
Kreispokal Bonn: Der SC Altendorf-Ersdorf hat für die faustdicke Überraschung im Viertelfinale gesorgt. Der Siebte der Kreisliga B bezwang den Tabellendritten der Bezirksliga, TuRa Oberdrees, nach Elfmeterschießen mit 5:4. Während der Underdog damit das Ticket für den Mittelrhein-Pokal löst, hadert der Favorit mit einer mangelhaften Chancenverwertung und einem Gegentreffer Marke „Tor des Jahrhunderts“.
Es sind genau diese Geschichten, die den Pokalwettbewerb so reizvoll machen. Auf dem Papier war die Rollenverteilung im Bonner Kreispokal-Viertelfinale klar: Hier der Bezirksliga-Spitzenclub aus Oberdrees, dort der B-Ligist aus Altendorf-Ersdorf. Doch nach einem nervenaufreibenden Krimi vom Punkt war die Sensation perfekt.
Dabei sah es zunächst nach dem erwarteten Spielverlauf aus. Die Gäste aus Oberdrees übernahmen das Kommando und erspielten sich in der Anfangsphase gleich mehrere Hochkaräter. Doch der Ball wollte nicht ins Netz – ein Umstand, der sich später rächen sollte. Kurz nach dem Seitenwechsel rieben sich die Zuschauer dann verwundert die Augen: Medard Joao fasste sich ein Herz und zog von der Mittellinie ab. Der Ball flog über den zu weit vor seinem Kasten stehenden TuRa-Keeper hinweg zum 1:0 für den Außenseiter ins Tor.
Oberdrees rannte in der Folge an und kam in der 66. Minute durch Julius Lehnhoff zum verdienten Ausgleich. In der Schlussphase wurde es dann nochmal eng: Daniel Blum hatte den Sieg für den Bezirksligisten auf dem Kopf, traf in der Nachspielzeit aber nur die Latte. So musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Hier behielten die Hausherren die kühleren Nerven, während zwei Schützen der TuRa scheiterten.
Für Altendorf-Ersdorfs Trainer Armin Eslampanahnobari war der Erfolg das Ergebnis einer mentalen Meisterleistung. „Es ist ein unglaublich schönes Gefühl für den gesamten Verein, als Sieger ins Halbfinale einzuziehen – und das auch noch gegen Oberdrees, die vor dem Spiel auf dem Papier als Favorit galten. Unsere Mannschaft war top motiviert und sehr diszipliniert in der Umsetzung der einzelnen Aufgaben. Während des Spiels entwickelte sich daraus eine starke Synergie, die sich auf jeden Einzelnen positiv auswirkte“, bilanzierte der 35-Jährige sichtlich stolz.
Der Coach sah in der Außenseiterrolle den entscheidenden Trumpf: „Wir sind als Underdog in dieses Spiel gegangen, daher war unsere Einstellung klar: Wir können nur gewinnen und haben die Chance, Geschichte zu schreiben. Die letzten Wochen verliefen in den Meisterschaftsspielen etwas träge, aber das, was wir gegen Oberdrees auf den Platz gebracht haben, zeigt, wie viel Potenzial und Einsatzbereitschaft in jedem einzelnen Spieler steckt. Wir haben uns monatelang auf dieses Spiel gefreut und waren mental so fokussiert, dass wir es dem Gegner so schwer wie möglich gemacht haben.“
Auf der anderen Seite herrschte bei TuRa-Coach Wolfgang Schlösser verständlicherweise Enttäuschung, aber auch eine realistische Einordnung des Geschehens. „Das war ein klassisches Pokalspiel. Man sieht es ja auch im Profifußball immer wieder – warum verliert Bayern München plötzlich gegen Holstein Kiel oder andere Außenseiter? Genau solche Spiele passieren im Pokal. Wir hatten in den ersten zehn Minuten vier oder fünf richtig gute Chancen, standen mehrfach frei vor dem Tor und machen das Ding nicht rein. Wenn du diese Möglichkeiten nicht nutzt, wird es schnell zu so einem typischen Pokalspiel“, so Schlösser.
