Das ist die größte Niederlage meiner Trainerlaufbahn. Das Ziel war, dass es quasi mein schönster Tag der Karriere wird, und jetzt ist es einfach nur bitter.

Kapitän Silberbach spricht über sein Eigentor

Zumal sein Team zuvor nicht nur das Geschenk des Unentschiedens in St. Tönis nicht angenommen, sondern selber auch noch Geschenke an die Monheimer verteilt hatte. Deren 1:0 nach 31 Minuten entsprang einem Eigentor von Gianluca Silberbach. Der 04/19-Kapitän stellte sich: „Was soll ich sagen? Da kommt ein weiter Einwurf in den Strafraum, ich sehe weit und breit keinen Gegenspieler und rechne mit etwas anderem. Es ist dann ein Abstimmungsfehler. Ich bekomme den Ball an den Hinterkopf und sehe dann noch, wie der reinkullert.“

Und auch das zweite Gegentor nach 36 Minuten durch Emin Safikhanov musste nicht fallen – der Monheimer überraschte Ratingens Torwart Marvin Gomoluch mit einem Schuss aus spitzem Winkel durch die Beine. „Auch das ist ärgerlich. Das passiert dann in so einem Spiel gegen uns“, sagte Silberbach und ergänzte: „Ein Sieg hätte uns den Aufstieg gebracht, das ist umso ärgerlicher. Es sollte nicht sein, und jetzt stehst du hier nach dem letzten Spiel mit hängenden Köpfen da.“

60 Minuten Zeit, das Spiel zu drehen

Auf der anderen Seite waren nach den beiden Gegentoren noch rund 60 Minuten Zeit für den zweitbesten Angriff der Liga, das Spiel noch in die gewünschte Richtung zu drehen. Doch die Ratinger fanden kaum Wege zum Tor, und wenn doch, dann verteidigten die Monheimer im Verbund mit ihrem Keeper Luca Fenzl, der vor der Saison von 04/19 ins Rheinstadion gewechselt war, aufopferungsvoll und verdienten sich den Sieg. Das finale Anrennen der Gäste war planlos und hektisch.

So fasste Apfeld enttäuscht zusammen: „Wir müssen festhalten: So toll die Saison auch gewesen ist – wir haben es von der Birne nicht geschafft, in den entscheidenden Spielen einen klaren Kopf zu behalten und unsere Qualität so aufs Feld zu bringen, dass wir die Spiele gewinnen. Wir sind an uns selbst gescheitert.“ Im Saisonfinale hatte es zeitweise gewirkt, als hätte 04/19 von Anfang nicht den Glauben gehabt, dass es noch etwas werden könnte mit dem Aufstieg – und als die Chance dann doch da war, konnte es nicht zugreifen. „Jeder Einzelne in der Kabine wollte das“, entgegnete Apfeld zwar, wusste aber auch: „Dann ist es Kopfsache, eine Blockade vielleicht, die verhindert, dass man komplett da ist.“ So blieb für Ratingen die Rolle als Vizemeister – und als die Fans das in Monheim skandierten, überkamen Apfeld die Emotionen.