Pfefferspray und Schlagstock: Die Polizei holte beim Regionalliga-Derby zwischen Türkgücü München und dem FC Bayern II eine wohl verbotene Fahne aus dem Gästeblock.
Pfefferspray und Schlagstock: Die Polizei holte beim Regionalliga-Derby zwischen Türkgücü München und dem FC Bayern II eine wohl verbotene Fahne aus dem Gästeblock. – Foto: IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg

Pfefferspray, Schlagstock, Verletzte: Polizeisprecher erklärt Gewalteskalation mit Bayern-Fans

„Aggressive Stimmung“

Die Polizei setzt Pfefferspray und Schlagstock gegen Fans des FC Bayern ein. Ein Polizeisprecher begründet bei Merkur.de den drastischen Einsatz in Heimstetten.

München - Bedenkliche Gewalteskalation bei Münchner Regionalliga-Derby: Die Partie zwischen Türkgücü und dem FC Bayern II wurde in Heimstetten nach nur zwei Minuten zuerst unter- und dann abgebrochen. Fans des deutschen Bundesliga-Rekordmeisters hatten eine wohl verbotene Fahne gezeigt. Die Bereitschaftspolizei ging daraufhin in den Block der Gästefans, um das Banner zu holen.

Gegen Fans des FC Bayern: Polizei setzt Pfefferspray und wohl auch Schlagstock ein

Es kam zu hektischen Tumulten, die Polizei setzte Pfefferspray gegen die Anhänger ein. Ein Video, das Merkur.de vorliegt und bei Twitter kursiert, soll zudem zeigen, wie die Beamten Schlagstöcke anwendeten. Ein Polizist schlägt dabei mehrmals gegen einen am Boden liegenden Anhänger ein. Vollständig verifizieren lässt sich das Video nicht. Es gab mehrere Verletzte.

Pfefferspray, Schlagstock, Tumulte: Ein Polizeisprecher erklärte Merkur.de auf Anfrage, wie es zu einer derartigen Gewalteskalation auf dem beschaulichen Sportgelände westlich der Isarmetropole kommen konnte. „Das Spiel wurde angepfiffen. Im weiteren Verlauf wurde von den Bayern-Fans eine Fahne mit kurdischem Bezug hochgehalten. Das hat zu entsprechenden Reaktionen der türkischen Fans vor Ort und zu einer aggressiven Stimmung geführt“, erzählte der Polizeisprecher: „Diese (die türkischen Fans, d. Red.) wollten anfangs noch eine Gedenkminute machen wegen des Attentats in der Türkei. Ordner und Polizei sind dazwischen gegangen. Wir konnten direkte Auseinandersetzungen zwischen den Fans verhindern.“

Wegen kurdischer Fahne? Tumulte bei Türkgücü München gegen FC Bayern II

Zur Einordnung: Am vergangenen Sonntagnachmittag (13. November) wurden bei einem Attentat in Istanbul sechs Menschen getötet und mindestens 81 verletzt. Laut den türkischen Behörden soll eine Syrerin im Auftrag der kurdischen Untergrundorganisation PKK das Attentat verübt haben. Die PKK bestreitet das. Der Befehl für den Anschlag sei nach türkischen Angaben aus Kobanê gekommen, einer Stadt in Nordsyrien, die zur kurdischen Autonomieregion Rojava gehört.

Offenbar dieses Banner sorgte beim Derby zwischen Türkgücü München und dem FC Bayern II zum Spielabbruch.
Offenbar dieses Banner sorgte beim Derby zwischen Türkgücü München und dem FC Bayern II zum Spielabbruch. – Foto: IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg

Fotos belegen indes, was auf dem Banner in Heimstetten stand: „FC Bayern Fanclub Kurdistan“. Auch die kurdische Flagge war darauf zu sehen. „Die Fahne wurde auf mehrfache Aufforderung nicht entfernt. Daraufhin sind die Polizeikräfte in den Block und haben die Fahne rausgeholt“, erklärte der Sprecher der Münchner Polizei: „Die Beamten sind auf Gegenwehr gestoßen und mussten Pfefferspray einsetzen. Ob der Schlagstock eingesetzt wurde, ist mir persönlich nicht bekannt. Der Einsatz wird aktuell aufgearbeitet.“ Der Sprecher meinte weiter: „Der Schlagstock wird in der Regel nur zum Abdrängen und Wegdrücken eingesetzt.“

Türkgücü München gegen FC Bayern II: In Heimstetten waren bereits Einsatzkräfte

Einsatzkräfte seien bereits vor Ort gewesen, „weil Türkgücü ein Verein ist, der etwas mehr als andere Vereine polarisiert“, erklärte er Merkur.de. Die Beamten mussten wegen der aufgeladenen Stimmung schließlich Verstärkung durch die Bereitschaftspolizei herbeirufen, die zudem mehrere Rettungswägen anforderte. „Wenn man Pfefferspray abbekommt, muss das aus medizinischer Sicht ausgewaschen werden“, erklärte der Polizeisprecher. Ersten Angaben zufolge soll es neun Verletzte gegeben haben.

Bei Social Media brachten bis Samstagabend reihenweise Gruppierungen der organisierten Fanszene ihren Unmut zum Ausdruck. Vor allem die Szene polarisierte, die den Beamten zeigt, der mit dem Schlagstock auf den am Boden liegenden Fan regelrecht einschlägt. Umgekehrt kursieren Videos, die dokumentieren, wie die Beamten mit Bierbechern beworfen und seitens der Bayern-Fans beleidigt werden („Bullenschweine“). Der FC Bayern wollte sich am Samstag auf Nachfrage nicht zu den Vorkommnissen äußern, Türkgücü kündigte eine Stellungnahme noch für das Wochenende an.

Im Video: FC Bayern II besiegt Regionalliga-Gegner deutlich

Brisant: Merkur.de liegt ebenfalls ein Video vor, auf dem zu vernehmen ist, wie die Fans der Heimmannschaft applaudieren, als die Polizeikräfte gewaltsam in den Block der FCB-Anhänger gehen.

Tumulte bei Türkgücü gegen FC Bayern II: BFV verurteilt „Gewalt“

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV), der für den Spielbetrieb in der Regionalliga Bayern zuständig ist, äußerte sich bereits. BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher, der als Zuschauer vor Ort war, erklärte: „Dass es zum Spielabbruch gekommen ist, kann beileibe nicht im Sinne des Fußballs sein – jede Form von Gewalt hat auf unseren Plätzen nichts zu suchen! Eine weitere Einordnung der Geschehnisse bleibt den Sportgerichten vorbehalten.“ Pfefferspray, Schlagstock, Verletzte - die Vorfälle aus dem Münchner Vorort dürften in der deutschen Fußball-Fanszene weiter für Diskussionen sorgen. (pm)

Aufrufe: 020.11.2022, 11:36 Uhr
Patrick MayerAutor