
Mommenheim/Mainz. Die Rückkehr kommt schneller als gedacht. Vorige Woche trainierten die Oberliga-Fußballer des SV Gonsenheim noch auf dem Rasenplatz des TSV Mommenheim, um sich auf den Ligastart vorzubereiten. Diesen Mittwoch (19.30 Uhr, VRM-Livestream) geht es schon wieder ins Selztal – im Verbandspokal.
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Bezirks- gegen Oberliga lauten die Vorzeichen. „500 Zuschauer kommen bestimmt“, ist sich Jens Eberhardt sicher, „die Spiele bei uns sind ja immer gut besucht. Das kennt man so gar nicht bei den Stadtvereinen.“ Der 39-Jährige, der bis vor acht Jahren bei Fortuna Mombach Verbandsliga-Stammspieler war, ist seit 2019 zur Institution beim TSV geworden. Und verweist umgehend auf „Ur-Mommenheimer“ wie Kapitän Sascha Stüber oder Maurice Göbig.
„Bis vor zwei Jahren waren wir ein reiner Dorfverein mit Spielern aus der direkten Umgebung“, erzählt Eberhardt, „dann kamen einige Leute mit höherklassiger Erfahrung und Mainzer Talente hinzu.“ Eine Mischung, die optimistisch stimmt: „Ein einstelliger Tabellenplatz sollte schon drin sein. Wir sind eine lustige Truppe und sitzen nach dem Training und vor allem nach Heimspielen gern noch zusammen, haben aber auch richtig gute Kicker drin.“
Mittendrin: Timo Liebisch, Bruder von Ex-Coach Sven, der nun Co-Trainer beim SV Gonsenheim ist. „Die Jungs mussten Google Maps benutzen, aber ich kenne den Platz gut“, grinst Sven Liebisch, „natürlich freue ich mich über das Los, aber ich hätte es so früh noch nicht gebraucht.“ Von der „grünen Hölle“ spricht man in der 3.000-Einwohner-Gemeinde. „Wenn du die Treppe runter gehst, die Musik läuft – das ist Stadionfeeling und macht richtig Bock“, strahlt Eberhardt.
Der kleine Rasen ist in einem sehr guten Zustand. „Und im Pokal kann alles passieren, dessen sind wir uns bewusst“, sagt Liebisch. „Das wird ein hoch emotionales Spiel, das sind auch alles Herren-Sportler. Wir müssen cool bleiben und unser Spiel auf den Platz kriegen.“ Das klappte beim 0:1 in Gau-Odernheim eher so gar nicht. „Nach der ersten Halbzeit dachte ich, da kann vielleicht was drin sein, wenn wir einen Top-Top-Top-Tag haben“, erzählt der neue TSV-Trainer Ricardo Baroli, „aber nach unserer Leistung gegen Zornheim kann Gonsenheim drauf sein, wie sie wollen...“
Die Mommenheimer 1:4-Pleite im Nachbardorf war ein herber Dämpfer. Baroli setzt auf Wiedergutmachung. Und kündigt an: „Wir werden uns nicht hinten reinstellen. Wir wollen mitspielen, werden unseren Stiefel durchdrücken. Wenn es dann frühzeitig entschieden ist, ist es so, aber es ist attraktiver Fußball und wir lernen dazu. Wenn wir 1:0 führen, kann ich aber nichts versprechen.“
Für die Mommenheimer ist es ein mehr als besonderer Tag – noch nie ging es in einem Pflichtspiel gegen einen Oberligisten. Kulinarisch und organisatorisch wird der TSV präpariert sein. „Die Menschen, die Ehrenamtlichen machen diesen Verein besonders“, sagt Baroli, „jeder steht für jeden ein, in Mannschaft und Verein. Da sieht man, was heutzutage auf dem Dorf noch möglich ist. Und wir haben nichts zu verlieren.“
„Wir nehmen den Pokal maximal ernst“, betont Liebisch. Der Co-Trainer ist auch Triebfeder der Gonsenheimer Social-Media-Offensive, in engem Zusammenwirken mit seiner Schwägerin Sinah Weber – Jugendleiterin in Mommenheim: „Sie ist der kreative Kopf hinter vielen Ideen.“ Jüngst sorgte ein Video mit der Kabinenansprache von Chefcoach Luca Vanni für rege Debatten in Fußball-Rheinhessen. Filmen im Heiligtum?
„Es freut mich, dass darüber geredet wurde“, betont Liebisch. „Wir geben ja keine taktischen Insights preis. Es entsteht mehr Verbindung, man kann Menschen emotionalisieren und blickt hinter die Kulissen.“ Gedreht hat den Beitrag Niclas Dechent, Content Creator bei Mainz 05, der letztes Jahr noch in Mommenheim gespielt hat. Dem neuen Trainerteam ist wichtig, den SVG „fühlbar zu machen“: „Das ist so ein geiler und herzlicher Verein mit vielen tollen Leuten. Wir wünschen uns, dass das besser zu greifen ist.“
Liebischs jüngster Sohn spielt beim SVG im Kidsclub, der älteste in der U9. „Es ist einfach ein Herzensverein. Unsere Betreuerin Bettina Stritter war vor 20 Jahren schon Betreuerin bei meinem Bruder.“ So schließt sich an diesem Mittwochabend ein weiterer Kreis. Und das im Livestream. „Mommenheim ist ein überragender Verein, für sie ist die Außendarstellung schön“, sagt Liebisch. „Das macht es noch mal geiler“, findet Eberhardt, „so etwas haben wir nicht alle Tage.“ Baroli hofft auf einen positiven, anstachelnden Effekt. So oder so: „Für uns ist es ein Bonus-Spiel.“