
„Wir sind auf der Bank heute alle zehn Jahre älter geworden“, gab ein erschöpfter wie auch erleichterter Philipp Simon, Trainer des Fußball-Mittelrheinligisten 1. FC Düren, am Freitagabend nach dem 5:3-Erfolg gegen BW Königsdorf zu Protokoll. Am Ende musste das Team um die drei Punkte mächtig zittern. Danach hatte es zu Beginn der Partie überhaupt nicht ausgesehen.
Es war ein echtes Kellerduell: Der Vorletzte Düren empfing das noch punktlose Schlusslicht BW Königsdorf. Im Vergleich zur Vorwoche, als Düren ebenfalls am Freitagabend, beim FC Wegberg-Beeck 1:2 verloren hatte, wechselte Simon seine Startelf auf vier Positionen: Für Malcom Scheibner, Samy Jaksic, Tomoki Kitagawa und Janes Pollmann begannen Marlon Kluth, Marcus Peters, Marcel Olschewski und Malik Tekin.
Und Düren legte los wie die Feuerwehr. In Minute sieben bekam Jannis Kuckertz den Ball am gegnerischen Strafraum. Sein tückischer Aufsetzer fand den Weg ins Netz, und der Dürener Anhang bejubelte die frühe Führung. Die Hausherren drückten weiter. In der 15. Minute hatte Gästekeeper Jona Hellingrath den Ball scheinbar schon sicher. Bedrängt von Malik Tekin ließ er ihn jedoch wieder aus den Händen, und der Dürener schob zum 2:0 ein.
Nur vier Minuten später eröffnete Abwehrchef Nils Schütte einen feinen Spielzug, an dessen Ende der Ball auf der linken Seite bei Kuckertz landete, dessen präzise Flanke Marcus Peters einnickte. Kurz darauf bot sich Dürens Kapitän Niklas Koppitz nach einem weiteren blitzsauberen Angriff die große Chance auf das 4:0 gegen seinen Ex-Club (in der Saison 2024/25 stand er in 28 Partien für Königsdorf auf dem Platz, legte dabei zwölf Tore und zwölf Vorlagen auf). Koppitz scheiterte jedoch am Gästetorhüter.
Erst in Minute 29 schossen die Gäste erstmals auf das Dürener Tor; kurz vor dem Halbzeitpfiff verzog Dürens Boby Bossu knapp. So ging es mit einem scheinbar beruhigenden 3:0 in die Kabinen. „Die erste Halbzeit ging klar an uns. Da können oder müssen wir gar mit einem Tor mehr führen“, sagte Philipp Simon und ergänzte: „Die Laufbereitschaft war da, die Energie war da, die Torchancen wurden genutzt. Das war eine super erste Halbzeit von uns.“
Vor rund 300 Zuschauerinnen und Zuschauern spielten die Gastgeber auch in Hälfte zwei gleich munter nach vorne. Koppitz, Tekin und Bossu ließen gute Gelegenheiten liegen. Es schien nur eine Frage der Zeit bis zum vierten Dürener Treffer.
Zwar waren die Gäste inzwischen etwas besser im Spiel, wirklich gefährlich vor das Dürener Gehäuse kamen sie jedoch nicht. Das änderte sich in Minute 69. Der eingewechselte Moussa Dramane Ballo Schmitt setzte sich auf der linken Seite durch und passte nach innen. Dürens Abwehr konnte nicht klären, und so erzielte Yasuhiro Ikai den Anschlusstreffer. Drei Minuten später zog Schmitt erneut ab, seine abgefälschte Bogenlampe senkte sich über Dürens Torhüter Jonas Rifisch, aber auch über das Tor. Bei der anschließenden Ecke schlief die Dürener Hintermannschaft, und Bright Owusi Nsiah erzielte fast unbedrängt per Kopf den zweiten Gästetreffer.
Und es sollte noch dicker für Düren kommen. In der 81. Minute langte der bereits verwarnte Jannis Kuckertz im Zweikampf ordentlich zu und sah berechtigt Gelb-Rot. Mit einem Mann mehr drückten die Gäste jetzt auf den Ausgleich, Entlastung gab es für Düren kaum. Bis in der 84. Minute bei einem Konter eine Ecke heraussprang. Koppitz brachte diese in den Strafraum, und erneut recht unbedrängt köpfte der eingewechselte Tomoki Kitagawa ein. Die Entscheidung? Mitnichten! Nachdem Kitagawa und Pollmann eine Großchance zum 5:2 liegen gelassen hatten, bekamen die Gäste in der 89. Minute einen Foulelfmeter zugesprochen, den Jongmin Park souverän verwandelte.
Königsdorf versuchte noch einmal alles, Düren verteidigte leidenschaftlich. In der Nachspielzeit setzte sich Bossu dann stark auf der linken Seite durch und konnte nur mit einem Foul gebremst werden. Den fälligen Strafstoß verwandelte er selbst souverän zum 5:3. „Wir haben in der zweiten Halbzeit die Kompaktheit verloren, die Abstände waren viel zu groß“, monierte Simon. Seine Mannschaft sei nicht mehr griffig gewesen: „Das darf uns so nicht passieren. Trotzdem sind wir glücklich, dass wir drei Punkte geholt haben.“
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