
Beim Pokalhalbfinale zwischen Sparta Lichtenberg und dem BFC Dynamo (3:5) kommt es zu Zwischenfällen mit Verletzten und Festnahmen. Polizei und Fanhilfe schildern unterschiedliche Abläufe. Auch der Verband äußert sich
Kind verletzt sich und vier Festnahmen
Nach den Ausschreitungen rund um das Halbfinale im Berliner Landespokal zwischen Sparta Lichtenberg und dem BFC Dynamo stehen die Abläufe des Spiels und die Ereignisse im Umfeld im Fokus. FuPa Berlin liegt sowohl die offizielle Pressedarstellung der Polizei als auch eine Stellungnahme der Fanhilfe BFC Dynamo vor.
Fest steht: Das Spiel wird ausgetragen, zwischenzeitlich unterbrochen und schließlich sportlich beendet. Laut Darstellung der Polizei verletzt sich ein Kind und vier Personen werden vorübergehend festgenommen. Sparta Lichtenberg verzichtet auf einen Einspruch beim Berliner Fußball-Verband. Das bestätigt Trainer Dragan Kostic gegenüber FuPa Berlin
Darstellung der Polizei
Nach Angaben der Polizei zünden Anhänger des BFC Dynamo während der zweiten Halbzeit der Verlängerung gegen 16:25 Uhr außerhalb des Stadions in der Fischerstraße Pyrotechnik. Einsatzkräfte fertigen daraufhin Videoaufnahmen zur Beweissicherung an.
In der Folge werden Polizeikräfte aus dem Gästeblock heraus mit Böllern und Glasflaschen beworfen sowie körperlich angegriffen. Die Polizei setzt daraufhin körperliche Zwangsmaßnahmen und Pfefferspray ein.
Gegen 16:40 Uhr unterbricht der Schiedsrichter die Partie. Etwa 15 Minuten später wird das Spiel fortgesetzt.
Mehrere Personen werden verletzt. Ein Kind erleidet ein Knalltrauma, zudem wird ein Ordner verletzt. Zwölf Polizeikräfte werden ebenfalls verletzt, können ihren Dienst jedoch fortsetzen.
Im Zusammenhang mit den Vorfällen werden mehrere Strafanzeigen aufgenommen, unter anderem wegen besonders schweren Landfriedensbruchs sowie wegen des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole. Insgesamt werden vier Personen festgenommen und nach den polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt.
Am Abend meldet eine Passantin eine Personengruppe in einem Lokal in der Weitlingstraße, die lautstark verfassungsfeindliche Parolen skandiert. Die Polizei stellt dort elf Personen fest und leitet entsprechende Maßnahmen ein.

Darstellung der Fanhilfe BFC Dynamo
Die Fanhilfe BFC Dynamo e.V. kritisiert den Polizeieinsatz und spricht von einem aus ihrer Sicht unverhältnismäßigen und aggressiven Vorgehen, das zur Eskalation beiträgt.
Bereits beim Fanmarsch zum Stadion ist die Situation nach Darstellung der Fanhilfe angespannt. Zudem ist eine behelmte Polizeieinheit in unmittelbarer Nähe zum Fanblock positioniert, was von Fans als provokativ wahrgenommen wird.
Beim Ausgleichstreffer kurz vor Ende der regulären Spielzeit kommt es laut Fanhilfe zu einer Jubelsituation, bei der ein Absperrgitter umkippt und einzelne Personen in Richtung der Mannschaftsbank gelangen. Die Polizei wertet dies nach Darstellung der Fanhilfe als Platzsturm und schreitet ein.
Im weiteren Verlauf verlagert sich das Geschehen in den Bereich der Fischerstraße. Dort setzen Polizeikräfte nach Angaben der Fanhilfe Pfefferspray ein, auch in Richtung von Personen außerhalb des Stadions. In der Folge werden Böller auf das Gelände geworfen.
Die Fanhilfe verurteilt den Einsatz von gefährlicher Pyrotechnik sowie Gewalt grundsätzlich und fordert eine Aufarbeitung der Ereignisse. Zudem stellt sie die Eignung des Spielorts für ein Spiel dieser Größenordnung infrage.

Statement vom Berliner Fußball-Verband
Vizepräsident Joachim Gärtner bestätigt gegenüber FuPa Berlin, dass Sparta Lichtenberg gemeinsam mit der Polizei ein Sicherheitskonzept dem Verband vorgelegt hat. Aufgrund der dynamischen Vorgänge außerhalb des Sportplatzes (zahlreiche Fans und das Abfeuern von Pyrotechnik) kam es dann zu Ausschreitungen. Ein Abbruch liegt in der Entscheidung des Schiedsrichters. Nach der Unterbrechung gab es grünes Licht von den Sicherheitsbeamten, und das Spiel konnte fortgesetzt werden.
Spielbericht hier
Der BFC Dynamo hat sich ins Endspiel um den Berliner Landespokal gemüht. Überschattet wurde die Partie von Auseinandersetzungen zwischen Fans und der Polizei. Aber fangen wir sportlich an. Der BFC ging bei Sparta Lichtenberg früh in Führung. Levin Mattmüller traf in der 7. Minute. Doch der Oberligist schlug zurück, glich vor der Pause durch Dominic Schmüser aus, drehte die Partie nach Wiederanpfiff durch Berkin Tonk. Lang roch es nach Überraschung, doch der BFC rettete sich ähnlich wie im Achtelfinale bei Mahlsdorf in den Schlussminuten in die Verlängerung. Dort ging Sparta zunächst erneut on Führung, doch Dynamo stellte das Spiel auf den Kopf und machte rund um den Pausenpfiff der Verlängerung alles klar. Dann wurde es unschön. Außerhalb des Geländes zündeten Fans, die keine Karte ergattern konnten, Pyrotechnik, schmissen Böller. Die Polizei schritt ein. Es soll Festnahmen gegeben haben. Praktisch zeitgleich gab es auf dem Feld eine Rudelbildung, nach der Spartas Ömer Toktomur mit rot vom Platz flog. Schiedsrichter Julius Hanft unterbrach die Partie für etwa zehn Minuten, pfiff dann wieder an. Der BFC schoss noch das 3:6, dann war Schluss. Damit trifft der BFC im Finale auf die VSG Altglienicke. Doch dieses Halbfinale dürfte in den kommenden Tagen noch weiter Thema bleiben.
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