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Philipp Sellmann: 14:0-Wahnsinn, Herzblut und Kraft der Freundschaft

Der 30-jährige Mittelfeldmotor der BSG Pneumant Fürstenwalde ist der FuPa-Spieler der Woche. Nach einem historischen Kantersieg spricht der Routinier über Demut, Kopfballtore und das blinde Verständnis auf dem Platz.

von red · 19.02.2026, 09:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Ronja K. / FuPa-Grafik

Es sind Nachmittage, die man in der Ostbrandenburgliga so schnell nicht vergisst. Ein Spiel, das wie ein Rausch über den Rasen fegte und in einem astronomischen 14:0-Heimsieg endete. Mittendrin: Philipp Sellmann. Er ist kein Mann der lauten Töne. Seine Wahl zum FuPa-Spieler der Woche in Brandenburg ist die Konsequenz einer Leistung, die weit über seine zwei erzielten Tore und drei Torvorlagen hinausgeht.

Der unerwartete Ritterschlag

Obwohl er die Fäden im Spiel zieht, blieb der 30-Jährige nach der Nachricht seiner Auszeichnung bescheiden. Dass er nun im Rampenlicht steht, war für ihn keineswegs absehbar. „Vielen Dank. Nein, ich habe damit nicht gerechnet, aber freue mich darüber“, erklärt Sellmann mit jener zurückhaltenden Freude, die ihn auszeichnet. Es ist ein Moment der Anerkennung für jemanden, der oft die Drecksarbeit verrichtet, damit andere glänzen können.

Größe zeigen im Moment des Triumphs

Trotz des sagenhaften 14:0 gegen die SG Hangelsberg 47 vergisst Sellmann nicht den Respekt vor dem Gegner. Bevor er den eigenen Erfolg analysiert, blickt er auf die Verliererseite: „Bevor wir auf das Spiel schauen, möchten wir uns bei unseren Gästen bedanken, dass sie trotz des großen Umbruches angetreten sind und bis zum Schluss alles gegeben haben. Großen Respekt – besonders an die erfahrenen Spieler, die ihre Knochen hingehalten haben.“ Zum spielerischen Aspekt findet er klare Worte: „Wir waren von Beginn an konzentriert, haben den Ball gut zwischen den Ketten laufen lassen und unsere Chancen konsequent genutzt. Defensiv standen wir stabil und haben nichts zugelassen.“

Ein Kopfballungeheuer aus der Tiefe des Raums

Obwohl er zwei Treffer zum Schützenfest beisteuerte, sieht sich Sellmann nicht als klassischen Torjäger. Seine Gefährlichkeit erwächst aus der Disziplin und der Lufthoheit bei Standardsituationen. „Aufgrund meiner Position ergeben sich leider nicht viele Chancen für mich im Spiel, daher muss ich jede Chance bei einem Standard nutzen. Und dann oftmals mit dem Kopf“, beschreibt er seine Spezialität. Es ist die Effizienz eines Spielers, der weiß, dass im Fußball die ruhenden Bälle oft über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Wo das Herz wirklich schlägt

Die Beziehung zu seinem Verein, der BSG Pneumant Fürstenwalde, ist eine differenzierte. Sellmann ist kein Romantiker der Vereinsstrukturen, sondern ein Romantiker der Gemeinschaft. „Mit dem Verein kann ich mich nicht identifizieren, da der Verein zu viele Sportarten innehat und die Fußballabteilung nur durch Herrn Probst getragen wurde. Daher eher mit der Mannschaft und dem Drumherum“, gesteht er offen. Für ihn zählt das menschliche Gefüge, die Chemie in der Kabine: „Es gab vorab viele Freundschaften und es sind auch viele Freundschaften entstanden. Des Weiteren konnte ich viele schöne Erinnerungen, wie zum Beispiel die Aufstiege und die etlichen Pokalspiele, sammeln.“

Das blinde Verständnis zweier Freunde

Besonders ein Name fällt, wenn Sellmann über seine Motivation spricht: Philipp Noack. Es ist eine jener Fußballer-Freundschaften, die auf jahrelangem gemeinsamen Kampf basieren. „Ich spiele sehr gerne mit meinem Freund Philipp Noack zusammen. Wir haben schon sehr viele Spiele zusammen bestritten. Mit seiner feinen Ballbehandlung und seinem guten Überblick lenkt er das Spiel und kann den Unterschied im Spiel machen“, schwärmt Sellmann. Er selbst sieht seine Stärken derweil im Zentrum: „Ich spiele sehr gern im zentralen Mittelfeld, da kann ich sowohl offensiv als auch defensiv agieren und weitaus mehr Zweikämpfe führen, was meine Stärke ist.“

Die Schule des Fußballs

Seine Erfahrung ist das Fundament seines Spiels. Sellmann hat Stationen hinter sich, die ihn gestählt haben, unter anderem beim FV Blau-Weiß 90 Briesen und beim FSV Union Fürstenwalde. Besonders die Zeit beim FSV in der ersten Männermannschaft unter dem damaligen Trainer Mario Reichel in der Oberliga hat ihn geprägt: „Bei den beiden Vereinen habe ich jede Menge Erfahrung gesammelt.“ Diese Abgeklärtheit bringt er nun in die Ostbrandenburgliga ein, wo sein Team aktuell auf dem vierten Tabellenplatz steht. Ein konkretes Tabellenziel gibt es jedoch nicht: „Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir ein Ziel vor Augen haben. Das Wichtigste ist, dass wir alle Spaß haben und attraktiven Fußball spielen.“

Der Mensch hinter dem Fußballer

Wenn der Schlusspfiff ertönt, kehrt Sellmann in einen Alltag zurück, der Disziplin und familiäre Geborgenheit vereint. Beruflich ist er beim Bundesverwaltungsamt beschäftigt. Seine Freizeit gehört jedoch nicht nur dem Fußball: „Ich spiele sehr gern Volleyball und verbringe am liebsten Zeit mit meiner Familie.“ Sportlich bleibt sein Wunsch für die Zukunft so simpel wie existenziell: „Auf jeden Fall verletzungsfrei bleiben und den Spaß am Fußball beibehalten.“ Es ist die bodenständige Sicht eines Spielers, der weiß, dass das größte Glück auf dem Platz oft darin besteht, dabei sein zu dürfen.