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Plötzlich Bayernliga - mit 18: »Wann wird endlich abgepfiffen?«

Florian Scharringer, eigentlich nur die Nummer 3 beim FC Sturm Hauzenberg, wurde im Kellerduell gegen Türkgücü München zur Halbzeit eingewechselt.

von Helmut Weigerstorfer · 04.03.2026, 08:00 Uhr · 0 Leser
Mittendrin statt nur dabei: Florian Scharringer hielt vor den Augen von Sturm-Torwart-Trainer Pascal Keese seinen Kasten sauber.
Mittendrin statt nur dabei: Florian Scharringer hielt vor den Augen von Sturm-Torwart-Trainer Pascal Keese seinen Kasten sauber. – Foto: Robert Geisler

Überfordert war Florian Scharringer, das gibt er offen zu - aber erst nach der Partie. Obwohl die Medienlandschaft rund um den Staffelberg eher überschaubar ist, waren es für den 18-Jährigen doch zu viele Journalisten, die nach Spielende etwas von ihm wollten. Er ist einfach kein Mann der Worte, eher der Taten, wie am vergangenen Samstag deutlich geworden ist. Denn von nun an darf sich der junge Bursche als Bayernliga-Spieler bezeichnen. Eine völlig unerwartete Premiere...

Es ist - auch mit etwas Abstand - immer noch unwirklich für ihn. Ja, als Kadermitglied der Hauzenberger U19-Bezirksoberliga-Mannschaft, das immer wieder in der Kreisklassen-Reserve aushilft, hat Scharringer bereits nachgewiesen, dass er Talent und somit auch Qualität hat. Die 1. Mannschaft war allerdings, obwohl er regelmäßig mittrainieren durfte, weit weg. "Für mich war es schon eine Ehre, überhaupt einmal auf der Bank sitzen zu dürften."

Das Pech seiner Torwartkollegen war aber dann, so bitter es klingen mag, letztlich sein Glück. Platzhirsch Christoph Obermüller hat Rücken und fällt derzeit aus. Sein Vertreter Stefan Schulz verletzte sich gegen Türkgücü München schwerer am Sprunggelenk, musste zur Halbzeit raus. „Erst dachte ich noch, es ist nicht schlimmer“, blickt Florian Scharringer zurück. Erst seine Bankkollegen zum Jahresauftakt der Bayernliga Süd machten ihn darauf aufmerksam, „dass ich mich vielleicht mal herrichten sollte“. Und dann kam auch schon das entsprechende Signal von Sturm-Trainer Alex Geiger.

„Ich war nervös. Richtig nervös. So nervös wie noch nie in meinem Leben“, ist der 18-Jährige ehrlich. Denn plötzlich betrat er die ganz große Bühne. Von jetzt auf gleich. „Das war wie im Film“, beschreibt er die letzten Momente vor der Einwechslung. Hauzenberg führte im so wichtigen Spiel gegen Türkgücü München zur Pause mit 1:0. Und nun soll der Youngster, der Frischling den Kasten sauber halten – und somit drei Punkte festhalten? „Da war wie im Film", wiederholt er noch einmal. "Im Rückblick kann ich mich an Details gar nicht mehr erinnern.“

Cooler Typ: Florian Scharringer ist nun Bayernliga-Spieler.
Cooler Typ: Florian Scharringer ist nun Bayernliga-Spieler. – Foto: Robert Geisler

Nur so viel: Der junge Keeper kam eigenen Angaben zufolge gut in die Partie. Zwei, drei „leichtere“ Situationen meisterte er gekonnt, sodass die Nervosität etwas nachließ. „Dann wurde es zweimal brenzlig. Aber ich war zur Stelle“, berichtet er. Florian Scharringer machte eine gute Figur. Er fügte sich von außen betrachtet ein, als wäre es für ihn das Normalste der Welt, in einem Bayernliga-Kasten zu stehen. Innerlich war der Hauzenberger anders bestückt. „Erst habe ich gedacht: Bitte macht's das zweite Tor, dann wäre es einfacher für mich. Dann habe ich einfach gehoft: Wann wird endlich abgepfiffen?“

Ehrliche Worte, die etwas konträr zur Charakterisierung von FC-Coach Alex Geiger stehen, aber wohl der absoluten Ausnahmesituation geschuldet sind. Er beschreibt seinen Schützling als „coole Socke, ein ruhiger und angenehmer Bursche. Das Ergebnis ist absolut toll für ihn, trotzdem sollen alle mal den Ball flach halten“. Der 18-jährige hätte, wie für 18-Jährige üblich, noch „einiges an Entwicklung“ vor sich. Auf diesem Weg werde er von den Verantwortlichen begleitet. Geiger und Kollege Schwarz fordern und fördern ihn. „Bedenken hatten wir überhaupt keine. Jeder, der bei uns auf dem Spielberichtbogen steht und auf der Bank sitzt, hat 100 Prozent Vertrauen von Dominik und mir.“

Die Gelegenheit, sich erneut zu zeigen, hat Florian Scharringer höchstwahrscheinlich bereits am kommenden Wochenende in Deisenhofen. „So wie es aussieht, werde ich da im Tor stehen“, ahnt der junge Mann. Überfordert wird er nicht sein, obwohl es Bayernliga-Fußball ist. Und auch mit den Medienansturm wird er dann besser zurecht kommen...