
Es ist das Spitzenspiel der Oberliga: Tabellenführer Ratingen 04/19 empfängt am Sonntag (15 Uhr) den KFC Uerdingen, der als Dritter vier Punkte zurücksteht und somit seine letzte Chance hat, aktiv ins Titelrennen einzugreifen. Bei einer Niederlage würde der Rückstand auf sieben Punkte anwachsen, was bei dann nur noch fünf ausstehenden Partien eine Vorentscheidung sein könnte. Dann liefe wohl alles auf einen Zweikampf zwischen Ratingen und dem derzeit einen Punkt zurückstehenden VfB 03 Hilden hinaus. Alle drei Teams haben die Lizenz für die Regionalliga-Saison 2026/27 beantragt.
Von einem vorentscheidenden Spiel im Kampf um den Aufstieg will Damian Apfeld allerdings noch nichts wissen. „Ich sehe das unabhängig vom Ergebnis am Sonntag immer noch offen“, sagt der 04/19-Chefcoach und begründet: „Auch danach sind noch 15 Punkte zu vergeben. Man braucht viele Siege, um Erster zu sein, und es ist jetzt, sechs Spieltage vor dem Ende, so eng, dass sich die Mannschaft durchsetzen wird, die daraus die meisten Siege holt.“ Dafür brauche es „einen klaren Kopf und eine gewisse Lockerheit, denn wenn man sich zu sehr unter Druck setzt, blockiert nachher alles“, weiß Apfeld.
Der 40-Jährige verweist daher auf das „positive Mindset“, das es in Ratingen inzwischen gebe. „Das ist ein großes Wort mit vielen Unterpunkten, aber es ist so, dass wir dieses Mindset seit dem 1. Juli verinnerlichen. Das fängt bei unserem Präsidenten Jens Stieghorst an und geht bis zu jedem im Kader, Staff und Trainerteam weiter. Ich lasse Gedanken an Niederlagen gar nicht zu, sondern stelle immer wieder heraus: Wie lange sind wir schon ungeschlagen? Seit zehn Spielen. Wie oft haben wir in den letzten 20 Spielen verloren? Einmal, zum Beginn der Rückrunde gegen Hilden. Wir haben uns von Anfang an nicht mit negativen Gedanken beschäftigt. Natürlich müssen wir sagen, dass wir gewisse Dinge besser machen müssen, aber das Positive muss überwiegen.“
Dinge, die sein Team besser machen muss, gab es am vergangenen Spieltag in Büderich zu sehen. Durch eine zu laxe Herangehensweise gerieten die Ratinger dreimal in Rückstand, glichen aber letztlich auch ebenso oft wieder aus – der eine Punkt war mit Blick auf das Spiel gegen den KFC wichtig, denn so kann Uerdingen nun nicht aus eigener Kraft vorbeiziehen. Dennoch war die Partie in Büderich für Apfeld „ein kleines Déjà-vu zur Hinrunde“ mit Unzulänglichkeiten, die sein Team in der Zwischenzeit abgestellt zu haben schien. Nun urteilt der Trainer: „Da waren wieder Dinge zu sehen, die man sich in keinem Spiel erlauben kann. Wenn du keine Körperlichkeit hast, keine Griffigkeit und die Zweikampfführung zu weich ist, bekommst du Gegentore und schleichen sich Fehler ein. Das müssen wir jetzt besser machen.“
Der 04/19-Chefcoach ist aber auch da zuversichtlich: „Das sollte in den letzten sechs Spielen nicht mehr vorkommen. Und bislang war es in dieser Saison immer so: Wenn wir gefordert waren, kommen wir immer wieder zurück. Das war auch in Büderich der Fall nach drei Rückständen. Wir waren zwar nicht gut gegen den Ball, es machte aber auch nicht den Eindruck, dass die Mannschaft nicht die richtige Mentalität hat. Sie macht und tut, und das wird sie auch am Sonntag machen und tun.“
Und dann gab es in Büderich noch etwas komplett Neues zu sehen: Ratinger Auswärtsfans. Zwar hat 04/19 immer ein paar Besucher aus der Heimat in fremden Stadien, aber diesmal waren es mehrere kleine Gruppierungen, die nicht nur Fahnen schwenkten, sondern auch Banner, Trommeln und Tröten dabei hatten – ein Novum. „Das nehmen die Jungs auch so wahr“, sagt Apfeld mit Blick auf seine Spieler. „Das gab es vorher noch nie bei Auswärtsspielen von Ratingen, das ist neu. Das nehmen wir positiv wahr, und es pusht die Spieler, wenn das Umfeld positiv ist.“
Das soll auch am Sonntag wirken. „Klar, Uerdingen hat eine richtige Fan-Szene, das ist noch mal was anderes“, weiß Apfeld, betont aber zugleich: „Wir werden gegen den KFC alle Jugendmannschaften auf der Haupttribüne haben, zusätzlich zu den Fans. Und wenn da alle wollen, kann sich das so entwickeln, dass uns das noch mal einen zusätzlichen Push gibt. Das ist ja dann auch kein Spiel des KFC gegen einen Tabellen-Elften, wo man einfach nur zuschaut, sondern ein Spitzenspiel, das die Zuschauer hoffentlich mitnimmt.“
Auch darum überwiegt bei 04/19 klar die Vorfreude statt der Anspannung: „Die zu erwartende Atmosphäre, die Zuschauerzahl und dass wir das in einem Heimspiel haben werden, ist großartig. Das war auswärts im Hinspiel noch etwas anderes: Die Grotenburg ist sehr, sehr groß, da fällt das nicht so ins Gewicht, wenn da 2000 Zuschauer sind, als bei uns im Stadion. Wo wir sonst vor rund 300 Zuschauern spielen, könnte es am Sonntag das Sechsfache sein. Da merkt man schon eine gewisse Freude bei allen. Wir haben richtig Bock auf dieses Spiel.“
Für das der Chefcoach bis auf Jimmy Can Atila aus dem Vollen schöpfen kann. Einzelheiten zur Aufstellung mag Apfeld logischerweise vorher nicht verraten, sondern stellt das gesamte Team in den Vordergrund: „Wir werden ganz viele Anführer brauchen auf dem Platz, alle müssen Verantwortung übernehmen. Und wir haben dann ja auch nicht sieben Jungs unter 21 Jahren auf dem Platz, sondern viele, die das eine oder andere schon erlebt haben. Alle müssen sich und ihre Mitspieler pushen, auch die Jungs, die vielleicht nicht von Beginn an dabei sind oder gar nicht ins Spiel kommen, müssen positive Energie abstrahlen. Und mit fünf Einwechselmöglichkeiten haben wir Trainer auch einen großen Hebel, um ein Spiel noch mal zu beeinflussen. Gemeinsam packen wir das.“