
Herbert Bergmaier und Eva Modlmayer von PRO1860 sprechen im Interview über die anstehenden Wahlen und den Austausch mit Investor Hasan Ismaik.
München – Mit einer sieben Kandidaten umfassenden Liste tritt das „Bündnis Zukunft 1860“ am Sonntag bei der Mitgliederversammlung an, um möglichst viele der neun zu vergebenden Plätze im Verwaltungsrat zu ergattern. Jetzt hat die Fanvereinigung Pro1860 nun ihrerseits Wahlempfehlungen veröffentlicht. Das tz-Interview mit den Vorständen Herbert Bergmaier und Eva Modlmayer.
Wie kommt es zur Wahlempfehlung von Pro1860?
Herbert Bergmaier: Seit der Satzungsreform, in der den Mitgliedern die Direktwahl ermöglicht wurde, gab es inzwischen 6 Wahlen zum Verwaltungsrat. Nur dieses Mal und als Reaktion auf die Liste des „Team Profifußball“ hat PRO1860 mit eigenen Vorschlägen reagiert. Jetzt ist unsere Wahlempfehlung eine Reaktion auf die Liste des Bündnis Zukunft. Wir haben durchaus Probleme damit sie abzugeben. Es ist nur so: In dem Moment, in dem eine Gruppierung mit X Kandidaten antritt, wird es für andere schwer, sich durchzusetzen. Wir werden von vielen Menschen gefragt: Wen sollen wir denn wählen? Dann ist es uns lieber, das wir offensiv sagen, wen wir empfehlen – statt das unter der Hand zu machen. Das erachten wir als fairer. Es gefällt uns aber nicht und wir würden gerne darauf verzichten.
Sie empfehlen, den aktuellen Verwaltungsrat sowie Christian Dierl und Martin Obermüller zu wählen. Wieso empfehlen sie keinen Kandidaten des Bündnisses, z.B. Martin Gräfer?
Bergmaier: Herr Gräfer ist sozusagen der Chef des Hauptsponsors. Ihn sehen wir sehr viel besser in einem Gremium der KGaA aufgehoben, als in einem Gremium des e.V., wo es z.B. darum geht den Haushaltsplan für die Abteilungen des e.V. aufzustellen oder die Belegungsordnung für die Bergsteigerhütte zu ändern. Ich bezweifle, dass so etwas den Herrn Gräfer interessiert.
„Ich persönlich befürchte, dass sie selbst nach dem Gewinn der Wahl maßlos enttäuscht sein werden, nicht wir.“
Herbert Bergmaier über das Bündnis Zukunft 1860.
Was spricht gegen Klaus Lutz?
Bergmaier: Was aus unserer Sicht für die von uns empfohlenen Kandidaten spricht: Herr Dierl und Herr Obermüller sind beide seit Jahren extrem aktiv, um dem e.V. zu helfen. Jetzt kurz vor der Wahl mal kurz bei den Boxern vorbeizuschauen und dann zu sagen: ich bin schockiert über die sanitären Anlagen und zu betonen, dass man Lebensmitglied sei – das reicht für uns nicht aus um zu zeigen, dass man selbst nachhaltig etwas für den e.V. bewirken möchte.
Welche Auswirkungen befürchten Sie, wenn das Bündnis die Wahl gewinnt?
Bergmaier: Ich persönlich befürchte, dass sie selbst nach dem Gewinn der Wahl maßlos enttäuscht sein werden, nicht wir.
Inwiefern?
Bergmaier: Es gibt die unterschiedlichsten Charaktere, die seit Jahrzehnten, aus dem e.V. heraus, mit der KGaA etwas bewirken wollten. Es hat aber nie wirklich mit Hasan Ismaik funktioniert, vor allem aber auch, da der Einfluss des Verwaltungsrates auf das Tagesgeschäft der KGaA ziemlich gering ist. Ich glaube, dass sie – sollten sie die Wahl gewinnen – irgendwann maßlos enttäuscht sein werden. Weil es, zumindest wenn Sie „auf Augenhöhe“ kommunizieren, nicht so funktionieren wird, wie sie sich das vorstellen.
„Wir glauben, dass sich Hasan Ismaik insoweit ändern muss, dass eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe im eigentlichen Sinne auch möglich ist.“
Herbert Bergmaier.
D.h. aber, wenn sich gar nichts ändern würde, könnten sie so gesehen ja auch Kandidaten des Bündnisses zur Wahl empfehlen.
Bergmaier: Nein, denn dann wäre der aktuelle Kurs der Konsolidierung in der KgaA gefährdet. Aber solange eine Entscheidung demokratisch herbeigeführt wird, ist daran nichts zu beanstanden. Jetzt aber zum Beispiel einen gewählten Präsidenten oder ein gewähltes Präsidium, mit welchen Mitteln auch immer, zu demontieren, hat für mich nichts mehr mit Demokratie zu tun. Man muss den Wählerwillen akzeptieren. Und der war eben vor zwei Jahren, Robert Reisinger als Präsidenten zu wählen.
Zur Wahrheit gehört auch, dass sie auch deswegen keinen Kandidaten des Bündnisses zur Wahl empfehlen, weil es – anders als pro1860 – wieder eine enge Abstimmung mit Investor Hasan Ismaik anstrebt. Warum glauben Sie, dass ihr Kurs der Emanzipierung erfolgreicher sein wird und in naher Zukunft (doch noch) zum Aufstieg führt?
