
Von Zeit zu Zeit blitzt durch, was die Raistinger einmal waren. Ein gefürchtetes gallisches Dorf mit einem Stammesführer, der sich einen Spaß daraus gemacht hat, die Bezirksliga mit Defensiv-Fußballs zu terrorisieren. So mischte Johannes Franz mit seinen Mannschaften über Jahre in der Spitzengruppe mit. Der SVR mag nicht mehr die individuelle Klasse früherer Tage haben, aber das System hat überdauert – und ist manchmal doch noch für einen Schocker gut. Auch im Rückspiel schlug Raisting den Aufstiegsanwärter TSV Gilching mit 1:0.
Franz freute sich, dass die goldene Regel alter Zeiten wieder Anwendung fand. Früher jagten sie nach einem Zu-Null-Spiel. Der Verschleiß dieser Abwehrschlacht war am Ende zu sehen. Fünf Spieler gingen zu Boden. Krämpfe sowie fehlende Kräfte – jeder Wechsel war darauf zurückzuführen. Der Überraschungssieg war allerdings auch nur möglich, weil der Gegner nicht seine Bestform erreichte. „Es muss viel zusammenpassen, um Gilching zu schlagen“, betonte der Coach. Konstant über 90 Minuten stimmte die Arbeit nach hinten. Alleine die erste Reihe um den jungen Elias Lieb beschäftigte mehrere Gilchinger, verhinderte so eine Unterzahl an anderen Stellen des Feldes.
Sollten sie es am Ende doch packen mit dem Ligaerhalt, dann, weil Spieler wie Lieb, die niemand sonst auf dieses Niveau gehoben hätte, gewachsen sind, vielleicht sogar über sich hinaus. Elias Lieb war aus Murnau gekommen, in der U19 (Landesliga) gehörte er nicht zu den Stammkräften. Eine ganz ähnliche Geschichte erzählt Franz über den Siegtorschützen Korbinian Hibler. Wie er damals aus der Jugend hinzukam, hatte er sich anzustellen hinter Top-Leuten wie Benedikt Multerer, Vinzenz Wolf und Max Schwahn. „Der Schritt in die ,Erste‘ ist zu früh gekommen“, sagte sein Coach. Bewusst trat Hibler in die Reserve zurück, spielte sich in der Hinrunde in den Fokus und startete im Winter durch. „Er hat das Vertrauen von Anfang an bestätigt“, lobte Franz. In Gilching gelang ihm sein drittes Tor in der Bezirksliga. Kein schönes, sondern ein solches, für das die Gegner früher schon den Franzschen SVR hassten: Einen scharf getretenen Freistoß verlängerte er mit dem Kopf über den Torwart, der zu weit draußen stand. Die witzige Fußnote: Im Abschlusstraining waren sie die Wege bei Standards durchgegangen, also für Einwürfe und Ecken – nur nicht bei Freistößen.
Sehen lassen konnte sich auch wieder die Startphase. 20 einwandfreie Minuten samt guter Chance von Victor Neveling (Volley aus 13 Metern) endeten 0:0. Damit war ein erster Teilerfolg erzielt. Auch wenn Gilching danach aufkam, hielten die Gäste sich mit Glück schadlos. Zum Abseitstor des TSV sagt selbst Franz: „Ich bin mir nicht sicher, ob das Abseits war.“ Außerdem trafen die Gastgeber den Pfosten. Einmal rettete auch Torwart Urban Schaidhauf sehenswert. Nach Hiblers Treffer (62.) rollte die Gilchinger Dampfwalze zwar an, wurde aber immer wieder frühzeitig gestoppt. „Wir haben uns mit allem, was wir haben, in die Bälle geschmissen. Es war eine Abwehrschlacht“, lobte Franz. Gilching setzte auf lange Bälle – und das war an diesem Abend das falsche Mittel, um die Raistinger zu bezwingen, die wieder „den Abstiegskampf gelebt“ haben, wie ihr stolzer Trainer festhielt.