
Es war alles angerichtet: Best of Grafschaft gegen den FC Schalke 04, ein warmer Samstagnachmittag in Nordhorn, mein Junior dabei und ich mittendrin, erstmals mit Presseausweis um den Hals, leicht nervös, aber sehr entschlossen. Man geht ja nicht alle Tage offiziell als Pressevertreter durch ein Stadiontor. Also schon, aber ich eben nicht.

Das Stadion Blanke war rappelvoll, der Geruch von Stadionwurst wehte durch die Luft, und Blau-Weiß war so präsent, dass man sich eher in Gelsenkirchen wähnte als in der Grafschaft. Gut möglich, dass selbst der Imbissstand kurz „Glück auf!“ gesagt hat, bevor er Pommes rausgab.
Knapp 6000 Zuschauer, das hatte schon Format. Man spürte förmlich, dass heute etwas Besonderes passierte. Ich schnappte mir also meinen Presseausweis am Fenster (vielen Dank an Nico Weusthof für das reibungslose Prozedere), wurde freundlich kontrolliert, was ungefähr so nervenarm verlief wie das letzte Training bei den Alten Herren und war drin.

Schalke lief sich warm, das Publikum war sofort dabei. Auch die Auswahl Best of Grafschaft zeigte: Wir wollen hier nicht nur Spalier stehen. Und für einen Moment dachte man wirklich, das wird ein ausgeglichenes Spiel. War’s auch - für 24 Minuten.
Dann kam Pape Meïssa Ba, dann kam Younes, dann kam Matriciani und dann kam das große Aufräumen der Schalker Offensive. Innerhalb weniger Minuten stand es 4:0, und die Gastgeber wussten plötzlich wieder, dass ein Zweitligist eben auch in der Vorbereitung weiß, wo das Tor steht.
Aber die Grafschafter hielten weiter dagegen. Applaus für jeden Angriff, sogar für Eckbälle. Manchmal ist Fußball ganz einfach: Wer sich bemüht, wird gefeiert. Der Pausenpfiff kam wie ein Gong in der dritten Runde - durchatmen, aber nicht k.o.
In der Halbzeitpause zeichnete GN-Online die „Grafschaft-Knipser“ aus: Kathrin Bookholt (Suddendorf-Samern) bei den Frauen und Hedon Selishta (SV Eintracht Nordhorn) bei den Herren. Ein stimmungsvoller Rahmen, das Lattenschießen lief nebenbei, ging bei mir aber fast unter.

Danach wurde komplett durchgewechselt, nur der Grafschafter Keeper blieb, entweder aus Pflichtgefühl oder weil niemand sonst wollte. Schalke machte dort weiter, wo sie aufgehört hatten: Tore. Becker, Remmert, Donkor, Zalazar, das Ergebnis wurde zweistellig knapp verfehlt, aber ehrlich gesagt: Es interessierte niemanden mehr.
Denn in der 85. Minute schrieb Laurin Vrye das Kapitel des Spiels aus Sicht der Gastgeber. 1:8. Ein Ehrentreffer, der lauter bejubelt wurde als so mancher Bundesliga-Treffer. Und zu Recht. Wer trifft, während er acht Gegentore kassiert hat, verdient Applaus - mindestens. Bojan Potnar legte sogar noch einen nach, doch das störte die Stimmung kein bisschen.

Und dann kam das Kapitel „kurios“: Flitzer. Vor dem Schlusspfiff. Und zwar so flink, dass die Ordner ihre Kondition auf offener Bühne testeten, leider ohne Erfolg. Der Fußball gewann. Wieder mal.
Als der Abpfiff ertönte, war das Stadion kurz ein Karneval in Königsblau: Platzsturm, Jubel, Umarmungen, als hätte Schalke gerade den Wiederaufstieg klar gemacht. Hatte es natürlich nicht. Aber das war auch egal.

Ich musste dann los, familiärer Pflichttermin, die Pressekonferenz blieb ein Traum. Aber zurück blieb ein Nachmittag voller Herz, einem Treffer zum Erinnern, einer Joggingeinlage der Security und der beruhigenden Erkenntnis: Fußball funktioniert auch ohne Pyro, Pyrotechnik und Pokal.
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Und mein erster Presseausweis? Der liegt jetzt eingerahmt neben dem Kühlschrank. Gleich neben der Bierkiste. Man muss ja Prioritäten setzen.