Eva Modlmayr: Amtsträger des e.V. sind dazu da, den Mutterverein zu vertreten. Jedes Gespräch, das auf Augenhöhe mit Herrn Ismaik stattfindet, wird von ihm allein deshalb schon als respektlos empfunden. Unter Peter Cassalette haben wir gesehen, was passieren kann, wenn man allem zustimmt. Was wäre künftig das Resultat? Womöglich noch mehr Schulden und ein erneuter Abstieg.
Bergmaier: Die aktuelle Vereinsführung hat lange versucht, kooperativ mit dem Investor zu arbeiten. Aber es geht nicht um eine enge Zusammenarbeit, sondern es geht um Unterwerfung. Und das ist das Problem. Wir glauben, dass sich Hasan Ismaik insoweit ändern muss, dass eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe im eigentlichen Sinne auch möglich ist. Und wir glauben auch, dass es im Eigeninteresse von Ismaik ist, mit dem Verein zu reden. Hoffentlich ohne Presse.
„Aber auch da haben wir zugehört. Wichtig war für uns noch, dass er gesagt hat, dass er das Gespräch schon viel früher hätten führen müssen – am besten sogar noch vor seinem Einstieg als Investor.“
Herbert Bergmaier.
Sie haben sich im Vorfeld der Wahl mit Ismaik zum Gespräch getroffen. Wie haben Sie ihn erlebt?
Bergmaier: Es war ein gutes Gespräch. Ihn hat unsere Meinung schon sehr interessiert. Er ist dann aber immer wieder abgedriftet, hat über unzählige Dinge philosophiert, wo Sechzig künftig stehen wird. Das hat uns bekanntermaßen nicht so beeindruckt. Aber auch da haben wir zugehört. Wichtig war für uns noch, dass er gesagt hat, dass er das Gespräch schon viel früher hätten führen müssen – am besten sogar noch vor seinem Einstieg als Investor. Das hat mir gezeigt, dass er ein paar Dinge mittlerweile anders sieht. Weil er halt durch seine Dolmetscher oder seine Leute in München sehr gefiltert und wahrscheinlich in Teilen sogar falsch informiert wurde und wird.
Nach dem Treffen warf Ismaik Pro1860 vor, „nicht ehrlich“ zu sein, der Verein habe 50 Mio. Schulden bei ihm. Was sagen Sie dazu?
Bergmaier: Der gemeinnützige Verein hat keine Schulden bei Hasan Ismaik. Er meint vermutlich die Kredite, die er über die Jahre hinweg in das Profifußball-Unternehmen (die KGaA) gesteckt hat, an dem er die Aktienmehrheit hält. Schulden in der Höhe sind zweifellos eine Hürde bei der Suche nach neuen Investoren. Hasan Ismaik wird sich in Sachen Forderungsverzicht beweglich zeigen müssen, damit es für neue Investoren attraktiv ist. Bei seinem Einstieg 2011 verzichteten die damaligen Gläubiger nach meiner Erinnerung auf 60 Prozent ihrer Forderungen. Aber das ist allein Sache der Gesellschafter. Wir als Fanorganisation schauen da nur von außen drauf.

„Ich hoffe für Hasan Ismaik – sofern er denn kommt – dass er dort keinen Schaden nimmt.“
Herbert Bergmaier über den Besuch des Investors im Zenith.
Wie bewerten Sie seine Wahlkampftour? Zuletzt hatte er potenzielle Reformwähler ja sogar mit T-Shirts geködert …
Bergmaier: Das ist ungewöhnlich. Aber auch das gabs bei Sechzig schon. Für Sechzig ist das gar nicht mal so untypisch (lacht).
Wie blicken Sie auf den 16. Juni voraus?
Bergmaier: Ich hoffe für Hasan Ismaik – sofern er denn kommt – dass er dort keinen Schaden nimmt. Körperlich wird ihm natürlich nichts passieren. Aber ich fürchte, dass es sehr desillusionierend sein wird. Es ist eine demokratische Wahl der Mitglieder. Und der e.V. wird – egal wie die Wahl ausgeht – weiterhin mit Hasan Ismaik in irgendeiner Form zusammenarbeiten müssen. Da ist jede Verbitterung und jeder Ärger schlecht. Er selbst kann durch die Teilnahme aber nicht gewinnen. Selbst beim Bündnis bin ich mir da nicht sicher.
„Es ist eine demokratische Abstimmung, die es natürlich zu respektieren gilt, ganz egal, wie sie ausgeht.“
Eva Modlmayer
Inwiefern?
Bergmaier: Egal, was passiert, es hat für ihn keinen Vorteil. Ich hoffe, dass er sein Gesicht nicht verliert und sich nicht zu sehr ärgern wird. Da kommen vielleicht 1.200 oder 1.600 Löwen mit unterschiedlichsten Charakteren und Meinungen. Es werden aber wahrscheinlich keine Banner mit der Aufschrift „Willkommen, Hasan Ismaik“ in der Halle hängen, wie es bei einigen Fanclub-Treffen der Fall war und wenn, dann nicht nur diese Banner.
Welchen (Wahl-)Ausgang prognostizieren sie?
Modlmayr: Es ist eine demokratische Abstimmung, die es natürlich zu respektieren gilt, ganz egal, wie sie ausgeht. Ich bin aber trotzdem überzeugt, dass der bisherige Kurs unterstützt wird und dass die Kandidaten, die jetzt schon im Amt sind, wieder gewählt und die von uns zusätzlich Empfohlenen gewählt werden.