2026-06-03T09:07:03.210Z

Relegation

Prommer: "Mit dem Schlusspfiff ist alles von mir abgefallen"

Relegation zur Kreisliga Sinsheim +++ Der TSV Steinsfurt schlägt den FC Rohrbach a.G. mit 2:1 und ist wieder Kreisligist

von red. · Heute, 10:00 Uhr · 0 Leser
Freude pur beim TSV Steinsfurt.
Freude pur beim TSV Steinsfurt. – Foto: Berthold Gebhard

Der Witz mit dem Aufzug ist längst auserzählt. Außerdem ist er nicht korrekt. Die Fußballer des TSV Steinsfurt befinden sich spätestens seit ihrem Kreisliga-Aufstieg am Samstagnachmittag, den sie mit einem 2:1-Sieg gegen den FC Rohrbach a.G. perfekt gemacht haben, vielmehr in einem Paternoster.

Für die Generation Z und Alpha: Ein Paternoster ist ein historischer Personenaufzug, der aus offenen Kabinen besteht, die in einer Endlosschleife rotieren und in die man immer wieder ein- und aussteigen kann. Nimmt man die Corona-Abbruchsaison 2020/21 aus, haben die Steinsfurter seit 2020 in jedem Sommer die Liga gewechselt. Zuerst unter den Trainern Julian Keitel und Christian Stumpf als Kreisliga-Meister in die Landesliga, dann bis 2024 ganz runter in die Kreisklasse B und nun mit zwei Aufstiegen in Serie wieder in die Kreisliga. Da kann einem beinahe schwindlig werden.

"Heute ist nur feiern angesagt", unterband Ben-Richard Prommer wenige Minuten nach dem perfekt gemachten Aufstieg auf dem Rasen des FV Elsenz jede noch so kleine Anspielung auf einen TSV-Aufstieg in die Landesliga im Mai 2027. Der Spielertrainer strahlte pure Erleichterung aus: "Mit dem Schlusspfiff ist einfach alles von mir abgefallen, das war ein unbeschreibliches Gefühl."

Den größten Druck hat sich der 33-Jährige nämlich im Vorfeld selbst gemacht. "Ich war die komplette Woche über extrem angespannt, weil ich unglaublich schwierige Entscheidungen treffen musste", hätte er gut und gerne, "15, 16 Mann in die erste Elf stecken können." Letztlich entschied er sich zusammen mit seinem Co-Trainer und Innenverteidiger Dawid Polotzek richtig, denn der Erfolg gibt einem im Nachgang schließlich immer recht.

Dafür hat der FC Rohrbach a.G. es den Steinsfurtern aber alles andere als einfach gemacht. "Wir haben sie ein bisschen anderes erwartet", sagte Detlef Liehs. Rohrbachs Trainer sah seine Mannschaft deutlich aktiver, als es vermutlich die meisten der 950 zahlenden Zuschauern erwartet hatten. Es gab immer wieder Phasen, in denen Rohrbach mehr vom Spiel hatte. "Man hat gespürt, dass keiner einen Fehler machen wollte", sagte Prommer zur ersten Halbzeit, die bis zur 40. Minute keine nennenswerte Torchance hatte.

Abwarten, gegenseitig belauern und auf Fehler des jeweils anderen hoffen – es war ein typischen Alles-oder-Nichts-Spiel. "So Spiele leben eben von der Spannung", war immer mal wieder aus den Zuschauerreihen zu hören. Vor allem die Waldseite gegenüber des Elsenzer Klubhaus wirkte wie eine blau-weiße auf der einen und eine schwarz-weiße Wand auf der anderen Seite. In mehreren Reihen standen die Fans dicht gedrängt und feuerten ihre Teams an.

Den ersten Stich setzte der nun ehemalige Kreisligist. Vereinsikone Michael Kuhmann spielte einen fein temperierten Steckpass, wie ihn auf Kreisebene keine fünf anderen Kicker spielen, und der durchgelaufene Kevin Walter schob die Kugel ins linke Eck (43.) zur FC-Führung.

