2026-05-12T12:35:39.633Z

Spielbericht

Pfeifen ohne Pfeife

von Jörn Kutschmann · Heute, 21:09 Uhr · 0 Leser
– Foto: Jörn Kutschmann

SV Nord-Wedding – Hertha BSC 1:6

22.Spieltag 7er Altliga Ü40 Kreisliga A Staffel 3 Saison 2025/2026

Sonntag, 10.05.202 10:00 Uhr

Werner-Kluge-Sportplatz

10 Zuschauer

Morbide grinsend steht sie zur Abfahrt bereit.

„Freudiges Jauchzen und Bauchkribbeln“ wird dir auf der Homepage versprochen.

Auf dem Schild kurz vor Betreten des Abfahrorts (nennt man das eigentlich Bahnhof?) steht, dass man bis zu einer Körpergröße von 1,95 m mitfahren kann.

In meinem Perso steht, dass ich 1,94 m bin und ich würde sogar sagen, dass ich geschrumpft bin, seit der Muschelpo auf der Welt ist. Der Sohnemann wird nämlich gerne auf den Schultern getragen und ich vermute, dass mein Oberkörper dadurch extrem gestaucht wird.

Ich bin so oder so etwas zu groß, um in die meistens Attraktionen bei Karls Erdbeerhof zu passen. Diese Elternhölle verlangt meiner Statur jedes Mal einiges ab und die Raupenbahn ist eines der wenigen Fahrgeschäfte, in die ich meine Beine irgendwie reinfalten kann.

Aber heute ist irgendwie der Wurm drin … in der Raupe.

Ich brauche mehrere Anläufe, um beide Beine und die Plautze in das Fahrgeschäft zu manövrieren. Es grenzt außerdem an ein Wunder, dass mein Sohn neben mir noch ein bisschen Platz hat.

Ein Vater, der bereits in der Bahn sitzt, empfiehlt mir grinsend ein paar Yogastunden.

Wenn Blicke töten könnten, wäre der Mann jetzt explodiert, wie die Vampire in „From Dusk Till Dawn“, als am Ende das Sonnenlicht in die Titty-Twister-Bar schien.

Trotzdem lächelte ich freundlich und betonte, dass es wohl nie so weit kommen würde.

Genau in diesem Moment blieb mein linker Fuß unter dem Sitz vor mir hängen und beim Versuch, ihn zu befreien, gab der Knöchel ein leises Knacksen von sich.

Und das merken wir uns jetzt.

Zeitsprung: Nächster Morgen:

Der Wecker klingelt um 7 Uhr und ich hüpfe wie ein fröhliches Rehkitz aus dem Bett und mache die Kaffeemaschine ready zum Take-off.

Kurze Zeit später verabschiede ich mich von Frau und Kind und mache mich auf den Weg in den Wedding.

Wenn man es so will, spielt die Hertha heute eine Art Derby beim SV Nord-Wedding.

Die stehen auch noch einen Punkt vor uns in der Tabelle, haben aber schon ein paar Spiele mehr auf dem Konto. Wir könnten heute also drei Big Points landen und entsprechend motiviert sind alle.

Das Spiel geht auch wirklich gut los: Lumi erobert den Ball und passt auf Niri. Und der netzt im Fallen zum 0:1 ein. Gespielt sind vier Minuten.

Nord-Wedding will umgehend den Ausgleich und hat einige gute Chancen.

Nach 15 Minuten kommt ein scharfer Ball vors Tor und beim Versuch zu klären, rutscht Lenny der Ball irgendwie durch und geht in die eigenen Maschen.

Das kann er nicht auf sich sitzen lassen und erzielt nach 22 Minuten die erneute Hertha-Führung.

Dann wird es kurios.

Es ist ein Halbzeitpfiff zu hören, aber der Schiri hat definitiv keine Pfeife im Mund.

Also schieben alle Akteure den Pfiff auf den Schiri vom Nebenplatz, wo ebenfalls ein Spiel auf Halbfeld stattfindet. Doch „unser“ Schiri hat offenbar zum Pausentee gebeten. Wir sind alle etwas verwirrt, gehen aber in die Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel übernehmen wir Herthaner mehr und mehr das Zepter.

Nach 42 Minuten bringt Niri eine Ecke auf den langen Pfosten, wo Musti völlig alleine steht und per Kopf trifft.

In den folgenden zwei Minuten trifft Lenny zweimal direkt hintereinander und plötzlich führen wir 1:5.

Nun können wir das hier locker runterspielen und Timo setzt kurz vor Schluss mit dem 1:6 den Schlusspunkt unter dieses Spiel.

Fast wäre das letzte Tor mir vergönnt gewesen, aber ich vergebe mit der letzten Aktion eine recht gute Chance: Nach einem guten Pass stehe ich halbrechts ziemlich frei vor dem Tor. Aus dem Augenwinkel sehe ich allerdings einen Verteidiger auf mich zurennen.

Also will ich schnell mit links ins lange Eck abschließen. Im Moment des Schusses knackt der Knöchel etwas und nur deshalb geht dieser Abschluss nicht ins Eck, sondern in die Arme des Keepers. Jeder, der etwas anderes behauptet, muss mir das erst mal beweisen.

Also vielen Dank, Karls Raupenbahn!

Dann folgt der Schlusspfiff und wieder sind alle etwas verwundert, weil der Unparteiische keine Pfeife im Mund hat.

Des Rätsels Lösung ist eine Pfeife, die man in der Hand trägt und per Druck einen Ton erzeugt. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Aber auch im Alter lernt man immer mal wieder etwas Neues kennen.

Während einige von uns zu den Profis weiterzogen bzw. zu den Ama Zwee fuhren, verbrachte ich den Nachmittag mit den besten Mamas, die ich kenne.

Alles Gute nochmal zum Muttertag & Ha Ho He Hertha BSC … 7er Ü40

der Kutten König