Besonders der Gegentreffer blieb ihm im Gedächtnis: „Dann kommt eine Szene, die man fast als 'Tor des Jahrhunderts' mit einem Schuss aus der eigenen Hälfte bezeichnen kann – nach einem dilettantischen Ballverlust von uns. Plötzlich steht es 0:1.“ Trotz des K.o. blickt er nach vorne: „Am Ende kommt es zum Elfmeterschießen – und das ist immer eine Lotterie. Gestern hat uns vorne einfach der letzte Punch gefehlt, um das Spiel vorher zu entscheiden. Trotzdem müssen wir das Ganze richtig einordnen. Natürlich war das alles andere als optimal, aber wir dürfen jetzt auch nicht so tun, als wäre plötzlich alles schlecht. Wir spielen insgesamt eine sehr gute Saison.“
Für den SC Altendorf-Ersdorf ist der Einzug ins Halbfinale weit mehr als nur ein Prestigeerfolg: Durch den Sprung unter die letzten Vier ist der B-Ligist automatisch für den Mittelrhein-Pokal qualifiziert – ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte.
SC Volmershoven-Heidgen – SC Fortuna Bonn 2:4
SC Volmershoven-Heidgen: Clemens Johannes Möhring, Stefan Eisenburger, Tom Nekes, Stephan Bremer, Lars Grage, Ismail Khaled (85. Laurin Hothum), Ibrahim Bokhabza, Sebastian Flachmeier, Jona Christopher Schöngen (73. Moritz Hartmann), Michael Braun, Bilal Abik (78. Lucas Daniel Wölk) - Trainer: Timo Schüller - Trainer: Joachim Pietsch
SC Fortuna Bonn: Athanasios Kitsikoudis, Nils Düren, Amadou Keita, Jan Olzem (70. Armand Tirchi), Alagie Dodou Njie, Kai Nierada, Carlos De La Cruz (89. Eron Breznica), Ilias Khettabi (84. Kordian Sicinski), Ege Emre Cetinkaya, Dastit Bulliqi (60. Donik Berisha), Joebel Gray - Trainer: Dario Paradiso - Co-Trainer: Mikheil Khutsishvili
Schiedsrichter: Dr. Lukas Heineck (Marburg) - Zuschauer: 190
Tore: 0:1 Joebel Gray (11.), 1:1 Michael Braun (56.), 2:1 Michael Braun (58.), 2:2 Nils Düren (63.), 2:3 Joebel Gray (84.), 2:4 Joebel Gray (90.)
Sportfreunde Ippendorf – Marokkanischer SV Bonn 2:6
Sportfreunde Ippendorf: Alexander Kahlert, Martin Sistig (67. David Stader), Jimmy Lomami, Ole Wennrich, Nikita Ritter (73. Nawid Schirazi), Henrik Holger Hansen (46. Timo Pastebar), Leopold Ferdinand Siemer, Kilian Sommersberg (46. Marc Brass), Florian Burbach, Tom Krahe (67. Timo Schäfer), Tim Stein - Trainer: Reinhard Zorn
Marokkanischer SV Bonn: Manuel Kurth, Brindon Mensah-Assiakoley, Soufian Ben Amar, Arthur Ruppel (75. Mucteba Dogan), Hamza Asaad Allah Ayari (90. Dhrgam Alshebani), Bilal Acharki (65. Adnan Bouskouchi), Abdullah El Leithy, Albara Mohamed Elforjani (88. Francesco Krämer), Jan Schmickler (70. Ronay Cöcel), Volkan Kartal, Alejandro Albaida Aroca - Trainer: Mesih Celik
Schiedsrichter: Jens Grage (Alfter)
Tore: 0:1 Jan Schmickler (38.), 0:2 Volkan Kartal (45.), 0:3 Alejandro Albaida Aroca (48.), 0:4 Hamza Asaad Allah Ayari (62.), 1:4 Tom Krahe (65.), 1:5 Albara Mohamed Elforjani (72.), 2:5 Marc Brass (76.), 2:6 Volkan Kartal (88.)