
Im letzten Spiel der Hinrunde dieser Saison in der Oberliga gelang Daniel Nesseler sein erster Treffer in dieser Spielzeit für Ratingen 04/19. Der Zentrumsspieler egalisierte dabei den 0:1-Rückstand gegen den FC Büderich und bereitete so den Weg zum 3:1-Heimsieg. Was da noch niemand wusste: Es war sein letztes Tor für 04/19, möglicherweise sogar überhaupt im Fußball. Denn der 26-Jährige hat aus beruflichen Gründen seine Schuhe an den Nagel gehängt.
Darum hat Nesseler auch aktuell Zeit, Urlaub auf Teneriffa zu machen, am Samstag geht es zurück nach Düsseldorf. Dort, genauer gesagt in Derendorf, ist er bei einer Firma beschäftigt, die Finanzberatungen bei Unternehmenskäufen und -verkäufen anbietet, und wird nun befördert. „Das war überraschend, weil ich den Job erst vor anderthalb Jahren angenommen habe und man da sonst eher so nach zweieinhalb, drei Jahren befördert wird. Deswegen hatte ich in Ratingen auch einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben, weil ich damit wirklich nicht gerechnet hatte“, erklärt Nesseler.
Er wuchs in Leverkusen-Hitdorf auf, besuchte das Otto-Hahn-Gymnasium in Monheim und spielte ab der U12 bei Bayer 04 Leverkusen. Dort entwickelte er sich zum Jugend-Nationalspieler, stand 2015 mit der deutschen U17 im Finale der Europameisterschaft in Bulgarien und war im selben Jahr mit der U18 beider Weltmeisterschaft in Chile. Im EM-Finale gegen Frankreich hatte Nesseler es als Innenverteidiger mit heutigen Stars wie etwa Ibrahima Konate oder Dayot Upamecano zu tun.
In deren fußballerische Sphären schaffte er es im Seniorenbereich nicht mehr, mit dem 1. FC Köln II und dem Wuppertaler SV ging es immerhin bis in die Regionalliga. „Ich habe es versucht, aber ich war offenbar nicht gut genug, um den nächsten Schritt zu machen. Ich war immer auf der realistischen Seite unterwegs und habe mich dann gefragt, was nach dem Fußball kommen soll. Deswegen bin ich dann nach Amerika gegangen“, berichtet Nesseler, der an der Drexel University in Philadelphia im US-Bundestaat Pennsylvania seinen Master machte und für die dortigen Dragons Fußball spielte.
Es folgte der Zwei-Jahres-Vertrag in Ratingen. „Das war durch den damals neuen Job in Düsseldorf perfekt, weil es gleich um die Ecke war und ich so mein Hobby, das ich über alles liebe, weitermachen konnte. Ratingen ist ein Verein, der sehr gut geführt ist, Ambitionen hat und Fußball spielen lassen will. Das waren super Voraussetzungen in meiner Position.“
Doch nun wurde es doch zu viel auf einmal. „Die letzten Monate waren schon sehr stressig. Ich will da nicht rumjammern, aber wenn man nach einem kompletten Arbeitstag noch drei-, viermal pro Woche zum Training muss, sind es lange Tage bis 22, 23 Uhr. Das geht in einer Zeit, in der ich im Job extrem ambitioniert bin und über Weiterbildungen nachdenke, nicht mehr so, dass ich beide Sachen auf einem ambitionierten Level hinbekomme. Ich habe gemerkt, dass es einfach ein bisschen zu viel ist, bis Sommer so weiterzumachen. Ich habe mich teilweise kraftlos gefühlt, und da muss ich dann auch ein bisschen an mich denken. Ich hoffe, das nimmt mir keiner übel“, sagt Nesseler. Verständnis gibt es von 04/19-Präsident Jens Stieghorst: „Daniel ist ein sehr guter Typ, der beruflich jetzt den nächsten Schritt machen kann. Er wird uns fehlen.“
Das beruht auf Gegenseitigkeit. „Das klingt jetzt wie eine Floskel, aber ich meine das wirklich so: Der Abschied tut mir weh, weil die Jungs echt richtig cool und super nett sind. Das habe ich auch schon anders erlebt. Der Moment, als ich den Jungs gesagt habe, dass ich aufhöre, hat besonders geschmerzt“, sagt Nesseler, der zugibt: „Ich weiß nicht, wie es mir ohne Fußball gehen wird. Ich muss zusehen, dass ich mir eine andere Beschäftigung suche, die aber nicht vier Stunden am Abend dauert – die Stunden, die man dann übrig hat, machen viel aus.“
Ganz weg will Nesseler aber noch nicht sein: „Ich werde mir auf jeden Fall in der Rückrunde noch Spiele in Ratingen anschauen, weil ich den Jungs auch einfach die Daumen drücke, dass sie noch mal oben rankommen können.“ Eine Schlüsselfigur sei dabei Peter Radojewski: „Ich bin extrem überzeugt vom Trainer. Er ist menschlich super und hat viel Struktur reinbekommen. Ich drücke dem Verein die Daumen, dass die Konstellation für Konstanz sorgt“, sagt Nesseler zum Abschied.