Rohrbachs Spielgestalter Michael Kuhmann lieferte die Vorlage zu zwischenzeitlichen Führung.
Rohrbachs Spielgestalter Michael Kuhmann lieferte die Vorlage zu zwischenzeitlichen Führung. – Foto: Brian Wirth

Was dann geschah, war spielentscheidend, darin waren sich beide Trainer einig. Ruben Braun köpfte unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff eine Freistoßflanke seines Trainers über den Umweg des Innenpfostens zum 1:1 ein (45.+1). "Wenn wir mit einem Rückstand in die Pause gehen und Rohrbach danach kontern kann, wird es extrem schwierig", meinte Prommer. Liehs sagte: "Der Ausgleich war wirklich unnötig und hätte in dieser Situation niemals passieren dürfen."

Steinsfurt gab der Treffer in der Anfangsphase der zweiten Hälfte spürbaren Aufwind. Kevin Frei vergab zwei gute Gelegenheiten kurz hintereinander (55./59.). Dazwischen kam Kuhmann frei zum Kopfball, konnte die Kugel aber nicht tief genug drücken (57.). Die vielleicht beste FC-Chance hatte Christian Auer freistehend von der Strafraumkante, seinem Schuss fehlten jedoch Tempo sowie Präzision gleichermaßen (63.). "Wir waren keinesfalls schwächer, für meinen Geschmack war es sehr ausgeglichen", sah sich Liehs in seiner bereits im RNZ-Vorbericht getätigten Prognose bestätigt.

Der A-Liga-Vizemeister hatte in Summe aber die etwas klareren Chancen und war objektiv betrachtet dieses eine Tor besser, das sie am Ende mehr erzielten. Der kurz zuvor eingewechselte Rafael Meideros Dos Santos durfte sich für seinen strammen Schuss ins linke Toreck ausgiebig feiern lassen (78.).

Dem vorausgegangen war ausgerechnet ein Fehler von Dennis Rebel, neben Kuhmann einem weiteren Rohrbacher Urgestein. "Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen, das kann im Fußball passieren und es wird von keinem irgendeinen Vorwurf geben", stellte sich Liehs selbstredend vor seinen Spieler. Danach hatte der FC noch zwei, drei Halbchancen, die entweder der sichere Keeper Jonas Richter entschärfte oder sein Spielertrainer vehement aus der Gefahrenzone köpfte. Dann tätigte der souveräne Unparteiische Jürgen Adam den für Prommer so unbeschreiblichen Schlusspfiff. "Egal, wie es ausgegangen wäre, wir gehen jetzt in unser Klubhaus und reißen die Hütte ab", lautete die letzte überlieferte Anweisung des TSV-Coaches.

Richi Prommer (r.) gehörte wie immer zu den Aktivposten seiner Mannschaft.
Richi Prommer (r.) gehörte wie immer zu den Aktivposten seiner Mannschaft. – Foto: Brian Wirth

In Rohrbach traf man sich ebenfalls im Klubhaus. "Wir werden zusammensitzen und nach der Sommerpause wieder angreifen", berichtete Liehs, der trotz des Abstiegs aufmunternde Worte für seine Schützlinge fand und eine motivierte Mannschaft für 2026/27 versprach: "Wir bekommen ein paar hoffnungsvolle junge Leute dazu."

Zu guter Letzt gilt dem Ausrichter ein lobendes Wort – der FV Elsenz kann große Spiele. Ein mit zahlreichen Ordnern manuelles Parkleitsystem bei der Anfahrt erleichterte Fans wie Anwohnern eine unnötig lange Parkplatzsuche. Zwei Kassen am Eingang und eine große Helferschar mit mehreren Getränkeständen rundeten eine erstklassige Organisation ab.

– Foto: Berthold Gebhard